Traumhafte Farben, schmuckvolle Kostüme, eine Starbesetzung und beschwingte, geradezu tänzerische Kampfszenen: „Die drei Musketiere“ von 1948 ist ein schillerndes Juwel im Genre des Mantel-und-Degen-Films! Und zumindest laut Regisseur George Sidney steckt in diesem Swashbuckler-Abenteuer mit Kostümfilmprunk und musicalhafter Leichtfüßigkeit in Wahrheit ein Western.
Falls ihr überprüfen möchtet, ob ihr Sidneys Meinung seid, ist der perfekte Zeitpunkt gekommen. Denn bislang ist dieser bildhübsche, kunterbunte und fesche Abenteuerfilm hierzulande nur auf DVD erhältlich. Doch am 2. Oktober 2025 erscheint „Die drei Musketiere“ mit Hollywood-Größe Gene Kelly erstmals im deutschen Heimkino auf Blu-ray – und zwar als Limited Edition!
Die Limited Edition ist ein Digipak und enthält den Klassiker als Blu-ray-Premiere sowie zusätzlich auf DVD. Auf den Discs befinden sich als Extras Kurzfilme und Radio-Werbung, die für „Die drei Musketiere“ betrieben wurde. Als haptischer Bonus ist ein 180-seitiges Booklet angekündigt.
Darum geht es in "Die drei Musketiere"
Frankreich im 17. Jahrhundert: Bauernsohn D’Artagnan (Gene Kelly) verlässt sein Heimatdorf in der Gascogne, um sich der königlichen Garde anzuschließen – den Musketieren! Doch kaum in Paris angekommen, gerät der meisterliche Fechtkämpfer in eine bittere Auseinandersetzung mit Rochefort (Ian Keith), dem Vertrauten des gegen den König intrigierenden Fieslings Richelieu (Vincent Price).
Er schließt aber auch Freundschaft mit den integren Musketieren Athos (Van Heflin), Porthos (Gig Young) und Aramis (Robert Coote), darüber hinaus verliert er sein Herz an die gutmütige Constance (June Allyson). Somit gelangt D’Artagnan in die ideale Position, um das Königspaar (Frank Morgan und Angela Lansbury) sowie den Herzog von Buckingham (John Sutton) vor den Plänen Richelieus und der gerissenen Milady de Winter (Lana Turner) zu beschützen. Aber für wahren Erfolg braucht es mehr, als die ideale Ausgangslage...
Ein unter Mänteln, Degen, Federn und Akrobatik versteckter Western?
In Ronald Davis' Standardwerk „Just Making Movies“* erläutert „Die drei Musketiere“-Regisseur George Sidney, der Film sei ein „Western im Gewand eines Kostümfilms“. Denn ihm sei es wichtig gewesen, sich der Geschichte nicht zu nähern, als wäre sie der Klassiker, der sie ist. Daher sind bei ihm die Fechtduelle komplett durchchoreografiert, „und die Kämpfe sind Western pur!“
Gemeinhin ist das ins Mantel-und-Degen-Abenteuer eingewobene Western-Element aber nicht das erste, was Filmfans ins Auge sticht: Der schillerndste, denkwürdigste Aspekt an diesem Swashbuckler-Juwel ist Gene Kellys Agilität! Der Musical-Superstar verleiht dem Film mit seiner athletisch-leichtfüßigen Körperbeherrschung eine atemberaubende Akrobatik. Seine Fechtszenen sind ebenso filigran wie vital, und wecken Erinnerungen an seine famosen Gesangs- und Tanzeinlagen in Filmen wie „Singin' In The Rain“. Bloß, dass er eine Klinge sausen lässt, wo er sonst seine Stimmbänder zum Trällern bringt.
Überhaupt erinnert Sidneys Inszenierung wiederholt an die geradezu übermütig-fantasievollen, beseelten Musical-Klassiker der 1940er. Das liegt nicht zuletzt an den traumhaften Farben, mit denen der Film dank Three-Strip-Technicolor schillert: Diese „Die drei Musketiere“-Version wirkt, auch aufgrund von Walter Plunketts prunkvoll-bunten Kostümen, wie ein kostenintensives Zuckerbäcker-Theaterstück, das in hoher Taktung zur wilden Stuntshow mutiert.
Bewunderte Damen, feiste Gemeinheiten und bildgewaltige Action
Der „Badende Venus“-Regisseur verleiht dem Geschehen stets eine liebevoll-ironische Energie, die der Hollywood-Legende nach Drehbuchautor Robert Ardrey verärgert haben soll. Aber sie bietet ansteckenden, unbändigen Spaß. Bloß im Mittelteil holpert der Erzählfluss, wenn es darum geht, vorherige Ereignisse abzuwickeln und den Rest der Handlung in Gang zu setzen. Und die drei Titelhelden können Kellys D’Artagnan, einem herrlich-schmierigen Vincent Price und den von Sidney und Kameramann Robert H. Planck voller Bewunderung in Szene gesetzten Damen einfach nicht das Wasser reichen.
Aber das stört nicht weiter. Zu faszinierend ist Kellys Energie, zu genüsslich schmeißt sich „Liebe in Fesseln“-Star und Ex-Pin-Up-Girl Lana Turner in die Rolle der verräterisch-verführerischen Milady. Zu amüsant ist Miladys Angewohnheit, sich andauernd an einer anderen Stelle einen Schönheitsfleck aufzumalen. Zu neckisch wird Richelieus Liebe für Katzen eingewoben. Und viel zu spektakulär sind die Kämpfe, um sich am gedrosselten Schauspiel der Ur-Musketiere in den Dialogszenen zu stoßen:
Wenn Helden und Fieslinge kämpfend über Steine hopsen, während im Hintergrund der Ozean tobt, wird klar, weshalb Planck für diesen Film eine Oscar-Nominierung erhalten hat. Und ja, spätestens dann, wenn die Musketiere zu Silhouetten werden, die durch den Sonnenuntergang reiten, wird für ein paar Genrekonventionen verwischende Augenblicke überdeutlich, dass Sidney tatsächlich einen Western in dieses musicalhaft-beschwingt inszenierte Frankreichabenteuer gelegt hat.
Einen Western nach typischeren Vorstellungen haben wir euch indes im folgenden Heimkino-Tipp vorgestellt:
Western-Fans müssen diesen bildgewaltigen Klassiker mit John Wayne gesehen haben: Jetzt feiert er sein Heimkino-ComebackDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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