Auf diesen Film mussten wir 15 (!) Jahre warten: Einer der bewegendsten Filme 2025 kommt ins Heimkino – Taschentücher bereithalten!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Der für einen Oscar nominierte Stop-Motion-Film „Memoiren einer Schnecke“ ist bitter, traurig und wunderschön - und feiert nun endlich seine Heimkino-Premiere.

Der australische Regisseur und Drehbuchautor Adam Elliot ist im Trickfilmkino eine verlässliche Marke – aber keine extrem produktive: Der Filmemacher, der für einen rauen Sinn für Humor, eine melancholische Stimmung und biografisch angehauchte Geschichten steht, absolvierte mit „Mary & Max“ sein Langfilm-Debüt.

Vor dem Animationsfilm-Meisterwerk aus dem Jahr 2009 verwirklichte er lediglich Kurzfilme – und seither veröffentlichte er nur einen weiteren Kurzfilm sowie nun endlich seinen zweiten Langfilm: „Memoiren einer Schnecke“ von 2024. Die tragisch-poetische, bös-komische und trotzdem Hoffnung zulassende Geschichte einer vom Unglück verfolgten Schneckensammlerin wurde für den Oscar nominiert und wartet nun darauf, bei euch einzuziehen: Ab sofort ist „Memoiren einer Schnecke“ als DVD, Blu-ray und als 4K-Mediabook erhältlich!

Für Sammellustige ist das Mediabook die wohl attraktivste Option: Es enthält neben der 4K-Scheibe und der regulären Blu-ray des Films ein 24-seitiges Booklet inklusive Statement des Regisseurs. Auf den Scheiben gibt es weiteres Bonusmaterial, darunter einen Blick hinter die Kulissen von „Memoiren einer Schnecke“ sowie sechs Kurzfilme von Adam Elliot!

Es gibt übrigens auch die Möglichkeit, das 4K-Mediabook* und die Blu-ray* direkt im Shop des Labels Capelight zu ordern. Damit sendet ihr Capelight ein deutliches Signal, dass ihr solche Titel physisch ausgewertet sehen möchtet, und sammelt Bonuspunkte, die gegen Goodies, Filme und Serien eingetauscht werden können.

Und wer es nicht so mit der Sammelwut hat, wird sich vielleicht nicht besonders gut mit der „Memoiren einer Schnecke“-Hauptfigur identifizieren können, aber trotzdem abgeholt: Der Stop-Motion-Film ist auf mehreren Plattformen als Leih- und Kauf-Stream verfügbar, darunter bei Amazon Prime Video*.

Darum geht es in "Memoiren einer Schnecke"

Australien in den 1970ern: Die Außenseiterin Grace Pudel (Stimme im Original: Sarah Snook) liebt Bücher, Meerschweinchen und Schnecken. Auch ihr Bruder Gilbert (Kodi Smit-McPhee) wird gesellschaftlich geschasst – doch wenigstens haben sie einander. Jedenfalls, bis ihr alkoholkranker, querschnittsgelähmter Vater stirbt und das Jugendamt die Geschwister trennt.

Während Grace bei einem Paar landet, das Freikörperkultur betreibt, landet Gilbert bei religiösen Fanatikern. In ihrem jeweiligen, neuen Umfeld werden die immer mehr Schnecken sowie Krimskrams im Schnecken-Design sammelnde Grace und ihr zündelnder Bruder vom Pech verfolgt. Schicksalsschlag um Schicksalsschlag werden sie dazu gedrängt, sich verzweifelt an dem wenigen Glück zu klammern, das sie im Leben haben...

Eine kauzig-poetische, melancholische Belastungsprobe eures Herzens

FILMSTARTS-Autor Jochen Werner machte in seiner „Memoiren einer Schnecke“-Kritik keine Gefangenen! Er urteilte über das detailreich gestaltete, liebevoll animierte und mit melancholischer Schönheit erzählte, tragikomische Stop-Motion-Werk: „Wer hier nicht heult, hat ein Herz aus Plastilin!“ Demnach sollte der Verfasser dieses Heimkino-Tipps wohl einen Termin für eine medizinische Untersuchung ausmachen. Aber nicht missverstehen:

Auch ich war sehr von Elliots zweitem Langfilm angetan – doch bei mir haben sich die Gefühle, die durch Grace und Gilberts Schicksalsschläge ausgelöst wurden, irgendwo im Hals verkantet. Und als sie sich irgendwann nach dem Kinobesuch freikämpfen konnten, sorgten sie nicht für Tränen, sondern für langes Philosophieren über emotionale Schutzpanzer, mitgeschlepptes Gefühlsgepäck und den schleichenden, beständigen Einfluss eines (un-)gnädigen Umfelds.

Anders gesagt: Ja, haltet unbedingt Taschentücher griffbereit, wenn ihr euch auf die trocken-kauzig aufbereitete, emotionale Tortur einlasst, die die „Memoiren einer Schnecke“-Hauptfiguren durchleiden. Denn die Chancen, dass euch der ständige Ballast aus Krankheit, Einsamkeit, Tod, Verlust, Süchten, religiösem Fundamentalismus, Bigotterie, Homophobie und Verlogenheit die Tränen in die Augen treibt, ist enorm.

Aber selbst, wenn ihr euch bei dieser nur gelegentlich von einer freundlichen, schrägen Seniorin munter durchbrochenen Elendsschilderung in euer improvisiertes, sprichwörtliches Schneckenhaus zurückzieht (und somit näher an die Problembewältigungsstrategie der Protagonistin rückt), wird euch „Memoiren einer Schnecke“ beeindrucken. Sei es in seinen trostlosen Momenten, in trocken-komischen Szenen oder mit seinen raren, umso intensiver berührenden Augenblicken der Freude und des Rückhalts.

Vielleicht passiert es schlicht, wie bei mir, etwas zeitverzögert und kopflastiger. Und wenn ihr sicherheitshalber überprüfen wollt, ob ihr wirklich kein Herz aus Plastilin habt: Befolgt nach „Memoiren einer Schnecke“ doch einfach unseren nächsten Heimkino-Tipp – der hat nämlich auch mich eiskalt erwischt!

Kinohit neu im Heimkino: Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber bei diesem Film habe auch ich hemmungslos geweint!

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