Regie-Tausendsassa Howard Hawks war in zahlreichen Genres beheimatet: Er drehte mit „Scarface“ einen bedeutenden Gangsterfilm, mit „Tote schlafen fest“ einen oft kopierten Film noir und mit „Leoparden küsst man nicht“ die womöglich lustigste Komödie aller Zeiten (mehr dazu). Und auch im Western war er beheimatet – er drehte etwa die mit John Wayne besetzten Klassiker „Rio Bravo“ und „Panik am roten Fluss“.
Letztgenannte Hawks-Regiearbeit wurde zwar in den Sparten „Bestes Original-Drehbuch“ und „Bester Schnitt“ für den Oscar nominiert und wird heute noch aufgrund ihres aufregenden Schlussaktes als Genre-Meilenstein gefeiert. Allerdings hinterließ der „Panik am roten Fluss“-Dreh bei John Wayne bleibenden, negativen Eindruck – all das wegen eines Ko-Stars der Western-Größe.
Wenn ihr nun neugierig geworden seid: „Panik am roten Fluss“ alias „Red River“ ist zwar derzeit nicht im Streaming verfügbar, jedoch ist der Westernklassiker auf Blu-ray erhältlich.
Die 2-Disc-Edition aus dem Hause Capelight Pictures enthält sowohl den Extended Cut des Films als auch seine US-Kinofassung und eine kolorisierte Fernsehfassung. Zudem liegen neben dem englischen Originalton zwei verschiedene Synchros in deutscher Sprache vor!
Darum geht es in "Panik am roten Fluss"
Um seine geliebte Ranch vor dem drohenden Ruin zu retten, muss der schroffe Viehzüchter Thomas Dunson (John Wayne) gemeinsam mit seinem Ziehsohn Matt Garth (Montgomery Clift) über 9.000 Rinder von Texas nach Missouri treiben. Dort kann er die Tiere zu einem annehmbaren Preis veräußern.
Doch dieses Unterfangen ist nicht bloß aufgrund der enormen Menge an Tieren haarsträubend, sondern auch, weil die Reise durch brandgefährliches Land und den berühmten, unberechenbaren Red River führt. Im Zuge der Strapazen mutiert Dunson zu einem wahren Tyrannen, was wiederum zum harschen Streit zwischen ihm Matt führt. Diskussionen führen zu keinem Zweck, ein Showdown ist unvermeidlich..
Unüberbrückbare politische Differenzen...
Nicht zuletzt aufgrund des epischen Showdowns ging „Panik am roten Fluss“ in die Hollywood-Geschichte ein: Die zeitgenössische Kritik war begeistert, rückblickende Rezensionen sind ebenfalls voll des Lobes. Kritikerlegende Roger Ebert nannte „Panik am roten Fluss“ einen der besten Western der Kinogeschichte, das American Film Institute wählte ihn auf Platz fünf der besten Vertreter seines Genres. Und Meisterregisseur Peter Bogdanovich zollte dem Western-Meilenstein im von Filmliebe durchzogenen „Die letzte Vorstellung“ prägnant Tribut.
Wie passend, dass sich nicht nur Dunson und Garth auf den Zeiger gehen, sondern auch am Set Spannungen zwischen Wayne und Clift entstanden. Einer der Gründe dafür waren entgegengesetzte politische Überzeugungen: Wayne war ein lautstarker, erzkonservativer Republikaner, Clift dagegen überzeugter Demokrat und queer – weshalb er sich scheute, die Rolle anzunehmen. Zumal sie zuvor bereits von Burt Lancaster abgelehnt wurde, weil er sich angeblich davor fürchtete, Waynes Gegner zu spielen.
Letztlich entschied Clift aber, über seinen Schatten zu springen und die Karrierechance anzunehmen, die „Panik am roten Fluss“ für ihn darstellte. Schon früh einigten sich Clift und Wayne, jegliche Politdiskussion zu vermeiden, um den Frieden zwischen ihnen zu wahren.
...und entzweiende Versuche, zusammenzufinden
Wie Filmkritiker, Dokumentarfilmer und Filmhistoriker Todd McCarthy im Standardwerk „Howard Hawks: The Grey Fox of Hollywood“ festhält, nahm sich Clift anschließend vor, sich in Waynes Umfeld zu integrieren. Daher willigte er ein, sich an einem Trip zur mexikanischen Grenze zu beteiligen, der als Kombination aus Teambuilding-Übung und Bärenjagd angedacht war.
Howard Hawks' Sohn, der sich ebenfalls dem Trip angeschlossen hatte, wird von McCarthy zitiert: „Wir haben letztlich keine Bären gesehen, aber wir haben uns verirrt. Unser Guide musste zugeben, dass er den Rückweg nicht kennt. Also hat John Wayne das Sagen übernommen, um uns zurückzuführen. Ein Pferd hat das Gleichgewicht verloren, ist gestürzt und hat sich ein Bein gebrochen. Wir mussten es erschießen.“
Auch nach diesem misslungenen Ausflug versuchte Clift, sich mit Wayne anzufreunden und schaute gelegentlich bei seinen abendlichen Pokerrunden vorbei. Doch auch dort fühlte er sich unwohl, weshalb er diese Besuche letztlich einstellte.
Jahre später sollte Clift es in diplomatischen Worten zusammenfassen, die Schauspielerin, Journalistin und Autorin Patricia Bosworth in ihrer Clift-Biografie festhielt: „Sie haben gelacht, getrunken, schmutzige Witze erzählt und sich dann gegenseitig auf den Rücken geklopft. Sie haben versucht, mich in ihrer Mitte aufzunehmen, aber wir lagen einfach nicht auf derselben Wellenlänge. Diese Macho-Nummer hat mich abgestoßen, weil ich sie als gezwungen und unnötig empfand.“
Clift kapselte sich daher während des Drehs ab. So wollte er Konflikte vermeiden, doch Wayne und der mit ihm befreundete Nebendarsteller Walter Brennan empfanden diese Zurückhaltung als passive Aggressivität. Daher lästerte Wayne später im Austausch mit dem Magazin Life: „Clift ist ein arroganter, kleiner Mistkerl.“ Obendrein behauptete Wayne, er hätte sicher eine Oscar-Nominierung für „Panik am roten Fluss“ bekommen, wäre da nicht Clifts distanzierte Art gewesen.
Hawks derweil hielt Clift weiter in Ehren und fragte ihn erneut für „Rio Bravo“ an. Weil Clift sich allerdings nicht erneut auf eine Zusammenarbeit mit Wayne einlassen wollte, sagte er dankend ab. Seine Rolle ging daraufhin an Rat-Pack-Superstar Dean Martin. Und wenn euch weitere Anekdoten über einen grantigen John Wayne interessieren, klickt einfach den nächsten Artikel an:
John Wayne hatte 15 doppelte Whiskys getrunken, als ihm ein Journalist die falsche Frage stellte: "Das hat ihn sehr verärgert"*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.