Zusammen mit Zach Cregger, Jordan Peele und Robert Eggers gehört Ari Aster zu jener Generation an jüngeren Regisseuren, die in den letzten Jahren das Horror-Genre wie wenige andere prägten. Mit seinen mehrdeutigen, verstörenden Grusel-Meisterstücken „Hereditary“ (2018) und „Midsommar“ (2019) machte sich der New Yorker unsterblich. Seine letzten Arbeiten sind eher pechschwarze und von Gesellschaftskritik durchzogene Komödien (siehe "Beau Is Afraid"), darunter ebenso sein aktuelles, lange erwartetes Werk „Eddington“ (ab 20. November in den deutschen Kinos).
Klar ist: Fast alle Filme Asters handeln von existenziellem Horror, Traumata und dysfunktionalen menschlichen Beziehungen. Doch wenn es um seine eigenen Lieblingsfilme geht, muss es nicht immer Horror sein. Denn wer hätte gedacht, dass das komplexe, vierstündige Jugendbanden-Drama „A Brighter Summer Day“, das hierzulande den etwas irreführenden Titel „Ein Sommer zum Verlieben“ trägt, zu den absoluten Favoriten des Suspense-Experten zählt?
Komplexes Gesellschaftsporträt: Das ist "Ein Sommer zum Verlieben"
Der 1991 veröffentlichte taiwanische Film erfuhr erst sehr spät die internationale Anerkennung, die er verdient. Gedreht hat ihn der 2007 verstorbene Regisseur und Drehbuchautor Edward Yang. Nicht wenige Cineasten und Kenner asiatischer Filmkunst schätzen ihn auch für sein ambitioniertes Drama „Yi Yi – A One And A Two“ (2000). Doch untrennbar ist und bleibt sein Name mit „Ein Sommer zum Verlieben“ verbunden.
Beim unglücklich gewählten deutschen Verleihtitel denkt man vermutlich sofort an eine seichte, kitschige Lovestory. Ja, es geht darin auch um Liebe. Und um Familie. Aber diese Aspekte machen nur einen kleinen des Films aus. Tatsächlich verbirgt sich hinter „Ein Sommer zum Verlieben“ nämlich ein epischer, herausfordernder Film über Geschichte, Politik, Gewalt, Identität, das Erwachsenwerden und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Yang entwirft darin ein Porträt der taiwanesischen Jugend und Gesellschaft in den frühen 1960er-Jahren. Die Hauptfigur, ein 14-jähriges Gangmitglied, verliebt sich in ein Mädchen und gerät dadurch mitten hinein in einen brutal geführten Bandenkrieg. Es kommt zu heftigen Konflikten mit tragischem Ausgang.
"Der Film ist wie 'Der Pate'"
Der Film ist in jeglicher Hinsicht ausufernd, drastisch und lebt von der naturalistischen und schlichten Regie. Dies alles weckte bei Aster Erinnerungen an einen der größten Filmklassiker aller Zeiten, in dem es, wie in „Ein Sommer zum Verlieben“, nicht zuletzt um Themen wie Loyalität und Ehre geht.
„Ich weiß nicht, wie man diesen Film schauen kann, ohne überzeugt zu sein, dass man den besten Film aller Zeiten sieht. In dieser Hinsicht ist er wie ‚Der Pate‘“, sagte Aster über Yangs Meilenstein (via Indiewire). Und ergänzte voller Begeisterung: „‚A Brighter Summer Day‘ ist einfach ein unglaubliches Gangster-Epos.“
Heute, fast 35 Jahre nach seiner Veröffentlichung, weiß man längst um die Kühnheit und Bedeutung von Yangs melancholischer Parabel. Die BBC fragte 2018 nach den besten nicht-englischsprachigen Filmen aller Zeiten. Die über 40 befragten, international renommierten Experten und Filmkritiker wählten „A Brighter Summer Day“ auf Position 38 – vor einflussreichen Kultfilmen wie „Ran“, „Belle De Jour“ und „La Strada“. Hierzulande ist es leider trotzdem weder im Streaming noch als DVD oder Blu-ray erhältlich.
Asters Zweitwerk, der düstere Folk-Horror „Midsommar“, machte den damals 33-Jährigen 2019 zu einem der begehrtesten Jung-Regisseure Hollywoods. Das rief auch Marvel auf den Plan. Wie Aster verriet, wurde er einst von dem Superhelden-Filmstudio kontaktiert – um einen Comicfilm zu machen, der sich später als eine der schlechtesten Marvel-Produktionen aller Zeiten entpuppen sollte:
Kein Scherz: Einer DER Horror-Regisseur der Gegenwart sollte Marvel-Verfilmung "Morbius" drehen!*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.