Super 8
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Super 8

4,0


Von Carsten Baumgardt

Es war das bestgehütete Geheimnis des Kinosommers. Als Meister des Marketings hatte Regisseur J.J. Abrams die Stimmung angeheizt und die Menschen heiß auf sein Mystery-Jugend-Abenteuer „Super 8" gemacht: Wie sieht das Monster aus? Wo kommt es her? Was hat es vor? Wie so oft erweist sich die clever geschürte Aufregung am Ende als nebensächlich, denn im fertigen Film spielt das vielbeschworene Monster ironischerweise gar keine so entscheidende Rolle. Was vielmehr beeindruckt sind die superben Jungdarsteller und die inszenatorische Selbstsicherheit Abrams‘. In einer Zeit von etablierten Franchises wie „Twilight", „Harry Potter" und „Transformers" geht der Regisseur mit seinem auf einem eigenen Originalstoff basierenden klassischen Jugend-Abenteuer ein beachtliches kommerzielles Risiko ein. Abrams‘ traditionellen Familienwerten verpflichtete Erzählung ist eine begeisternde Hommage an seinen Produzenten Steven Spielberg und mag als solche einen altmodischen Touch haben, aber der „Lost"-Schöpfer verbindet das liebevoll Anachronistische originell mit den Möglichkeiten des heutigen Kinos und verleiht „Super 8" so eine persönliche Note.

Sommer 1979: Der 13-jährige Joe Lamb (Joel Courtney) steckt in der Klemme. Nach dem Tod seiner Mutter zieht Vater Jackson (Kyle Chandler), der Deputy der kleinen Stadt Lillian in Ohio, die erzieherischen Zügel an. Doch das Filmprojekt seines Freundes Charles (Riley Griffiths) ist Joe zu wichtig, um sich an die strengen Vorgaben seines Vaters zu halten. Eines Nachts büxt er mit seinen Kumpeln Charles, Cary (Ryan Lee), Preston (Zach Mills) und Martin (Gabriel Basso) aus, um eine wichtige Szene des Zombiefilms in den Kasten zu bekommen. Zumal Charles die beliebte Alice (Elle Fanning), in die Joe heimlich verliebt ist, dazu gewinnen konnte, im Film mitzuspielen. Doch was dann geschieht, übersteigt die Vorstellungskraft der Kinder: Ein Mann (Glynn Turman) steuert seinen Pick-up-Truck auf die Schienen und bringt einen heranrasenden Frachtzug zum Entgleisen. Die Freunde bringen sich mit Mühe und Not vor der gigantischen Explosion und den herumfliegenden Metallteilen in Sicherheit. Geschockt sucht die Truppe das Weite. Durch Zufall hat Charles‘ herumliegende Super-8-Kamera das komplette Desaster auf Film gebannt. Nach dem Zwischenfall rückt das Militär in Lillian ein und es passieren merkwürdige Dinge in dem 12.000-Seelen-Ort. Sämtliche Hunde und einige Menschen verschwinden spurlos, doch der oberste Air-Force-Kommandeur Nelec (Noah Emmerich), der ganz klar mit verdeckten Karten spielt, wiegelt ab. Als auch Alice nach einem Streit mit ihrem alkoholsüchtigen Vater (Ron Eldard) verschwindet, bündeln Joe und seine Freunde alle Kräfte, um sie wiederzufinden...

Das Risiko, das J.J. Abrams („Star Trek", „Mission: Impossible 3") mit „Super 8" einging, ist nicht zu unterschätzen. Lässt man die spektakuläre, großes Sommer-Blockbuster-Kino in Reinkultur repräsentierende Zug-Explosion zu Beginn und das vielzitierte Monster einmal außen vor, ist der von Steven Spielberg produzierte Film ein gänzlich unmodernes Jugend-Abenteuer, bei dem im Vorfeld nicht einmal als sicher gelten konnte, ob es dafür überhaupt noch ein Publikum gibt. Denn Abrams‘ Nostalgie-Trip atmet aus jeder Pore Zelluloid den Geist von klassischen Filmen der 70er und 80er wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art", „Die Goonies", „Stand By Me" oder „E.T. - Der Außerirdische". Abrams eifert seinem Idol Spielberg nach, „Super 8" ist eine lupenreine Hommage. Es ist kein Zufall, dass die Handlung im Jahr 1979 angesiedelt ist, als Nachwuchsfilmer noch auf Super 8 drehten – Abrams serviert im Abspann als charmante Dreingabe Charles‘ fertigen No-Budget-Zombiefilm und verbeugt sich zusätzlich vor jenen Großen seiner Zunft, die in jungen Jahren auf dem Schmalfilm-Format ihre ersten Filmexperimente unternahmen.

