Vor rund zehn Jahren grassierte in Hollywood ein Hype um monumentale Epen mit biblischem Bezug. Mit großem Aufwand, viel Geld und Starbesetzung inszeniert, liefen in kurzen Abständen Darren Aronofskys „Noah“, die Neuverfilmung von „Ben Hur“ sowie „Exodus: Götter und Könige“ von Regie-Altmeister Ridley Scott in den Kinos an. Nicht zu vergessen: Der auf dem Leben von Jesus von Nazareth beruhende Bibelfilm „Son Of God“ (2014), der bei uns jedoch nie in die Kinos kam. Vor allem „Noah“ und „Exodus“ waren Bibelverfilmungen der etwas anderen Art, denen es mehr um Schauwerte und Spektakel statt um Faktentreue und historische Genauigkeiten ging.
Alle diese Produktionen erschienen zwischen 2014 und 2016, und fast wäre in jener Zeit mit „The Redemption Of Cain“ eine weitere, ganz besondere – und womöglich besonders blutige – „Bibeladaption“ hinzugekommen. Der Film war als spektakulärer Hybrid aus Bibelepos und Vampirfilm angelegt und hätte ursprünglich von Superstar Will Smith („Men In Black“, „Independence Day“) gedreht werden sollen. Doch es kam anders: Das Projekt verlief im Sande, und heute gilt „The Redemption Of Cain“ quasi als beerdigt. Und das, obwohl Sony der Produktion bereits grünes Licht erteilt hatte und ein Starttermin für Sommer 2015 anvisiert war.
Doch warum wurde „The Redemption Of Cain“ nie verwirklicht? Welche Rolle spielte Smith bei dem geplanten und schließlich gecancelten Film? Und was hat das alles mit seinem Sci-Fi-Flop „After Earth“ zu tun? Dies ist die Geschichte hinter dem nie realisierten Regie-Debüt von Will Smith.
Kain und Abel im Blutsauger-Horror-Gewand
Um die Geschichte hinter der geplanten Umsetzung des Bibel-Horrors zu verstehen, müssen wir ziemlich weit zurückgehen, und zwar ins Jahr 2010. Damals ging die Meldung um, dass Hollywood-Star Will Smith in einem Film namens „The Legend Of Cain“ die Hauptrolle spielen würde – einer Neufassung der Geschichte von Kain und Abel aus dem Buch Genesis.
Der Film sollte die Geschichte der Brüder, die ersten beiden Söhne von Adam und Eva, und des berühmten Brudermordes mit untoten Blutsaugern für ein Horror-affines Publikum völlig neu erzählen. Und Will Smith zog zu Beginn in Erwägung, selbst die Regie zu übernehmen. Kein Wunder, hatte er doch schon höchst erfolgreich Erfahrung mit episch anmutenden, endzeitlichen Stoffen gesammelt: Das dystopische und mit allerlei Zombie- und Vampir-Horror angereicherte Sci-Fi-Abenteuer „I Am Legend“ war 2007 ein weltweiter Box-Office-Hit.
Warner Bros
Doch nach der „The Legend Of Cain“-Ankündigung passierte erstmal knapp zwei Jahre lang: nichts. Bis zum Jahr 2012. Damals schien die Realisierung des Films, der nun „The Redemption Of Cain“ heißen sollte, tatsächlich final Gestalt anzunehmen. Denn Sony machte scheinbar Ernst: Das Studio kündigte im September 2012 ein Casting an und datierte den Produktionsstart auf Juli 2013. Als Drehorte hatte man London, Marokko und Jordanien auserkoren. Zu jener Zeit galt außerdem als gesichert, dass Will Smith‘ Firma Overbrooke Entertainment den Film produzieren würde. Mittlerweile war aber schon nicht mehr klar, ob er „The Redemption Of Cain“ inszenieren und überhaupt mitspielen würde. Dies alles zeigt: Die Umsetzung stand seit jeher auf wackligen Beinen.
Warum scheiterte "The Redemption Of Cain"?
Im Prinzip endet hier die Geschichte von „The Redemption Of Cain“ – des nie verwirklichten Regie-Debüts von Will Smith. Über die Ursachen, wieso man das Projekt schließlich auf Eis legte, kann nur gemutmaßt werden. Aber eine entscheidende Rolle könnte der kolossale Flop „After Earth“ (2014) gespielt haben. Mit dem lustlos heruntergespulten Sci-Fi-Film landete Smith einen der größten Flops seiner Karriere – künstlerisch wie kommerziell. Nach diesem einschneidenden Misserfolg drehte der Star drei Jahre lang, bis „Suicide Squad“ (2016), keinen Big-Budget-Blockbuster mehr.
Weitere mögliche Gründe, wieso „The Redemption Of Cain“ nach 2014 nicht mehr weiterverfolgt wurde: Die bereits zu Beginn dieses Artikels genannten, anderen Bibelepen jener Ära erwiesen sich als nicht besonders einträglich. Vor allem Ridley Scotts „Exodus“ kam sowohl bei Fans als auch bei der Presse nicht gut an, und auch am Box Office lief es nicht besser. Und in den Folgejahren schien die Zeit der Bibelepen ohnehin vorbei, die Begeisterung auf der Seiten der Macher für die Stoffe ebbte ab. Es war das Ende eines kurzen Hypes.
Einer von Smiths größten Kassenhits in den 2000er-Jahren war der Sci-Fi-Film „I, Robot“. Als Partner stand dem Superstar damals kein Mensch, sondern ein humanoider Roboter zur Seite. Diesem hauchte ein „Vaiana“-Star Leben ein, der aber während der damaligen Promotour nicht allzu groß damit hausieren gehen durfte:
"Ich war sehr wütend": Weil er im Sci-Fi-Actioner "I, Robot" beliebter war als Will Smith, musste ein Star "verschwinden"