Auf seine alten Tage hat Quentin Tarantino offenbar keine Lust mehr, sich mit herkömmlichen Filmen zu beschäftigen. Vielleicht schwingt hier auch ein bisschen Angst vorm Abschied des Filmemachens mit – immerhin verkündete der „Once Upon A Time... In Hollywood“-Regisseur bereits vor vielen Jahren, dass nach seinem nächsten, dann zehnten Film Schluss sei. Während noch abzuwarten bleibt, was uns der zweifache Oscarpreisträger zum Abschluss präsentiert (und ob es auch wirklich sein letzter Film sein wird), hat der für seine schmissigen Dialoge und ausufernden Gewaltorgien bekannte Kult-Filmemacher aber auch so alle Hände voll zu tun.
Einerseits erblicken seine bisherigen Werke derzeit nach und nach das Licht der 4K-Welt – im Dezember feiern so etwa „Jackie Brown“ sowie „Kill Bill Vol. 1“ und „Kill Bill Vol. 2“ ihre Premiere in Ultra-HD* –, andererseits finden die beiden letztgenannten in „Kill Bill: The Whole Bloody Affair“ endlich zusammen, wie es sich Tarantino seit jeher wünschte. Nachdem kürzlich dann mit „Yukis Rache“ auch noch ein nie verfilmtes Kapitel der Martial-Arts-Saga auf ungewöhnliche Weise veröffentlicht wurde, soll jetzt ein weiteres, lange geplantes Projekt Wirklichkeit werden:
Im Interview mit Entertainment Weekly hat Quentin Tarantino nun verraten, dass die Arbeit an „Yukis Rache“ die Türen für weitere Ideen geöffnet habe, die er bis dato nicht umsetzen konnte. Darunter auch „Vega Brothers“.
Das ist Quentin Tarantinos "Vega Brothers"
Bereits seit den 90ern kursiert das Konzept, die beiden Brüder aus Tarantinos Film-Universum erstmals vor der Kamera zusammenzubringen. Konkret geht es dabei natürlich um Vic „Mr. Blonde“ Vega (Michael Madsen) aus „Reservoir Dogs“ und Vincent Vega, den von John Travolta gespielten Auftragskiller in „Pulp Fiction“. Tarantino könne sich inzwischen vorstellen, das Ganze als Animationsfilm zu realisieren, der stilistisch irgendwo zwischen „Yukis Rache“ und einem klassischen Anime liegt. Dass er auch letzteres durchaus beherrscht, hat er bereits in „Kill Bill“ unter Beweis gestellt.
Und darum soll es im Film gehen: Vincent erzählt seinem Partner Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) in „Pulp Fiction“ bekanntlich von seiner Zeit in Amsterdam und erinnert auch seinen Dealer (Eric Stoltz) später daran, dass er seit seinem Aufenthalt in Europa nur den besten Stoff gewohnt sei. „Vega Brothers“ soll allerdings nicht Vegas gesamte Zeit vor Ort, sondern lediglich ein Wochenende schildern, an dem er Besuch von seinem Bruder bekommt.
Wird der Film wirklich jemals kommen?
Ob „Vega Brothers“ aber tatsächlich Realität wird? Zweifel daran wären durchaus berechtigt. Einerseits nahm sich Quentin Tarantino im Laufe der Jahre zahlreiche Projekte vor, aus denen letztlich nichts wurde – von „Django/Zorro“ über ein eigenes „Star Trek“-Abenteuer bis hin zu „The Movie Critic“, der nun doch nicht Film Nummer 10 wird. Andererseits ist es ihm nach dem Tod von Michael Madsen im vergangenen Juli auch nicht mehr möglich, den Film mit der Original-Besetzung zu drehen. Vic Vega müsste also von einem anderen Schauspieler gesprochen werden.
Auf der anderen Seite hätten viele wohl auch nicht für möglich gehalten, dass wir die berühmt-berüchtigte „Whole Bloody Affair“ von „Kill Bill“ jemals zu Gesicht bekommen würden. Und am Ende handelt es sich dabei womöglich ohnehin eher um ein kleines Projekt an der Seite, das – wie „Yukis Rache“ – nicht mehr Stoff als für einen Kurzfilm hergibt. Seine Zehn-Filme-Regel würde Tarantino in diesem Fall also aller Wahrscheinlichkeit wohl auch nicht brechen…
FILMSTARTS-Redakteur Björn Becher hat „Yukis Rache“ übrigens gesehen. Was er dazu zu sagen hat, erfahrt ihr hier:
Ich habe den neuen Film von Quentin Tarantino gesehen – das taugt das seit 22 Jahren heiß erwartete Action-Spektakel*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.