Ein athletischer Filmstar spielt einen traumatisierten Kriegsveteranen mit Hang zu Gewaltausbrüchen und Alkoholmissbrauch, der im Laufe des Films seinen Oberkörper freilegt und gehörig ausgepeitscht wird. Als wäre das für einen Film der späten 1940er nicht skandalträchtig genug, läuft dies unter einem Titel, der verrucht-lüstern oder herablassend-bedrohlich verstanden werden kann:
„Kiss The Blood Off My Hands“ war das erste Projekt von Norma Productions, der Filmschmiede der späteren Hollywood-Ikone Burt Lancaster, und brachte dem Unternehmen prompt einen Skandal ein: Religiös-konservative Gruppen protestierten gegen den Film-noir-Thriller und seinen anstößigen Titel (der hierzulande dem harmloserem „Bis zur letzten Stunde“ wich). Mit solchem Trubel muss diese Noir-Perle heute nicht mehr rechnen – und seit dieser Woche ist „Bis zur letzten Stunde“ im deutschen Heimkino auf Blu-ray erhältlich!
Voraussichtlich am 7. November 2025 erscheint „Bis zur letzten Stunde“ zudem als 2-Disc-Mediabook* mit dem romantischen Thriller auf DVD und Blu-ray. Diese Edition ist auf 500 Exemplare limitiert!
Darum geht es in "Bis zur letzten Stunde"
London nach dem Zweiten Weltkrieg: Der amerikanische Veteran Bill Sanders (Burt Lancaster) hat gerade so eine zweijährige Kriegsgefangenschaft überlebt und sitzt nun in Großbritannien fest. Er säuft, suhlt sich in Selbstmitleid sowie Aggressionen und schlägt in einer fatalen Nacht versehentlich einen Mann zu Tode. Auf der Flucht begegnet er der einsamen Krankenschwester Jane Wharton (Joan Fontaine), die ihm nach kurzem Schock zur Seite steht.
Als sie am nächsten Tag einen Zoo besuchen, funkt es zwischen ihnen. Doch das Unglück, die Sünde seiner Affekttat und der ruchlose Schwarzmarkthändler Harry Carter (Robert Newton) kleben an Bills Hacken. Es ist garantiert, dass der Ex-Soldat wieder in einen Strudel des Elends gezerrt wird. Stellt sich bloß die Frage, ob er Jane mit sich nehmen wird...
Ein Film-noir-Kleinod, so intensiv und gehetzt wie sein Protagonist
Dank veränderter Sehgewohnheiten ist „Bis zur letzten Stunde“ wahrlich keine Provokation mehr, doch er ist weiterhin ein kurzer, intensiver Mix aus zum Unglück verdammter Liebesgeschichte und tragischem Nervenkitzel: In diesem Film-noir-Kleinod wird keinerlei Zeit verschwendet und fallen die tonalen Peitschenschläge ähnlich harsch aus wie die Gemütsschwankungen des Protagonisten oder die schweren Schatten, die sich in Nachtszenen über Schauplätze und Gesichter legen.
Eine effiziente Erzählweise gehört im Film-noir-Kanon zwar zur Tagesordnung. Trotzdem ist es bemerkenswert, wie treffend im federführend von Leonardo Bercovici verantworteten Skript der erzählerische Duktus auf die Psyche des getriebenen Helden einzahlt. Allein schon die ersten zehn Filmminuten sind echter Film-noir-Genuss:
In Windeseile wird die nebulöse Stimmung im noch nicht ganz zu altem Glanz verholfenen London etabliert und Bill zum Totschläger wider Willen. Schon entbrennt eine atmosphärisch fotografierte, agile Verfolgungsjagd durch die expressionistisch verzerrte Stadt, durch Dampf sowie Nebel und entlang am unheilvoll schimmernden Wasser. Dieser Auftakt sicherte „Bis zur letzten Stunde“ schon im Alleingang einen Platz im Noir-Pantheon!
Der Morgen danach kommt zugegebenermaßen einem kleinen Kulturschock gleich: Wenn sich Bill und Jane bei Tageslicht besser kennenlernen, fällt die Thriller-Romanze visuell deutlich hinter ihrem Auftakt zurück. In dieser Phase müssen Lancaster und Fontaine den Film zu zweit schultern – was ihnen mühelos gelingt. Obwohl sie sich am Set nicht grün gewesen sein sollen, stimmt die Chemie vor der Kamera: Der einsamen Jane gefällt es spürbar, gebraucht zu werden, und Bill kämpft in ihrem Beisein verzweifelt, wenngleich mit Überzeugung, um Contenance.
Wie Lancaster mit subtilen, mimischen Veränderungen effektvoll von Furcht und Zorn zu Fürsorge und Schwärmerei wechselt, ist ebenso beeindruckend wie Fontaines Talent, ihre Augen liebevoll funkeln zu lassen oder sinkenden Mundwinkeln Vielschichtigkeit zu verleihen: Sorge um Bill, Angst um die Menschen, denen er Schaden zufügt, und Furcht vor dem, was ihr blüht – alles zugleich, in schwankender Zusammensetzung!
Diese im Schatten eines enormen Damoklesschwerts aufkeimende Liebe macht subtil, doch unmissverständlich deutlich, dass der Titel „Kiss The Blood Off My Hands“ in Wahrheit verletzlich um Trost bettelnd zu verstehen ist. Da Rückschläge in diesen 79 bewegten Filmminuten allerdings nie fern sind, lässt die Anspannung selbst in sanfteren Momenten nicht nach: Es ist klar, dass Bill wieder Fehler begehen wird – unklar ist zunächst bloß, wie enorm dann der Kollateralschaden ausfällt.
Universal Pictures / HanseSound Musik und Film GmbH
Im weiteren Verlauf gleicht „Von Agenten gejagt“-Regisseur Norman Foster (ebenso wie der zuweilen für ihn einspringende „Die Wendeltreppe“-Macher Robert Siodmak) die Bildsprache wieder dieser beklemmenden Vorahnung an: Raue Scharmützel in winkligen Gassen und das eine Zwickmühle nach der anderen reihende Finale, in dem Janes ängstliche Gedanken glatt Russell Mettys stimmungsvoll geführte Kamera aus dem Gleichgewicht bringen, bescheren „Bis zur letzten Stunde“ eine düster-elegante zweite Hälfte mit punktgenauem Ende.
Metty veredelte aber nicht bloß tragisch-romantische Thriller, sondern auch große, spaßige Klassiker mit Starbesetzung. Einen solchen Eintrag in seine Vita haben wir euch kürzlich näher vorgestellt:
Mit einem der größten Hollywoodstars seiner Zeit: Dieser Kulthit ist flott und bissig – jetzt gibt's ihn neu im Heimkino*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.