Auch im Kino spielt Kevin James meistens den entspannt-gewitzten Jedermann, wie man ihn aus seiner jahrelangen Paraderolle als „King Of Queens“ in der gleichnamigen Sitcom kennt. Das ist bei „Guns Up“ eigentlich nicht anders, und doch will der Film gleichzeitig in eine ganze andere Richtung gehen: Als ein Ex-Cop, der um finanziell für seine Familie sorgen zu können, auf Geldeintreiber für die lokale Mafia umsatteln muss, wagt sich James diesmal auf das Terrain eines härteren Actionfilms, der mit Augenzwinkern die Nähe zum „John Wick“-Franchise sucht.
FILMSTARTS-Autor Kamil Moll hatte die Gelegenheit, mit Kevin James darüber zu sprechen, wie sich Familienkomödie und härtere Action miteinander vereinbaren lassen, welche Rolle John Wick für den Film spielte und ob wir in der Zukunft mit einem neuen „Kindsköpfe“-Sequel rechnen dürfen.
Splendid Film
FILMSTARTS: In „Der Kaufhaus Cop“ hast du beinahe einen Cop gespielt, in „Guns Up“ spielst du nun einen Ex-Cop. War das eine Rolle, die dich schon immer interessiert hat?
Kevin James: Aus irgendeinem Grund war ich schon immer von Strafverfolgung fasziniert. Ich habe viele Freunde, die Polizisten sind, es ist also recht interessant, sie auf diese Weise quasi verkörpern zu können. Das mag bei „Der Kaufhaus Cop“ etwas anders gewesen sein als nun bei „Guns Up“, aber das Komödiantische steht immer im Vordergrund. Diesmal war das ein guter Ausgangspunkt, um einerseits eine Komödie daraus zu machen, zum anderen aber auch einen eher physischen Actionfilm.
FILMSTARTS: Du spielst ja in „Guns Up“ eine klassische Thriller-Rolle: der Gangster, der aussteigen möchte und zuvor noch einen letzten Job zu erledigen hat. Hattest du, als du dich für den Film vorbereitet hast, andere alte Filme und Klassiker im Kopf als Inspiration?
Kevin James: Wir erwähnen im Film ja „John Wick“. Ich bin auf jeden Fall ein Fan von dem, was Keanu Reeves in diesen Filmen gemacht hat. Die Art, wie er die Action darin hinbekommt. Es war wichtig, dass da auch Herz drin steckt, auch ein bisschen Komödie – man aber trotzdem mit der Figur mitfiebert und in sie emotional investiert. Ich glaube, wenn es nur um Action ginge und nicht um die Familie und nichts über die Gründe gesagt würde, warum die Figur so handelt, wäre es langweilig geworden. So fühlte sich die Mischung richtig an.
FILMSTARTS: Es gibt ja die Szene, in der dein Sohn im Film sagt: Ist Dad eigentlich John Wick? Wolltet ihr damit auch etwas selbstironischer auf die Vorbilder des Films hinweisen?
Kevin James: Ja, ein bisschen ist das sicherlich auch so. Eine augenzwinkernde Geste in die Kamera. In gewisser Weise ist der Film ja auch eine Art Hommage an „John Wick“, aber dennoch ist es eine andere Geschichte. Es geht darum, dass meine Figur versucht, seiner Familie ein gutes Leben zu ermöglichen und sie zu versorgen. Die Art und Weise, wie er dabei vorgeht, ist vielleicht nicht die richtige, aber er glaubt daran, und es ist das Beste, was er tun kann. Und dann merkt er, dass er letztlich doch aussteigen muss. Das ist der Grundstein für die Spannung und Komik, die aus der Geschichte gezogen wird.
FILMSTARTS: Wir sehen ja von Anfang an Ray, deine Figur, als einen Familienmenschen. Wie weit, denkst du, würde er für seine Familie gehen? Zu Beginn zieht er eine Grenze zwischen Geldeintreiber und Auftragsmörder. Aber die verwischt ja schnell.
