Wie der großen Netflix-Ankündigung für den Januar 2026 zu entnehmen ist, wird es ab Mitte des Monats die komplette „James Bond“-Reihe beim Streamingdienst mit dem großen roten N geben. Alle 007-Filme können ab dem 15. Januar 2026 im Abo bei Netflix gestreamt werden – von Reihenauftakt „James Bond – 007 jagt Dr. No“ über die weiteren Abenteuer mit Sean Connery, George Lazenby, Roger Moore, Timothy Dalton und Pierce Brosnan bis hin zur jüngsten Ära mit Daniel Craig. Auch der bislang letzte Teil „James Bond 007 - Keine Zeit zu sterben“ gehört natürlich zum großen Paket. Für den weiteren Artikel spielt es zwar keine Rolle, aber der Vollständigkeit wegen: Sogar den nicht offiziell zum Franchise gehörenden „Sag niemals nie“ hat Netflix erworben.
Bei Amazon Prime Video gibt es die Filme dagegen nicht im Abo – und das verwundert auf den ersten Blick. Schließlich hat Amazon nicht nur vor einigen Jahren bereits die legendäre Filmschmiede MGM gekauft, welche die 007-Reihe vertrieb. Vor einiger Zeit hat man von den bisherigen Rechteinhabern Eon Productions auch die komplette kreative Kontrolle übernommen. Amazon bestimmt nicht nur darüber, wie es weitergeht (mit Denis Villeneuve und einem neuen 007), sondern kann auch alleine entscheiden, wo und wie es die offiziellen 007-Filme künftig zu sehen gibt. Und statt sie dauerhaft im eigenen Streaming-Abo laufen zu lassen, ist das ab Januar bei Konkurrent Netflix der Fall. Doch warum?
So verdient Amazon mit "James Bond" Geld
Offiziell geht es um eine Strategie. ScreenDaily zitiert Chris Ottinger, den Leiter des weltweiten Vertriebs bei Amazon MGM Studios, mit folgenden Worten: „Als Amazon MGM übernahm, war es der Plan von Amazon, die Lizenzierung der ikonischen MGM-Bibliothek an Streaming- und Fernsehpartner auf der ganzen Welt fortzusetzen. Diese legendären Filme zu Netflix zu bringen, ist Teil dieser fortlaufenden Strategie.“ Man bringe so „eines der beständigsten und einflussreichsten Franchises der Kinogeschichte“ zu dem Streamingkonkurrenten, mit dem man eine „starke Arbeitsbeziehung“ pflegt.
Am Ende sind es also wohl vor allem monetäre Gründe. Dass Amazon die legendäre 007-Reihe zeitweise Netflix überlässt, dürfte man sich extrem gut bezahlen lassen. Und wahrscheinlich geht man intern davon aus, dass dies mehr Geld einbringt, als die Actionfilme rund um den Agenten mit der Lizenz zum Töten die ganze Zeit bei sich zu haben und deswegen vielleicht ein paar Abos mehr abzuschließen.
Screen Daily liefert noch ein weiteres Argument. Mit der zeitweisen Überlassung an Netflix könne man das Interesse an der Reihe um den Superspion hochhalten und vielleicht sogar ausbauen. Schließlich erreicht man bei Netflix ein größeres Publikum. Es ist der meistgenutzte Streamingdienst der Welt.
Kurzer Netflix-Ausflug für 007 – dann geht es zurück zu Prime Video
Auch für uns sind dies plausible Gründe – gerade angesichts des Modells, welches Amazon mit seinen 007-Rechten umsetzt. Netflix hat die Bond-Reihe jetzt für drei Monate in den USA, Lateinamerika und vielen zentralen europäischen Märkten wie u. a. Deutschland, Frankreich und Italien. Danach wird sie erst einmal wieder aus Streaming-Abos verschwinden. Im Oktober und November 2026 soll sie dann für zwei Monate exklusiv bei Amazon Prime Video laufen – was jährlich der Fall sein wird. Damit feiert man den James-Bond-Tag, der am 5. Oktober ist (dem Premierentag des allerersten Films). Danach verschwindet er wieder aus dem Abo, bevor sie man einige Monate im Frühjahr 2027 erneut bei Netflix oder einem anderen Lizenzpartner unterbringen könnte. Das Spiel beginnt von vorne...
