Kinotipp der Woche: Ein hochintensiver Gerichtsfilm, der euch den Boden unter den Füßen wegziehen wird!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

„Karla“ basiert zwar auf einem wahren Kriminalfall, ist aber doch so viel mehr als „nur“ ein Gerichtsfilm: Christina Tournatzés liefert ein mitreißendes Plädoyer für Menschlichkeit – und das Recht auf Schweigen.

Für unsere Initiative „Deutsches Kino ist (doch) geil!“ wählen wir jeden Monat einen deutschen Film, der uns ganz besonders gut gefallen, inspiriert oder fasziniert hat, um den Kinostart – unabhängig von seiner Größe – redaktionell wie einen Blockbuster zu begleiten. In diesem Monat ist die Wahl auf „Karla“ (Kinostart: 2. Oktober) gefallen.

Das Langfilmdebüt der Regisseurin Christina Tournatzés basiert auf einem tatsächlichen Fall aus dem Jahre 1962. Damals marschierte ein junges Mädchen allein in ein Polizeirevier und erklärte: „Ich bin Karla Ebel. Ich bin zwölf Jahre alt und ich möchte Anzeige erstatten.“ Sie verlangt zudem, einen Richter zu sprechen, dem sie wortgetreu den § 176 des Strafgesetzbuchs (Missbrauch von Minderjährigen) zitieren konnte.

Karla
Karla
Starttermin 2. Oktober 2025 | 1 Std. 44 Min.
Von Christina Tournatzés
Mit Elise Krieps, Rainer Bock, Imogen Kogge
User-Wertung
3,4
Filmstarts
4,5
Vorführungen (10)

Wir haben „Karla“ bereits bei seiner Weltpremiere auf dem Filmfest München sehen können, wo der Film gleich zwei der wichtigsten Preise gewinnen konnte: für die beste Regie und das beste Drehbuch! Eine verdiente Wahl – zumal Nachwuchsdarstellerin Elise Krieps in der Titelrolle auch noch eine grandiose Leistung abliefert. In der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Karla“ gibt Susanne Gietl deshalb auch 4,5 von 5 Sternen – und lobt vor allem auch die ebenso empathische wie ungewöhnliche Inszenierung:

„Christina Tournatzés findet ein starkes Bild für Karlas selbstbestimmtes Schweigen: Immer, wenn Karla nicht sprechen möchte, verstummt sie mitten in der Schilderung eines Sachvorherganges, schlägt eine Stimmgabel an und setzt an anderer Stelle fort. Diese bruchstückhafte Erzählweise zieht sich auch durch die Wahl der Bilder. Die Vergewaltigung wird nie explizit gezeigt, stattdessen verwendet Tournatzés verschwommene Filmaufnahmen als Erinnerungsfetzen.

Darum geht's in "Karla"

Karla (Elise Krieps) hat sich ganz genau auf die Anzeige ihres eigenen Vaters vorbereitet: Während die Zwölfjährige und der Richter Lamy (Rainer Bock) in zahlreichen Gesprächen den Fall verhandeln, freundet sie sich im Mädchenwohnheim mit ihrer Wohngenossin Ada (Carlotta von Falkenhayn) an. Der Film wechselt zwischen den Perspektiven von Karla und Lamy. Der Richter pocht auf Fakten, während Karla stark bleibt und an für die Justiz wichtigen Stellen beharrlich schweigt.

Das Mädchen gibt nicht alle Details der Vergewaltigung preis, um ihre Würde zu behalten. Selbst die Untersuchung beim Frauenarzt verweigert sie. Doch damit ein Beschuldigter bestraft werden kann, müssen Tat und Tathergang dokumentiert und genauestens geschildert werden – und so müssen die beiden einen Mittelweg in ihrer Kommunikation finden, um einander wirklich begegnen zu können...

Christina Tournatzés bei uns im Podcast

Nach dem Preisregen in München hat Christina Tournatzés auch noch bei uns in der Berliner FILMSTARTS-Redaktion vorbeigeschaut, wo es dann teilweise auch ganz schön emotional geworden ist. Kein Wunder, schließlich geht es der Regisseurin auch darum, auf die weitverbreitete Problematik sexueller Gewalt gegenüber Kindern aufmerksam zu machen (auf dieser Seite der Polizei findet ihr eine hilfreiche Übersicht über Informationsmöglichkeiten und Anlaufstellen zusammengefasst).

Christina Tournatzés (Mitte) mit Markus Trutt und Susanne Gietl im FILMSTARTS-Studio in Berlin Webedia GmbH
Christina Tournatzés (Mitte) mit Markus Trutt und Susanne Gietl im FILMSTARTS-Studio in Berlin

Wir können euch nur empfehlen, bei dieser Folge unseres Podcasts Leinwandliebe reinzuhören, denn es wird klar, wie sehr Christina Tournatzés das Thema am Herzen liegt. Sie verrät uns, wie sie überhaupt auf den wahren Fall gestoßen ist, wie sie bei der Inszenierung von „Karla“ explizit die Perspektive des Opfers eingenommen hat und warum sie trotz allem einen zwar nicht verharmlosenden, aber dennoch hoffnungsvollen Film drehen wollte:

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