Heute Abend streamen: Ein virtuos inszeniertes Meisterstück - hier liefert ein Oscar-Gewinner seine vielleicht beste Performance ab!
Monta Alaine
Monta Alaine
Bereits jung von ihrem Vater an Klassiker wie "Taxi Driver" und "Clockwerk Orange" herangeführt stand fest: Film sollte es sein. Nach diversen Stops in der Branche gilt ihre Liebe auch heute noch Hollywood-Kino à la Nolan und raffinierten Arthouse-Filmen.

Tom Fords „A Single Man” ist einer dieser raren Filme, in denen einfach alles stimmt – ein Film von tragischer Schönheit, poetischer Ästhetik und mit einem überragenden Colin Firth. Heute Abend streamen.

Drei Jahrzehnte lang war Tom Ford eine Koryphäe der Modewelt: Einen Namen machte er sich zunächst als kreatives Mastermind hinter Gucci, später setzte er seine Karriere mit seinem eigenen Label fort. Als seltener Grenzgänger wagte er den Schritt von der Mode zum Film und bewies, dass sein Gespür für Stil nicht nur Stoffe, sondern auch Geschichten durchdringen kann: Sowohl sein Debüt „A Single Man” als auch sein zweiter Film „Nocturnal Animals” wurden von der Kritik hochgelobt und brachten ihm Nominierungen bei den Oscars und den Golden Globes ein.

Im Jahr 2023 gab Ford in einem GQ-Interview bekannt, seine Modekarriere an den Nagel zu hängen und sich die nächsten 20 Jahre voll und ganz seinem filmischen Schaffen zuzuwenden. Die Dreharbeiten seines nächsten Projekts „Cry to Heaven”, das auf dem gleichnamigen Roman von Anne Rice basiert, haben zwar noch nicht begonnen, gespannt sein dürfen wir trotzdem schon jetzt: Denn es geht um Kastraten im Venedig des 18. Jahrhunderts – und das verspricht Oper, Opulenz und grausam-schöne Optik.

Ehe Tom Fords dritter Film es endlich auf die große Leinwand schafft, solltet ihr euch sein Debüt auf keinen Fall entgehen lassen. „A Single Man” ist einer dieser Filme, in denen wirklich alles (!) ineinander greift und die einem das Herz tausendfach brechen lassen – aktuell könnt ihr ihn auf Amazon Prime Video* ab 3,99 Euro leihen bzw. kaufen.

Ein letzter Tag

„A Single Man” basiert auf dem gleichnamigen Roman von Christopher Isherwood und erzählt einen Tag des Literaturprofessors George Falconer (Colin Firth), der im Los Angeles des 60-er-Jahre lebt. Oder vielmehr: zu überleben versucht. Denn acht Monate zuvor verlor er seinen langjährigen Partner Jim (Matthew Goode) bei einem tragischen Autounfall. Die Welt um ihn herum funktioniert weiter, doch für George hat das Leben seinen Sinn verloren. Es ist ein Tag, den er mit dem Vorsatz beginnt, seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch scheinbar beiläufige Begegnungen, darunter ein Treffen mit seiner langjährigen Freundin Charley (Julianne Moore) und seinem Studenten Kenny (Nicholas Hoult), bringen wieder Farbe in sein Leben zurück.

Colin Firth bekam den Oscar als bester Hauptdarsteller zwar erst im darauffolgenden Jahr für „The King’s Speech” und wurde für seine Darstellung des George zwar „nur” nominiert – aber oscarwürdig ist diese auf alle Fälle. Er spielt hier einen Mann, der von Trauer und Verlust gefoltert sein Leben gerade noch so zusammenhält. Sein Spiel ist dabei so nuanciert, so behutsam und schmerzhaft präzise, dass man kaum wegsehen kann – es ist ein mimisches Spiel der kleinsten Regungen, der unausgesprochenen Gedanken. Besser war Firth nie!

A Single Man
A Single Man
Starttermin 8. April 2010 | 1 Std. 40 Min.
Von Tom Ford
Mit Colin Firth, Julianne Moore, Nicholas Hoult
Pressekritiken
3,6
User-Wertung
4,0
Filmstarts
4,0

Ein Film zum Sterben schön

Tom Ford zeigt mit „A Single Man”, wie ein Leben an Energie verliert – und nutzt dabei eine Farbpalette, bei der einem beinahe schwindelig wird. Von gebrochenem Weiß und fadem Grau changiert er zu satten Farben. Melancholie, Tragik und Schönheit durchbrechen jedes Bild.

Die Kamera von Eduard Grau („The Room Next Door”) spielt dabei mit Schatten und Licht und arrangierte durchkomponierte Einstellungen wie aus einem Modeeditorial – und doch wirkt das Ganze nie selbstverliebt. Die 60er-Jahre sind dabei weit mehr als bloße Retro-Kulisse: Zwischen Nostalgie und stilisiertem Sixties-Schick steht die Figur des homosexuellen George, werden Tabus und Brüche der Gesellschaft selbst sichtbar.

Die Kostüme, das Interieur, selbst die Zigarette in der Hand wirken wie aus einem „Mad Men“-Stillleben, doch sie erzählen auch etwas über Selbstkontrolle, Kodierung und Repression. Georges Kleidung sitzt stets genauso perfekt, wie er den Schein nach außen hin wahren muss – während sein Innerstes in dieser auf Perfektion getrimmten Welt zerbricht.

Am Ende ist „A Single Man” ein Film, der einem mit jeder Sekunde Bewusstsein abverlangt – der die Schönheit des Moments und des Lebens mit all seinen Facetten zelebriert. Ein Kuss an die Haushälterin. Ein Lidstrich im Fokus. Ein Kompliment. Ein Duft – der eines Parfums oder eines Welpen vielleicht. Und ein Film, den man mit allen Sinnen einatmen muss.

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