Er ist aktuell der wohl meistbesprochene Name im gesamten Superhelden-Kosmos: James Gunn. Vor über 10 Jahren katapultierte er Marvel mit seinen „Guardians of the Galaxy“-Filmen in neue Höhen – und sich selbst gleich mit. Schon Marvel-Chef Kevin Feige zog ihn regelmäßig hinzu, um die Drehbücher anderer MCU-Filme zu überarbeiten. Kein Wunder also, dass Gunn mittlerweile selbst eine kreative Chefposition besetzt: nur jetzt eben für den Konkurrenten DC.
Das DCU – James Gunns neues Superhelden-Filmuniversum, das dieses Jahr mit seiner Neuauflage von „Superman“ gestartet ist – kommt bei dem Großteil der Comic-Fans sehr gut an. Doch den Status als Experte für Superhelden-Filme hatte Gunn nicht immer inne. Im Gegenteil: In den frühen 2000ern wäre er wahrscheinlich sogar die letzte Person gewesen, der man eine solche Verantwortung zugetraut hätte – seine längst vergessene Superhelden-Parodie „The Specials“ ließ damals nämlich kein gutes Haar am Comic-Genre.
James Gunns Satire hat wenig Liebe übrig für Superhelden
In „The Specials“ präsentiert uns Gunn die wohl unspektakulärste Helden-Truppe, die man sich vorstellen kann – die Superkraft des neuesten Teammitglieds, Nightbird, besteht zum Beispiel einzig und allein darin, Eier zu legen. Auch die Motivation der Helden ist alles andere als nobel: Ihnen geht es vor allem um Ruhm und Reichtum. Statt das Böse zu besiegen, sind sie daher lieber damit beschäftigt, einen profitablen Deal mit einem Actionfiguren-Hersteller abzuschließen.
Gunns Aussage in „The Specials“ ist eindeutig: Er verspottet die gierige Medienindustrie, die noch den letzten Cent aus dem Superhelden-Genre herauszuquetschen versucht. Eigentlich war Gunn damit sogar seiner Zeit voraus, denn aktuelle Hit-Serien wie „The Boys“ zeigen: Schwarzhumorige Parodien auf die Helden von Marvel und DC sind heute beliebter als je zuvor.
Es ist also doch ein wenig überraschend, dass ausgerechnet James Gunn nun der Strippenzieher hinter genau diesen Superhelden-Franchises ist. „The Specials“ sollte ja nicht mal dessen einzige Satire bleiben, die maskierte Helden durch den Kakao zieht – auch in Gunns späterer Kult-Komödie „Super – Shut Up, Crime!“ stellt er die Männer und Frauen in Gummianzügen besonders als eines dar: ziemlich armselig!
Der Erfolg blieb aber sowohl bei „Super“ als auch bei „The Specials“ aus. So kostete Gunns Low-Budget-Film zwar nur eine Million Dollar – spielte aber auch nur vernichtende 15.000 Dollar ein. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich Gunn in den deutlich profitableren Blockbuster-Produktionen heute wohler zu fühlen scheint. Vielleicht liegt es aber auch an den schlimmen Erinnerungen an die Dreharbeiten von „The Specials“. Bei denen krachte es nämlich ordentlich!
Die Produktion von „The Specials“ war ein Desaster
Der Misserfolg von „The Specials“ ist noch bemerkenswerter, wenn man vor und hinter die Kamera blickt – nennenswert ist hier nämlich nicht nur James Gunn, der den Film sowohl geschrieben hat als auch einen der Helden darin verkörpert. Auch Craig Mazin, der Regisseur des Films, erfreut sich mit Serien wie „Chernobyl“ und „The Last of Us“ heutzutage großer Beliebtheit. Hauptdarsteller Rob Lowe („Die Outsider – Rebellen ohne Grund“) sollte ebenfalls vielen ein Begriff sein, genauso wie Paget Brewster („Criminal Minds“) und Jamie Kennedy („Scream“).
All diese Leute haben sich am Set jedoch überhaupt nicht verstanden. Dort ging es Erzählungen zufolge ähnlich konfliktreich zu wie zwischen den Superhelden im Film. Im Audiokommentar zu „The Specials“, der von MovieWeb zusammengefasst wurde, verrät James Gunn zum Beispiel, dass es zwischen ihm und Jamie Kennedy ziemlich hitzig wurde.
Dieser musste für seine Rolle nämlich schwer abwaschbares blaues Make-Up tragen, wodurch seine Dreharbeiten am parallel stattfindenden Film „Three Kings – Es ist schön König zu sein“ erheblich erschwert wurden. Aus Frust soll Kennedy deshalb sogar einmal einen Stuhl nach Gunn geworfen haben.
Auch der Rest des Casts wollte nach den Dreharbeiten nichts mehr mit dem Film zu tun haben. Lowe schämte sich so sehr für seinen Auftritt darin, dass er nicht mal bereit war, für den Film auf Pressetour zu gehen. Und zu allem Überfluss zerbrach dann auch noch die Freundschaft zwischen Gunn und Brewster, weil die beiden so unzufrieden mit dem Ergebnis waren.
Mittlerweile herrscht glücklicherweise kein böses Blut mehr zwischen den Beteiligten. Brewster hat sogar öffentlich preisgegeben, dass sie inzwischen stolz auf den Film ist. Und das sollte sie auch: Zwar wurde „The Specials“ mit geringsten Mitteln umgesetzt und James Gunn hat danach auch definitiv bessere Filme gedreht – sein zynischer und ungefilterter Blick auf die großen Comic-Franchises ist aber trotzdem eine Sichtung wert!
Sehenswert wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch der nächste Film im DCU. In einem kürzlich erschienenen Interview machte Gunn nämlich ziemlich Lust auf den anstehenden „Supergirl“. Mehr dazu im nachfolgendes Artikel:
"Ein Weltraum-Abenteuer wie 'Guardians Of The Galaxy'": James Gunn heizt Vorfreude auf neuen DC-Blockbuster an!