"Ich habe es versucht": "Lilo & Stitch"-Regisseur erklärt die umstrittenen Änderungen zum Original im Remake auf Disney+
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Das jetzt auch auf Disney+ verfügbare Realfilm-Remake von „Lilo & Stitch“ wartet mit einigen Änderungen gegenüber dem Animationsfilm-Original auf. Über einige wird heftig gestritten, doch es gibt für sie gute Gründe.

Wenn man das in den Kinos super erfolgreiche Remake „Lilo & Stitch“ mit der animierten Originalversion vergleicht, fallen einem natürlich einige Änderungen auf. Zwei werden dabei vor allem diskutiert: Wie wir auch in unserer Filmkritik ausführen, wurde das Remake zum einen ein wenig entschärft. Vor allem in Sachen Darstellung von Gewalt fällt es etwas zahmer aus. Daneben ärgert viele Fans die Veränderung der beiden Aliens Dr. Jumba Jookiba (Zach Galifianakis) und Pleakley (Billy Magnussen), die sich zur Tarnung über weite Strecken nicht mehr verkleiden, sondern sich in Menschen verwandeln.

Auf Disney+ könnt ihr euch das selbst anschauen. Denn mittlerweile gibt es die Neuversion von „Lilo & Stitch“ dort zu streamen:

Doch was ist der Grund für die Anpassungen? Remake-Regisseur Dean Fleischer Camp hat sich zu diesen Themen bereits im Rahmen des Kinostarts zu Wort gemeldet und erklärt die Überlegungen hinter beiden Änderungen.

Gewalt wirkt einfach ganz anders

Wie auch in unserer Kritik erläutert, ist die Entschärfung bei der Übertragung vom animierten (Kinder-)Film in eine Live-Action-Version sehr oft notwendig, denn: Gewalt wirkt animiert meist viel weniger brutal! Setzt man eine Szene genau so in einem Realfilm um, ist man schnell bei einer höheren Altersfreigabe und/oder verstörten Kindern im Kino – ein eindeutiges No-Go bei einem Film für die ganze Familie.

Gegenüber Entertainment Weekly führte Fleischer Camp so auch aus: „Gewalt ist tatsächlich sehr schwer umzusetzen – sie wirkt einfach ganz anders. In einem Animationsfilm kann man problemlos einen völlig albernen Massencrash mit zehn Autos auf der Autobahn zeigen, aber ich würde jeden Realfilm-Regisseur herausfordern, einen solchen Crash wirklich lustig zu inszenieren. Wir mussten Wege finden, die Elemente abzumildern, die im Realfilm nicht funktionierten – aber gleichzeitig auch neue Dinge entdecken, die wir machen konnten und die im Animationsfilm nicht möglich gewesen wären.“

Dieser Humor ist im Realfilm schwerer zu vermitteln!

In beiden „Lilo & Stitch“-Versionen werden zudem zwei Aliens ausgeschickt, um das Experiment Stitch auf der Erde einzufangen und zurück ins All zu bringen. In der animierten Version verkleiden sie sich mit abgefahrenen Kostümen und wandeln so unerkannt auf der Erde herum. Die Live-Action-Version spielt darauf kurz nach ihrer Ankunft einmal an, doch dann verwandeln sich beide zur Tarnung in Menschen. Der Humor rund um die Figuren ist so komplett anders.

Schon nach der Präsentation des Trailers sorgte das für viel Aufsehen. Vor allem vermissten viele Fans Pleakleys ikonischen Auftritt in Frauenkleidern. Es wurde sogar vermutet, dass so eine Szene gestrichen werden musste, weil man angesichts des aktuellen politischen Klimas mit der Darstellung eines Mannes in einem Kleid keine Debatte auslösen wollte. Auf seinem TikTok-Kanal enthüllte Fleischer auch frühe Designs von Pleakley (in Frauenkleidern) und Jumba und sagte dazu: „Ich habe es versucht!“

Auf TikTok präsentierte Dean Fleischer Camp seine frühen Konzeptzeichnungen für Pleakley und Jumba in Verkleidungen. Dean Fleischer Camp
Auf TikTok präsentierte Dean Fleischer Camp seine frühen Konzeptzeichnungen für Pleakley und Jumba in Verkleidungen.

Doch es wurde ihm nicht etwa von Disney verboten, sondern die Umsetzung der sich nur mittels Kleidung tarnenden Aliens wirkte in einem Live-Action-Film einfach nicht glaubhaft und hätte zudem zu viel Budget verschlungen.

Gegenüber Entertainment Weekly führte er so aus, dass es „Tests und ein bisschen Character Design“ gegeben hatte, um herauszufinden, ob man CGI-Aliens in menschlicher Kleidung glaubhaft darstellen könne. Das Ergebnis habe aber einfach nicht gepasst. „Der daraus resultierende Humor, dass sie auf Hawaii in diesen furchtbaren Verkleidungen herumlaufen, während Pleakley immer noch nur ein Auge hat, ist im Realfilm einfach schwerer zu vermitteln“, so der Regisseur.

So ermöglichten die Änderungen auch einen besseren Stitch

Hätten sie Jumba und Pleakley den ganzen Film über als Aliens in Verkleidung animiert, hätte das zudem so viel Geld gekostet, dass bei der Gestaltung von Stitch und anderen Elementen Abstriche notwendig gewesen wären. Da wollte Fleischer Camp aber verständlicherweise Prioritäten setzen. Und es gibt schließlich ja trotzdem einige Szenen, in denen Jumba und Pleakley sich in ihren Alienformen bewegen.

Geschadet haben die Überarbeitungen dem Film wohl nicht – im Gegenteil. Das Gros der Kritiken (auch unsere Rezension) und Publikumsstimmen fiel ausgesprochen positiv aus. Und in den Kinos wurde „Lilo & Stitch“ zum gigantischen Hit. Mit einem Einspielergebnis von über einer Milliarde Dollar ist es der bis dato erfolgreichste Hollywood-Film des Jahres 2025.

Was neben „Lilo & Stitch“ im September 2025 noch bei Disney+ erscheint, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Neu auf Disney+ im September 2025: Ein Sci-Fi Mega-Hit, die 5. Staffel einer der besten Serien der letzten Jahre und mehr

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