Es gibt Schauspieler, die Zeit ihres beruflichen Lebens aufgrund ihrer schwankenden Gemütslage und cholerischen Anfällen bei Kolleg*innen und Regisseuren gefürchtet sind. Der bekannteste Vertreter dieser Gattung der „schauspielenden Psychopathen“ ist mit Sicherheit Klaus Kinski („Fitzcarraldo“, „Nosferatu“), dessen unberechenbare Ausraster und extreme Verhaltensweisen am Set öfter für Angst und Schrecken sorgten.
Doch auch manchen Regisseuren eilt solch ein Ruf voraus. Diktatorisch, herrisch und unbarmherzig – nur drei, nicht gerade positiv besetzte Adjektive und Umschreibungen, die Schauspieler nach der Zusammenarbeit mit dem Österreicher Otto Preminger über selbigen äußerten. Der Regisseur, der mit Noir-Meisterwerken wie „Laura“ und „Faustrecht der Großstadt“ Filmgeschichte schrieb, wurde aufgrund seiner despotischen, rücksichtlosen Art von Anthony Hopkins einst sogar mit Adolf Hitler verglichen. Und Paul Newman bezeichnete Preminger nach der Arbeit am Historienepos „Exodus“ (1960) als „faschistischen Tyrann“.
Gegensätze ziehen sich an? Der Tyrann und sein Hauptdarsteller
Da ist es umso erstaunlicher, dass einige Jahre später ausgerechnet jener britische Charaktermime Freundschaft mit Preminger schloss, der schon damals als äußerst bodenständig und zurückhaltend galt: Michael Caine. 1967 spielte Caine unter Preminger die Hauptrolle im Drama „Morgen ist ein neuer Tag“ neben Jane Fonda. Auf der einen Seite stand also der unberechenbare, hitzköpfig-impulsive Regie-Diktator, auf der anderen Seite der ebenso verhalten wie charmant auftretende, bei Kolleg*innen und Publikum beliebte Caine. Wie waren diese Widersprüche miteinander vereinbar?
In seinen 1992 veröffentlichten Memoiren „What's It All About“ erklärte Caine, dass er zu Beginn der Dreharbeiten durchaus über Premingers zweifelhaftes Verhalten und seine Umgangsformen am Set Bescheid wusste: „Ich wusste aufgrund seines Rufs, dass Otto ein Tyrann mit einem üblen Temperament war, der seine Leute oft anschrie. Also beschloss ich, die Flucht nach vorne anzutreten und vom ersten Tag an einige Grundregeln festzulegen.“
"Schüchternes kleines Blümchen"
Weiter erklärte Caine, wie es ihm gelang, Premingers Respekt zu gewinnen: „Ich habe ihm gesagt, dass ich von seinem Ruf weiß und dass er wissen sollte, dass ich ein sehr schüchternes kleines Blümchen bin. Und wenn mich jemals jemand anschreit, würde ich in Tränen ausbrechen, in meine Garderobe gehen und den Rest des Tages nicht mehr herauskommen“, so die Schauspiellegende in „What's It All About“.
Der zweifache Oscar-Preisträger erinnerte sich an die überraschte Reaktion Premingers, weil „er es nicht gewohnt war, so angesprochen zu werden.“ Der Regisseur lächelte, gab sich als Cain-Fan zu erkennen und sagte, er würde „Alfie niemals anschreien“. Caine war im Jahr zuvor als Alfie Elkins in der Komödie „Der Verführer lässt schön grüßen“ der internationale Durchbruch gelungen.
Knapp zehn Jahre nach „Morgen ist ein neuer Tag“ spielte er an der Seite von Ur-007-Darsteller Sean Connery in einem weiteren Karriere-Meilenstein. Es handelt sich um einen oft unterschätzten und ungerechtfertigterweise ziemlich unbekannten Abenteuerfilm – den Regie-Visionär Christopher Nolan zu seinen absoluten Lieblingen zählt:
"Einer meiner Lieblingsfilme": Dieses oft übersehene Abenteuer-Epos hat Christopher Nolan "völlig umgehauen"*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.