Es ist nicht nur hinlänglich bekannt, dass Quentin Tarantino der wahrscheinlich größte Filmnerd in Hollywood ist. Speziell auch seine Affinität für das Gangster-Kino ist kaum zu übersehen – und gipfelte bereits in seinen frühen Jahren als Regisseur in Meisterwerken wie „Reservoir Dogs“, „Pulp Fiction“ und „Jackie Brown“. Wenn das Regie-Ass für einen Gangsterfilm also nichts als Bewunderung übrig hat, können ihn Fans des Genres wohl ganz und gar bedenkenlos auf die Watchlist packen. „Yakuza“ von 1974 ist ein solcher Film.
Der Neo-Noir-Crime-Thriller avancierte als amerikanisch-japanische Koproduktion zwar weder in dem einen noch in dem anderen Land zum Kassenschlager, hebt sich als Melange beider Einflüsse allerdings merklich vom typischen Verbrecher-Kino ab – und avancierte über die Jahre zum geschätzten Geheimtipp, der nicht nur Tarantinos Herz erobern konnte, sondern demnächst vielleicht auch eures. Denn während die DVD von „Yakuza“ bereits stolze 18 Jahre auf dem Buckel hat, feiert die Unterweltsage nun zwei Wochen später als geplant am 9. Oktober endlich (!) ihre HD-Premiere auf Blu-ray.
PLAION PICTURES spendiert dem zu Unrecht in Vergessenheit geratenen Geniestreich eine Sammleredition im Mediabook – und zwar in sogleich zwei Ausführungen. Neben der obig verlinkten Version erwartet euch also auch noch eine weitere Mediabook-Variante* mit alternativem Artwork. Abgesehen von der Optik handelt es sich um zwei inhaltsgleiche Veröffentlichungen, die den Film jeweils auf DVD und Blu-ray enthalten und zusätzlich unter anderem mit einem Booklet, einem Audiokommentar von Regisseur Sydney Pollack („Die drei Tage des Condor“) und dem Featurette „Promises To Keep“ ausgestattet sind.
Martin Scorsese wollte unbedingt, Sydney Pollack durfte
Bemerkenswert: Kein Geringerer als Martin Scorsese, der später für Gangsterfilm-Meilensteine wie „Casino“ und „GoodFellas“ verantwortlich zeichnete, wollte ursprünglich im Anschluss an „Hexenkessel“ die Regie von „Yakuza“ übernehmen und damit Paul Schraders Drehbuch verfilmen, doch die Produzenten wollten Pollack. Es sollte zwei Jahre dauern, bis sich die Wege von Schrader und Scorsese dennoch auf äußerst erfolgreiche Weise kreuzen sollten: 1976 verantworteten sie gemeinsam „Taxi Driver“.
Während der Robert-De-Niro-Klassiker heute als eines der großen Meisterwerke des 20. Jahrhunderts gilt und bei Publikum und Fachpresse gleichermaßen für Begeisterung sorgt und sorgte, wurde „Yakuza“ damals vergleichsweise gemischt aufgenommen. Kritikerlegende Roger Ebert huldigte etwa die beiden Hauptdarsteller Robert Mitchum („Die Nacht des Jägers“) und Ken Takakura („Black Rain“) und lobte die Figurenzeichnung, störte sich allerdings an der ausufernden, sich immer wieder in den Vordergrund drängenden Gewalt – die Tarantino wiederum als Inspiration genutzt haben dürfte. Darüber hinaus lobte der „Once Upon A Time In Hollywood“-Macher das Finale als „eines der besten Enden eines Films aus dieser Ära“ und beschrieb den Film als „einzigartig“.
"Yakuza": Das ist die Story
Der ehemalige Privatdetektiv Harry Kilmer (Robert Mitchum) reist nach Japan, um seinem alten Kriegskameraden George Tanner (Brian Keith) aus der Patsche zu helfen, ist er doch seine letzte Hoffnung im Kampf gegen die Yakuza. Nachdem er bei der Verbrechensorganisation Schulden angehäuft hat, haben die skrupellosen Gangster jetzt auch noch seine Tochter entführt. Mit Hilfe seiner einstigen Verbindungen zum organisierten Verbrechen soll Kilmer in die von Ehrenkodex und Revierkämpfen geprägte Unterwelt Tokios abtauchen und das Mädchen heil zurückholen...
Übrigens veröffentlicht PLAION PICTURES demnächst auch noch einen weiteren durchaus stilprägenden Kultfilm erstmals auf Blu-ray. Mehr dazu gibt's hier:
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