3 Oscar-Nominierungen, 45 Karrierejahre & ein überraschender Beitrag zu "E.T.": Was macht 80er-Jahre-Superstar Debra Winger eigentlich heute?
Björn Schneider
Björn Schneider
-Freier Autor
Seit Björn als Kind „Spiel mir das Lied vom Tod“ und „Hook“ gesehen hat, ist er vom Medium Film und seinen (audio-)visuellen Möglichkeiten fasziniert. Am liebsten schaut er Horror, Western, Mystery und Thriller. Musicals und romantische Komödien kosten ihn allerdings Überwindung.

Präsenz und Charisma machten sie zu einer der führenden Charakterdarstellerinnen Hollywoods: Debra Winger. Sie glänzte in bewegenden Dramen und romantischen Komödien – und baute sich später eine beachtliche Zweitkarriere als Serienstar auf.

Universal Pictures / Paramount Pictures

Wer waren die größten Leinwandstars der 1980er-Jahre? Nach männlichen Schauspielern gefragt, fallen Filmfans wahrscheinlich als erstes Größen wie Michael Douglas, Eddie Murphy oder die beiden Action-Legenden Arnold Schwarzenegger und Sylvester Stallone ein. Und bei den Frauen? Da kommen einem sogleich prägende, sowohl von Kritikern als auch dem Kinopublikum geschätzte Darstellerinnen wie Glenn Close, Sigourney Weaver und Kathleen Turner in den Sinn.

Und dann wäre da noch eine Frau, die heute vielen (gerade jüngeren) Kino-Enthusiasten womöglich nicht mehr allzu viel sagt – die in den 1980er-Jahren aufgrund zahlreicher Box-Office-Hits aber zu den prominentesten und gefragtesten Schauspielerinnen zählte!

Gemeint ist Debra Winger, die die für ihre leidenschaftlichen, hingebungsvollen Performances bekannt war und in ihrer Karriere nicht weniger als drei (!) Oscar-Nominierungen einheimsen konnte. Wir blicken auf die Laufbahn der heute 70-jährigen Kino-Legende, die sich in ihren späteren Jahren eine erfolgreiche Zweitkarriere als Serienstar aufbauen konnte.

Weltruhm dank starker, mutiger Frauenfiguren

Nach ersten Kurzauftritten in einem Sexploitationfilm („Slumber Party ′57“) und der kultigen Superhelden-TV-Serie „Wonder Woman“ Ende der 1970er gelang der Tochter einer jüdischen Arbeiterfamlie 1980 der Durchbruch an der Seite von John Travolta in James Bridges' „Urban Cowboy“. In dem Beziehungsdrama überzeugte Winger als selbstbewusste junge Tänzerin Sissy und erhielt erstmals weitreichende Anerkennung unter Branchen-Kollegen und der Fachpresse. Der Lohn: Nominierungen für den Golden-Globe- und den BAFTA-Award.

Eine ungewöhnliche Rolle bot ihr zwei Jahre später Regie-Visionär Steven Spielberg, mit dem Winger befreundet war, in seinem Sci-Fi-Märchen „E.T.“ an. Winger steuerte, neben anderen Schauspielern, experimentell verfremdete Sprachaufnahmen bei, aus denen später die endgültige Stimme des gestrandeten Außerirdischen entwickelt wurde. Selbst wenn sie also nicht in dem Film zu sehen ist, so kann sie doch mit Stolz behaupten, dass sie (indirekt) in einem der größten Klassiker des Popcorn-Kinos zu hören ist.

Unmittelbar daran schlossen die erfolgreichsten Jahre ihrer Karriere an. Während dieser Zeit begeisterte Winger, die ursprünglich Soziologin und Kriminologin werden wollte (ein entsprechendes Studium schloss sie allerdings nicht ab), in komplexen, vielschichtigen Frauenrollen.

An der Seite von Publikumsliebling Richard Gere spielte sie 1982 im Edel-Schmachtfetzen „Ein Offizier und Gentleman“ und erhielt ihre erste Oscar-Nominierung. Ihre feinfühlige, dringliche Darstellung einer krebskranken Frau im Drama „Zeit der Zärtlichkeit“ brachte ein Jahr später die zweite Oscar-Nominierung. 1986 folgte der vor allem in den USA beliebte Krimi-Komödien-Klassiker „Staatsanwälte küsst man nicht“, in dem sich Winger mit Robert Redford ein wunderbar-ironisches Schauspielduell auf Augenhöhe liefert.

Staatsanwälte küsst man nicht
Staatsanwälte küsst man nicht
Starttermin 2. Oktober 1986 | 1 Std. 56 Min.
Von Ivan Reitman
Mit Robert Redford, Debra Winger, Daryl Hannah
User-Wertung
3,5

Unangepasstheit als große Stärke

Die 1980er beendete sie mit einigen durchwachsenen, weniger erinnerungswürdigen Thrillern („Die schwarze Witwe“, „Verraten“), bevor sie in den mittleren 1990er-Jahren ihre Filmkarriere erst einmal auf Eis legte. Ein Achtungserfolg sollte ihr bis dahin aber noch gelingen: ihre dritte Oscar-Nominierung für Richard Attenboroughs biografisches Drama „Shadowlands“ von 1993.

Doch die Schauspielerei ließ sie nicht los. Nach mehr als fünf Jahre Pause vom Filmbusiness kehrte Winger in den frühen 2000ern in kleinen Nebenrollen in melancholischen Komödien wie „Sie nennen ihn Radio“ und „Eulogy“ auf die Leinwand zurück. Dann entdeckte sie allmählich ein neues Format für sich: TV-Serien.

So selten der Ex-80er-Star in den letzten zehn Jahren in Filmen auftrat (nämlich ganze zweimal), so häufig war Winger seit 2015 in Serien zu sehen. Und das mit großem Erfolg. Sie spielte vier Jahre in der Netflix-Produktion „The Ranch“ – der mit 80 Episoden langlebigsten Sitcom in der Geschichte des Streaming-Dienstes. Danach folgten Rollen in der Agenten-Dramedy „Patriot“, im Comedy-Format „Mr. Corman“ und zuletzt in der Crime-Serie „Accused“. Das alles macht deutlich: Winger war als Filmschauspielerin hinsichtlich Rollenwahl, Genres und gespielter Frauenfiguren stets mutig und unkonventionell. Und diese Unangepasstheit zeigt sich ebenso in ihrer – späten – Laufbahn als Seriendarstellerin.

Robert Redford, Wingers kongenialer Filmpartner in „Staatsanwälte küsst man nicht“, gewann vor 45 Jahre seinen ersten und einzigen Goldjungen. Trotz der Oscar-Ehren musste die kürzlich verstorbene Hollywood-Legende darum kämpfen, das Werk überhaupt realisiert zu bekommen. Hier lest ihr die ganze Geschichte und um welches (heute oft übersehene, aber unbedingt sehenswerte) Drama es geht:

"Niemand hat sich dafür interessiert": Robert Redford musste lange um seinen vielleicht wichtigsten Film kämpfen

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