Neu im Streaming-Abo: Dieser mitreißende Action-Thriller bietet atemlose Spannung pur!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Ob athletische Kampfkunst, die ehrfürchtig-ruhig gefilmt ist, oder explosiv-lärmender Hollywood-Bombast: Im Action-Kino ist er flexibel – eine konsequente Umsetzung ist für ihn aber stets ein Bonus.

Als im nächtlichen Brüssel parallel zu Protesten gegen rassistische Polizeigewalt ein junger Schwarzer gelinkt wird, schlittert er von einer Zwickmühle in die nächste: „Night Call“ ist ein fesselnder, dynamisch gefilmter Thriller voller Dilemmata.

Eine Nacht, ein Auftrag wie viele andere, unzählige Risiken ohne erkennbaren Ausweg: Im Actionthriller „Night Call – Überlebe die Nacht“ wird ein junger Mann in einen klebrigen, schwitzigen Morast aus Gewalt, Betrug und Gier gezerrt.

Der nervenaufreibende Film gewann bereits zahlreiche Preise und lief Anfang des Jahres im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights in ausgewählten deutschen Kinos. Ab sofort ist „Night Call – Überlebe die Nacht“ beim Sky-Streamingdienst WOW abrufbar.

Der Film ist außerdem auf DVD und Blu-ray* erhältlich. Auf den Discs befindet sich ein kurzes Making-of zum Film. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, „Night Call“ unter anderem bei Amazon Prime Video* als VOD zu beziehen.

"Night Call": Er hat eine Tür zu viel geöffnet

Der junge Schlüsseldienstler Mady (Jonathan Feltre) wird von der freundlichen Claire (Natacha Krief) gerufen. Kaum hat er die Wohnungstür geöffnet, verschwindet die junge Frau. Per Telefon warnt sie ihn, er sollte sich ebenfalls aus dem Staub machen. Doch da ist es schon gesehen: Mady wird attackiert! Und daran, die Polizei zu rufen, ist nicht zu denken:

In Madys heimatlichem Brüssel finden gerade lautstarke Demonstrationen gegen rassistische Polizeigewalt statt – als würde ihm irgendein Cop gerade jetzt Glauben schenken! Also hofft Mady, sich irgendwie aus seiner misslichen Lage rausimprovisieren zu können. Doch der selbstverliebte Gangsterboss Yannick (Romain Duris) ist unerbittlich und hat brutale Handlanger, die Mady durch die Nacht scheuchen...

Von einer Zwickmühle in die nächste gehetzt

„Night Call“ ist das Langfilmdebüt von Regisseur Michiel Blanchart. Das Drehbuch zu dieser Verkettung äußerst unglücklicher, aber durchaus möglicher Ereignisse verfasste er gemeinsam mit Gilles Marchand. Marchand schrieb zuvor wiederum das Skript zum True-Crime-Thrillerdrama „In der Nacht des 12.“ über eine Reihe an kleinen, oft alltäglichen, nebensächlichen Ärgernissen, die potentiell der Klärung eines Mordfalls im Weg standen:

Ab sofort im Heimkino nachholen: Diesen außergewöhnlichen True-Crime-Film hat kaum wer im Kino gesehen

Während „In der Nacht des 12.“ auf schleichendes Unbehagen und eine sich über einen langen Zeitraum ziehende Story setzt, komprimiert „Night Call“ eine schweißtreibende, blutige Nacht auf gerade einmal 97 Minuten, die sich dank Blancharts soghafter Inszenierung wiederholt anfühlen, als sei dies ein Film in Echtzeit.

Die vereinzelten Action-Passagen sind mit einer sausenden, dynamischen Kameraführung in Szene gesetzt. Und in punktgenau ausgewählten Passagen verstärkt die Kamera subtil die Wucht der Schlägereien, in die Mady verwickelt wird: Wenn der gutmütige, verängstigte, aber Kampfwillen beweisende Protagonist Treffer kassiert, rüttelt es das ganze Bild durch. Markige Bässe unterstreichen die Wirkung dessen auf der Tonspur.

Obwohl „Night Call“ einige raue Kampfchoreografien und eine Handvoll harsch scheppernder Vehikel-Stunts aufweist, lebt dieser Actionthriller aber primär von seinen Figuren und dem durchdachten Skript. Ohne durch Zwischenschübe das adrenalinstarke Erzähltempo auszubremsen, skizzieren Blanchart und Marchand mehrdimensionale Figuren. Deshalb gerät nicht nur Madys Hadern, Improvisieren, Umsetzen von Geistesblitzen und zuweilen vermeidbares Scheitern glaubhaft und aufreibend:

Die Charakterzeichnung solcher Figuren wie dem von „The Nun II“-Darsteller Jonas Bloquet gespielten, empathisch dreinschauenden und dennoch unerbittlich zuschlagenden Handlanger Theo lässt die Spannungskurve immer weiter steigen, weil wir ein gutes, komplexes Gespür für Madys Gegner erhalten: „Night Call“ ist einer der wenigen Filme, in denen der Protagonist von einer Zwickmühle in die nächste rennt, und sie sich tatsächlich wie Zwickmühlen anfühlen! Wenn Mady wieder einmal zwischen Defensive und Offensive abwägt, oder zwischen Misstrauen und Vertrauen in sein Gegenüber, steigt deshalb jedes Mal aufs Neue der Puls.

Beim Biarritz Film Festival wurde diese fesselnde, temporeiche Auseinandersetzung mit Rassismus, Aussichtslosigkeit und organisierter Gewalt mit dem Großen Preis prämiert. Bei den belgischen Magritte Awards stellte „Night Call“ sogar einen Rekord auf: Nachdem der Thriller für elf Preise nominiert wurde, gewann er letztlich in zehn Kategorien – in so vielen, wie kein Film zuvor! Unter anderem wurde „Night Call“ als bester Film sowie für die beste Regie, das beste Drehbuch, den besten Schnitt und die beste Kamera ausgezeichnet.

Und wenn ihr nach diesem packenden Thriller noch mehr Nervekitzel von den Fantasy Filmfest White Nights sucht, dürft ihr den folgenden Horror-Heimkinotipp nicht verpassen:

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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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