Kevin James: Das verschwimmt sehr schnell, denn offensichtlich würde er für seine Kinder sterben. Er würde alles riskieren. Das sehen wir. Aber etwas zu riskieren und seine Kinder zu schützen ist das eine. Wo liegt da die Grenze, wenn man für sie sorgen will? Wie weit muss man gehen? Ab welchem Punkt können sie ein gutes Leben führen? Reicht das, was man dafür tut? Ray kämpft damit, dass er das eigentlich auf einem sauberen Weg erreichen möchte, ohne in die Illegalität abzudriften. Er war ursprünglich Polizeibeamter und hat seinen Job gut gemacht. Aber die Polizeirente reichte nicht aus und so wird er in ein paar üble Sachen verwickelt.
FILMSTARTS: Wie wir dann ja später sehen, akzeptieren seine Kinder seine Gangsterlaufbahn viel selbstverständlicher, als er selbst gedacht hätte, oder?
Kevin James: Ja, aber auf eine komödiantische Weise. Wir haben die Geschichte etwas in diese Richtung entwickelt. Aber das erzeugt wiederum Angst bei meiner Figur und der von Christina Ricci. Als Eltern sind sie besorgt, ob sie vielleicht nicht doch besser zur Therapie gehen sollten, um das alles wieder in Ordnung zu bringen.
FILMSTARTS: „Guns Up“ ist einerseits eine Komödie, hat aber auch zugleich einen etwas ernsthafteren, schmutzigeren Ton, den man auch anderen deiner Projekte in den letzten Jahren wie „Becky“ kennt. War es dir wichtig, dass es da so eine Balance gibt?
Kevin James: Ja, das finde ich viel interessanter. Ich liebe auch richtig alberne Komödien und plane momentan, zu solchen Filmen wieder zurückzukehren, aber es war definitiv eine Herausforderung. Ich mag es, den Spagat zwischen einem seriösen, gewalttätigen Actionfilm und einem lustigen Familienfilm sowie einer Komödie zu schaffen und dabei eher realistisch grundiert zu bleiben und damit die Zuschauer bei der Stange zu halten.
FILMSTARTS: Ohne unsere Leser spoilern zu wollen: Nach der Hälfte des Films dreht Christina Ricci, die bis dahin eine Nebenrolle gespielt hat, komödiantisch richtig auf. Warst du selbst erstaunt, wie engagiert sie dabei war? Wie war so eure Zusammenarbeit?
Kevin James: Ich weiß natürlich, wozu sie in der Lage ist. Sie ist erstaunlich! Eigentlich ist ja viel lustiger in diesem Film als ich. Ich glaube, sie wird viele Leute überraschen, nicht nur mit ihrem komödiantischen Talent, sondern auch mit der Action. Wie sie auftritt. Sie spielt nicht nur eine sehr beiläufige Nebenrolle, und das war’s dann. Nein, sie übernimmt den Film plötzlich!
Splendid
FILMSTARTS: Die Chemie zwischen euch beiden stimmt ja auch von Anfang an. Man nimmt den Figuren sofort die Beziehung ab.
Kevin James: Ja, das hat sich sehr natürlich angefühlt. Sie ist so ein toller Mensch, und es hat so viel Spaß gemacht! Ich liebe es, wenn man mit Leuten zusammenarbeiten kann und die Chemie stimmt mühelos. Wenn man dieses Vertrauen zueinander hat, kann man Dinge ausprobieren und versuchen, witzig zu sein. Man hat nicht so viel Angst, etwas zu riskieren. Ich glaube, man macht dann seine Arbeit am besten, wenn man den Leuten vertrauen kann, mit denen man zusammenarbeitet.
FILMSTARTS: Kannst du dir ein Sequel vorstellen? Der Film endet ja recht offen.
Kevin James: Mir würde es gefallen, eins zu drehen. Ich liebe die Spielwiese, die wir mit dieser Welt geschaffen haben, wo das Familienleben und das Leben der Mafia in gewisser Weise nebeneinander existieren. Das gibt weiterhin viel Spielraum für eine neue Mischung aus Komödie und Action.
FILMSTARTS: Wenn wir schon über die Zukunft sprechen: Wird es jemals einen dritten Teil von „Kindsköpfe“ geben?
Kevin James: Dazu kann ich im Detail natürlich nichts sagen, aber ich wäre da sehr optimistisch.