Erst Flop, dann top: Es gibt zahlreiche Filme, die zum Zeitpunkt ihres Erscheinens an den Kinokassen radikal untergingen und heute dennoch von einzelnen Fans kultisch verehrt werden. Sie waren Misserfolge, vom Publikum brutal verschmäht und missachtet, gewannen im Laufe der Jahre aber immer mehr Befürworter. Kaum zu glauben, aber als sogenannte Box Office Bomb gilt etwa auch die Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“ (1994), die kaum jemand im Kino sehen wollte. Längst gilt das intensive Knast-Drama heute aber als einer der besten Filme aller Zeiten.
Oder „The Big Lebowski“ (1998) der Coen-Brüder. Bei seiner Veröffentlichung an den US-Kinokassen spielte er kaum sein Budget ein. Heute gehört die Komödie rund um den „Dude“ (legendär: Jeff Bridges) zum erlesenen Kreis der exklusiven Kultfilme der 1990er-Jahre.
Zu den Kultstreifen der 1980er-Jahre hingegen zählt Terry Gilliams auf den Geschichten des Lügenbarons basierender Fantasy-Streifen „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“. Ein gemeinhin vergessenes, von einer kleinen, eingeschworenen Gruppe von (Trash-)Märchen- und Fantasy-Nerds aber mittlerweile sehr geschätztes Werk über den deutschen Adeligen Hieronymus Carl Friedrich von Münchhausen, den es im 18. Jahrhundert tatsächlich gegeben haben soll.
Die spektakulären Abenteuer des Lügenbarons
Gehen wir zurück in die späten 1980er-Jahre, genauer gesagt ins Jahr 1988. Am 8. Dezember desselben Jahres startete „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“ in den deutschen Kinos. Knapp drei Monate später folgte erst der US-Kinostart. Doch weder in Deutschland noch in den USA oder irgendwo sonst war das Publikum sonderlich an dem über 45 Millionen Dollar teuren Film interessiert. Am Ende stand ein gewaltiges Minus: Mit einem Einspielergebnis von nur 8 Millionen US-Dollar ging das Fantasy-Epos des Ex-Monty-Python-Mitglieds und Fantasy-Experten Gilliam („Time Bandits“, „Brothers Grimm“) an den Kassen baden.
Kaum zu glauben, denn allein die Geschichte sprüht vor Einfallsreichtum und verrückten Ideen: Um eine (namenlose) europäische Stadt und seine Bewohner zu retten, holt Baron Münchhausen seine alten Gefährten vom Mond, bereist den Erdmittelpunkt und stellt sich einem Meeresungeheuer entgegen, ehe er es mit der Armee eines bösen Sultans aufnimmt. Gilliams lässt den Baron etliche kuriose Abenteuer bestehen und viele brenzlige Situationen erleben. Eine starke Darbietung als gewiefter und ebenso unerschrockener wie unverwüstlicher Baron zeigt der Brite John Neville, der mit diesem Film, im Alter von über 60 Jahren, seinen Durchbruch feierte. Fast noch spannender aber ist ein Blick auf die Namen der Nebendarsteller.
Gaststars in aberwitzigen Nebenrollen
So hat Popstar Sting einen Kurzauftritt als Offizier, man sieht Jonathan Pryce („James Bond 007 – Der Morgen stirbt nie“) als Bürgermeister, und der spätere Oscar-Gewinner Robin Williams („Good Will Hunting“) hat einen – denkwürdigen – Auftritt als cholerischer Mondkönig.
Williams war zu jener Zeit zwar schon ein in den USA sehr bekanntes TV-Gesicht („Mork vom Ork“) und spätestens seit „Good Morning, Vietnam“ auch als ernstzunehmender Schauspieler etabliert. Seinen Ruf als wandlungsfähiger Charaktermime und einer der beim Publikum beliebtesten Darsteller Hollywoods festigte er aber erst im darauffolgenden Jahrzehnt.
Und dann wäre da noch der Auftritt der damals 18-jährigen und noch weitgehend unbekannten Uma Thurman. Gilliam besetzte sie als Venus, die Göttin der Liebe und Schönheit, die den Baron regelrecht bezirzt und mit ihrer Anmut zu verführen versucht. In den 1990er- und 2000er-Jahren zählte sie zu den begehrtesten Schauspielerinnen der Traumfabrik und feierte Erfolge mit Kultfilmen wie „Pulp Fiction“ oder „Gattaca“. Für Quentin Tarantino wurde sie zur Muse, der ihr mit der Rolle der Beatrix „die Braut“ Kiddo in „Kill Bill“ die Rolle ihres Lebens auf den Leib schneiderte.
Hochkarätige Darsteller, opulente Sets, bonbonbunte Fantastereien, Humor und eine charismatische Hauptfigur. Dies alles bietet „Die Abenteuer des Baron Münchhausen“. Warum der Film dennoch floppte? Terry Gilliam hat dafür eine eigene Erklärung. Der Regisseur bemängelte nämlich, dass zu wenige Kopien des Films an US-Kinos verschickt worden seien. Darüber hinaus habe der Verleih, Columbia Pictures, ihn angeblich nicht ausreichend beworben.
Vor fast genau 30 Jahren kam ein Film in die deutschen Kinos, der als spektakulärster Misserfolg in die Filmgeschichte einging. Das actionreiche Freibeuter-Abenteuer erlitt, im wahrsten Sinne, kommerziellen „Schiffbruch“, beendete die Karriere der Hauptdarstellerin und trug ein ganzes Genre zu Grabe. Um diesen Jahrhundertflop geht es:
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