Es gibt viele Filme, die sich mit philosophischen Fragen, mit dem Menschsein, der irdischen Existenz beschäftigen – doch nur wenige schaffen es, dies wirklich so allumfassend umzusetzen, dass es einen geradezu ins Mark trifft. Das prominenteste Beispiel, auf das wohl viele sich einigen können, ist Jahrhundertwerk Kubricks „2001: Odyssee im Weltraum”. Auf das Treppchen daneben kann man gut und gerne Terrence Malicks „The Tree of Life” stellen, der gut 40 Jahre später das Licht der Leinwand erblickte.
Und ein Licht ist der Film selbst: Ein Leuchtfeuer, eine Hoffnung und Wärme spendende Kerze in der Nacht, ein Film, der auf so vielen Ebenen berühren und durchdringen kann – wohl aber auch ein Werk, auf das man sich absolut einlassen können muss. Was Malick hier inszeniert hat, ist Spiritualität auf Zelluloid – und eine langsame, auch in vielen Momentaufnahmen erzählte Geschichte vom Großen und Ganzen bis hin zum Kleinsten – von Makro zu Mikro, wenn man so will.
Wer sich selbst ein Bild machen, bzw. von den Bildern Terrence Malicks und seines Kameramanns Emmanuel Lubezki berauschen lassen möchte, hat aktuell zwei Möglichkeiten, den grandiosen „The Tree of Life” zu streamen: Auf YouTube könnt ihr den Film schon ab 2,99 Euro leihen, auf Amazon Prime Video gibt es ihn ab 3,99 Euro zu kaufen oder zu leihen.
Ein experimentelles Leinwandessay
„The Tree of Life” stellt sein Publikum vor die große Herausforderung, weniger kohärente Handlung zu erzählen und mehr Assoziationen, Stimmungen und auch Musik wirken zu lassen. Diese besondere Bildsprache wurde von der Kritik einerseits gelobt und als poetisch bezeichnet – u.a. von Robert De Niro, der als Jurypräsident bei der Preisverleihung von Cannes 2011 die Goldene Palme vergab.
Auf der anderen Seite wurde der Film auch mit Kopfschütteln bedacht, ausgebuht und von vielen als esoterisch verpönt. FILMSTARTS-Chefredakteur Christoph Petersen vergab in seiner Kritik vier Sterne für das experimentelle Leinwandessay. „The Tree of Life” ist wohl ein Werk, das man nur lieben oder ablehnen kann – zumindest eines, das auf experimentelle Weise an die Grenzen des Kinos führt und zeigt, dass Film durchaus auch eine Erfahrung sein kann.
Zwischen Kosmos und Kinderzimmer
Terrence Malick bringt es fertig, in „The Tree of Life” einen Bogen von Kosmos und Urknall bis hin in den Mikrokosmos einer texanischen Familie in den 1950er-Jahren zu spannen. Wir sehen Dinos, wir sehen Feuer, Natur, Zellen, doch wir sehen auch: Wehende Vorhänge im Wind, Babyfüße, Hände im Gestrüpp.
Wir sehen die Kindheit dreier Brüder, in ihrem Zentrum der älteste Jack, der unter der Strenge seines Vaters (Brad Pitt) leidet. Demgegenüber steht die Sanftheit der Mutter (Jessica Chastain), dazwischen all das Leben. Als Erwachsener wirft Jack (Sean Penn) einen Blick zurück auf Momente von Glück, Trauer, Schuld und Verlust – und stellt sich Fragen nach Sinn und Unsinn.
Dabei stellt der Film gar nicht den Anspruch, Fragen zu beantworten, sondern wirft die Fragen wie ein geflüstertes Gedicht in den Raum. Die Kamera ist dabei eine zarte Beobachterin, die versucht, all das einzufangen, was möglich ist – Sonnenstrahlen, flirrendes Licht, Blätter, Tautropfen, Füße im Gras. „The Tree of Life” ist Realitätsflucht und Selbsterkenntnis, das Erleben von Größe und Erhabenheit zugleich – ein Werk, das einen sprachlos in den Sessel drückt und innerlich verneigen lässt.
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