Bei aller nostalgietränkten Liebe zum Detail und trotz der vergangene Kino-Zeiten beschwörenden phantastisch-atmosphärischen Bilder von Kameramann Larry Fong („Sucker Punch", „Watchmen") ist Abrams ein eindeutig gegenwärtiger Regisseur und lässt natürlich auch Elemente seines bisherigen Schaffens in „Super 8" einfließen. Einige Videosequenzen sehen stilistisch denen der Dharma-Initiative aus „Lost" ähnlich, auch die Inszenierung des lange Zeit nicht gezeigten Monsters verweist auf Abrams‘ grandiose Mystery-Abenteuer-Serie. Neben dem zeitgemäßen Sinn für das Geheimnisvolle und das Verschwörerische verliert Abrams auch die menschliche Dimension seiner Erzählung nicht aus den Augen, wodurch die Brücke zwischen seinen eigenen Werken und denen des hier so liebevoll gefeierten Steven Spielberg geschlagen wird.

Neben der authentisch-nostalgischen Atmosphäre des Working-Class-Ohio beeindrucken vor allem die durchweg glänzend aufgelegten Kinderdarsteller, die auch für einigen Humor sorgen. Elle Fanning hat schon in Sofia Coppolas „Somewhere" gezeigt, welch große Klasse sie besitzt, ihre dortige Leistung übertrifft sie in „Super 8" mit ihrer Natürlichkeit noch. Zwischen ihr und dem ebenfalls überzeugenden Kinodebütanten Joel Courtney reichen oft kleine Gesten, ganze Dialogpassagen überflüssig zu machen. Aber auch der Rest des Kindercasts passt sich ausgezeichnet in Abrams‘ Konzept ein, den Film ganz aus der Perspektive der Heranwachsenden zu erzählen.

Die erwachsenen Protagonisten Kyle Chandler („Der Tag, an dem die Erde stillstand"), Ron Eldard („Black Hawk Down") und Noah Emmerich („Die Truman Show") stehen im Schatten der Kinder, ihre Figuren sind rein funktional angelegt und dabei wird so manches Klischee gestreift. So stammt die skizzenhafte Darstellung der problembelasteten Beziehungen von Joe und Alice zu ihren Vätern aus dem erzählerischen Standard-Repertoire des Genres. Der Motor der Geschichte ist aber ohnehin die Suche nach Alice und nach der Wahrheit über das Monster. Dem alten Leitsatz folgend, das Monster nie zu früh zu zeigen, für den übrigens auch Steven Spielberg mit „Der weiße Hai" ein Vorbild abgibt, lässt uns Abrams die Kreatur erst nach einer halben Stunde überhaupt erahnen. Diese Zurückhaltung erweist sich als goldrichtig, denn ist das Monster erst einmal entblößt, dann stellt sich wie so oft heraus, dass das Mysterium größer war als die Strahlkraft der Kreatur selbst.

Fazit: J.J. Abrams schuf mit „Super 8" eine atmosphärisch bis ins kleinste Detail stimmige Hommage an Steven Spielbergs phantasievolles Familienkino der späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahre, die er mit wenigen wohl dosierten State-Of-The-Art-Action-Szenen anreichert. „Super 8" überzeugt als Coming-of-Age-Abenteuerkino, in dem die nostalgische Atmosphäre mindestens genauso wichtig ist wie die Handlung im engeren Sinn und trotz einiger Klischees die Spannung stets erhalten bleibt. So gelingt Abrams ein kleiner Coup - denn „Super 8" ist einer der wenigen Filme, die tatsächlich für alle Altersgruppen reizvoll sind: für die Jüngeren, die durch das moderne Unterhaltungskino à la „Twilight" und „Harry Potter" geprägt sind und denen hier ganz neue Welten eröffnet werden, aber auch für jene etwas älteren Kinogänger, die mit den Werken Steven Spielbergs aufgewachsen sind und die Werte dieser Filme im zeitgenössischen Kino so schmerzlich vermissen.

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