Quentin Tarantino ist nicht nur berühmt für seine in Sachen expliziter Gewalt und ausufernder Dialoge konkurrenzlosen Filme, die zudem vollgepackt sind mit liebevollen Anspielungen auf die favorisierten Genres des Meisters. Nein, der Kult-Regisseur ist hin und wieder durchaus auch dabei behilflich, bestimmten Werken zu mehr Popularität und Aufmerksamkeit zu verhelfen. Dann nämlich, wenn er von einem Film hemmungslos begeistert ist.
Das 1994 veröffentlichte Crime-Drama „Chungking Express“ des Hongkonger Ausnahme-Regisseurs Wong Kar-Wai ist so ein Film. Tarantino war von „Chungking Express“ so angetan, dass er sich entschloss, den Film in die westlichen Kinos zu bringen. Ihm ist es zu verdanken, dass der dritte Spielfilm des für seine stilprägenden ästhetischen Bilderwelten bekannten Regisseurs Wong in den USA und Europa so richtig bekannt wurde (der deutsche Kinostart war im März 1996). Heute genießt Wongs dritte Regiearbeit absoluten Legendenstatus, und bei genauerer Betrachtung des Films kann man sich wunderbar vorstellen, wieso „Chungking Express“ auf Tarantino einen derart bleibenden Eindruck hinterließ.
Einsamkeit und Entfremdung – Das ist "Chungking Express"
Darin geht es um zwei lose miteinander verbundene Geschichten in der pulsierenden Metropole Hongkong. In deren Mittelpunkt stehen zwei Polizisten, die vor allem zwei Dinge gemeinsam haben: Sie wurden von ihren Freundinnen verlassen und stehen auf Fast Food. An einem Schnellimbiss, der als zentraler Schauplatz und Verbindung zwischen den beiden Storylines dient, treffen sich die unterschiedlichen Charaktere des Films. Dazu zählt die junge Imbiss-Mitarbeiterin, die sich zu einem der Polizisten hingezogen fühlt. Unterdessen verliebt sich der andere ausgerechnet in eine Drogendealerin, die sich auf der Flucht vor ihren Bossen befindet.
Die Suche nach Liebe und menschlicher Nähe sowie der Versuch, dem allgegenwärtigen Gefühl der Entfremdung und Unsicherheiten inmitten des Großstadtmolochs zu entkommen – einige der Kernthemen in „Chungking Express“, der von einer Aura der Schwermut durchzogen ist. Jene Melancholie manifestiert sich vor allem auf der Tonspur, denn die erlesene, passende Auswahl der Musik ist eine der großen Stärken dieses von dramaturgischer Originalität und hochgradiger Sensibilität geprägten Werks. Aspekte, die vermutlich auch Tarantino gefallen haben dürften. Schließlich spielen jene Elemente, zum Beispiel die erlesene musikalische Untermalung, ebenso in seinen eigenen Regie-Arbeiten seit jeher eine gewaltige Rolle. Ähnlichkeiten zwischen „Chungking Express“ und Tarantino-Filmen gibt es etliche.
So ähnlich sind sich "Chungking Express" und Tarantinos Filme
Da wären etwa die Themen Einsamkeit und Abgeschiedenheit in Tarantinos Italo-Western-Hommage „The Hateful Eight“. Die Charaktere sind isoliert und finden sich in einer verschneiten, abgeschiedenen Hütte wieder. Wie die Polizisten in „Chungking Express“ trauen sie sich und der Welt nicht (mehr) wirklich über den Weg. Die jüngsten Ereignisse haben ihre tiefen seelischen Spuren hinterlassen. Ebenso sind die handelnden Figuren in Tarantinos zwei Jahre vor „Chungking Express“ veröffentlichtem Debüt „Reservoir Dogs“ im Kern verschlossene Einzelkämpfer, die sich einsam und verbittert durchs Leben schlagen.
Ein weiteres Beispiel: Das Sujet der Liebe und der Sehnsucht nach einer neuen Beziehung. In „Chungking Express“ will sich einer der Polizisten schnellstmöglich neu verlieben, um den Schmerz der alten Beziehung zu vergessen (oder besser: zu verdrängen). Zudem scheint die Widersprüchlichkeit und Komplexität zwischenmenschlicher Liebesbeziehungen in „Chungking Express“ mehr als einmal durch. Unmögliche, aber bedingungslose Liebe (jene in „Kill Bill“ zwischen der „Braut“ und ihrer – ungeborenen – Tochter) oder komplexe, toxische Beziehungen (zwischen Vincent Vega und Mia Wallace in „Pulp Fiction“) verhandelt auch Tarantino in vielen seiner Filme.
„Pulp Fiction“ ist zweifellos einer beliebtesten, womöglich sogar der bis heute am meisten mit Tarantino assoziierte Filme. In diesem Kultwerk der 1990er bewies der Regisseur ein hohes Maß an Ideenreichtum und Kreativität – und drehte eine der bekanntesten Szenen sogar rückwärts:
Habt ihr's bemerkt? Diese legendäre Szene aus dem Kultfilm "Pulp Fiction" wurde rückwärts gedreht!*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.