Wenn es um Popmusik geht, kann man mit Fug und Recht behaupten, Madonna hätte alles erreicht, wovon eine Popkünstlerin träumen kann: eine Jahrzehnte umspannende Karriere mit 14 Studioalben, diversen Welt-Tourneen, begehrten Auszeichnungen und dem Bewusstsein, den Weg für viele weitere Pop-Künstlerinnen geebnet zu haben.
Doch blickt man in Madonnas Filmografie, ist das Bild schon etwas durchwachsener: Neben beachtlichen Nebenrollen in „Eine Klasse für sich“ und „Four Rooms“ bleibt ihr größter Kinoerfolg das Musical-Drama „Evita“, für das sie mit einem Golden Globe ausgezeichnet wurde – dazwischen finden sich viele Werke, die am Box Office gefloppt sind und zugleich von der Kritik verrissen wurden. Wenn es nach Kult-Regisseur Abel Ferrara („King of New York“, „Bad Lieutenant“) geht, hat einen dieser Flops Madonna aber durch einen herben Fauxpas allein zu verschulden…
Metro-Goldwyn-Mayer
Dem Verriss zuvorgekommen?
Dabei geht es natürlich um Abel Ferraras eigenen Film „Snake Eyes“ von 1993, in dem Madonna an der Seite von Harvey Keitel und James Russo die Hauptrolle spielte. Das Psychodrama dreht sich um Regisseur Eddie Israel (Keitel), der mit den etablierten Schauspielern Sarah Jennings (Madonna) und Frank Burns (Russo) ein intensives Ehedrama dreht, dabei seine eigenen Privatprobleme abarbeiten will und sein Schauspielduo zunehmend an seine Grenzen bringt.
Tatsächlich ist „Snake Eyes“ trotz einiger wohlwollender Kritiken, in denen Madonnas Leistung gelobt wurde, an den Kinokassen gescheitert. Für Abel Ferrara, so verriet er in einem äußerst offenherzigen Interview mit dem AV Club 2002, sind kommerzielle Flops zwar eher Regel als Ausnahme, dennoch hat ihn eine Sache am Scheitern von „Snake Eyes“ ganz besonders geärgert: Madonna habe den Film in der Presse selbst schlechtgeredet, um möglichen Verrissen, wie sie sie kurz zuvor bei „Body Of Evidence“ erlebt hatte, zuvorzukommen. „Das werde ich ihr nie verzeihen“, so Ferrara in dem Interview.
"Das macht man einfach nicht"
Tatsächlich findet man heute noch Spuren von Madonnas kritischen Aussagen zu „Snake Eyes“, etwa in einem Bericht der Time über Madonnas Filmkarriere bis zum Erscheinen von „Evita“ (1996). Darin kam Madonna auch auf „Snake Eyes“ zu sprechen und ihre Unzufriedenheit mit dem Final Cut des Films, für den sie Ferrara verantwortlich machte: „Der Film hatte für mich eine ganz andere Struktur, Bedeutung und Wirkung. Als ich ihn mir im Kino angesehen habe, habe ich geweint. Denn ich finde wirklich, dass ich als Schauspielerin gute Arbeit geleistet habe. Ich finde, er sollte nicht ‚Snake Eyes‘ heißen, sondern ‚The Bad Director‘.“
Dazu winkt Abel Ferrara in seinem Interview nur ab: „Glauben Sie mir, ich höre das von jedem Schauspieler, wenn sie den endgültigen Schnitt eines Films sehen, denn die Schauspieler erinnern sich nur an die Szenen, die es nicht in den Film geschafft haben. Doch ich habe noch nie erlebt, dass ein Schauspieler einen Film schlechtgemacht hat. Das macht man einfach nicht. Aber sie ist keine Person aus der Filmbranche. Sie kennt die Gepflogenheiten, die Traditionen des Gewerbes nicht.“
Es dürfte also nicht überraschen, dass Madonna und Ferrara nie wieder zusammen gedreht haben – vielleicht ist das auch besser so…
Auch eine ganze Kinokette ist auf Madonna nicht sonderlich gut zu sprechen. Warum, erfahrt ihr im nachfolgenden Artikel:
"Sie muss sich entschuldigen und ihr Verhalten ändern": Popstar Madonna hat seit 12 Jahren in mehreren Kinos Hausverbot