Das sorgt für deutlich mehr Aufmerksamkeit, als wenn die Filme einfach dauerhaft im Abo bei Amazon Prime Video verfügbar wären. Dann wäre es irgendwann eine Selbstverständlichkeit. Das Interesse würde nachlassen, weil sich bei vielen Leuten der Gedanke durchsetzt, dass man die jetzt nicht schauen muss, weil das ja immer geht (und dann macht man es nie). Mit dem Modell, dass sie drei Monate dort, dann nirgends, dann zwei Monate hier und dann wieder nirgends bequem im Abo verfügbar sind, erzeugt man eine ganz andere Dringlichkeit. Es gibt das Gefühl, sie jetzt streamen zu müssen, weil es bald nicht mehr geht oder sie gerade ganz neu da sind.
Auch die Aufmerksamkeit wird natürlich ganz anders darauf gelenkt, wenn die Filme auf der Netflix- oder Amazon-Startseite als Neuzugänge präsentiert werden oder man liest, dass man nur noch wenige Tage Zeit hat, sie zu sehen. Und auch die Berichterstattung von Internetauftritten wie unserer Seite beschert so mehr Präsenz. Schließlich wird regelmäßig darüber geschrieben, was es jetzt gerade neu gibt und was bald weg ist, seltener über das, was seit drei Jahren da und in drei Jahren weiterhin vorhanden ist.
Darum hat Amazons 007-Beispiel auch eine größere Bedeutung
Für uns als Filmfans ist es aus zwei Gründen eine Strategie, die wir nicht einfach hinnehmen, sondern kennen sollten. Sie unterstreicht noch einmal, dass am Ende nichts über eine physische Heimkino-Sammlung gehen wird. Wer jederzeit die Gelegenheit haben will, sich ohne immer gleich einen VoD-Stream erwerben zu müssen, die „James Bond“-Reihe anzuschauen, wird nicht an DVD oder Blu-ray vorbeikommen – wie zum Beispiel an der „James Bond Collection“*, deren jüngste Version aber noch nicht „Keine Zeit zu sterben“ beinhaltet. Denn nur weil ein Titel jetzt Amazon oder Netflix oder wem auch sonst gehört, heißt es nicht, dass er für immer dort verfügbar sein wird.
Zudem gilt es zu beobachten, wie die anderen Rechteinhaber, die gleichzeitig einen Streamingdienst betreiben, sich in Zukunft verhalten. Disney setzt zum Beispiel noch darauf, seine Animationsklassiker sowie Marken wie „Star Wars“ und Marvel exklusiv, aber dafür dauerhaft auf dem eigenen Dienst zu halten. Das Unternehmen hat aber eine absolute Ausnahmestellung, weil auch bislang nur lokal (in Deutschland zum Beispiel vom ZDF) fremde Inhalte eingekauft und abgespielt werden. Im Gegensatz zu Amazon, Netflix und Co. hat Disney so ein sehr abgeschlossenes System.
Bei Netflix wird derweil schon wild spekuliert, was nach der geplanten Warner-Übernahme mit Marken wie „Harry Potter“, Serien wie „Friends“ und „The Big Bang Theory“ sowie den DC-Figuren um Batman, Superman & Co. passieren wird. Viel deutet aber darauf hin, dass man auch hier bereit ist, immer wieder einzelne Sachen zu lizenzieren – gerade weil auch hier das liebe Geld eine Rolle spielt. Solche Deals würden dabei helfen, das massive Investment zu refinanzieren.
Sicher ist erst mal: Von Mitte Januar bis April 2026 könnt ihr alle „James Bond“-Filme bei Netflix streamen. Welches Casting-Gerücht derweil um den geplanten Neustart der legendären Reihe zuletzt die Runde machte, erfahrt ihr im folgenden Artikel:
Wird er der neue James Bond? "Harry Potter"-Star soll Wunschkandidat des Regisseurs sein*Bei dem Link zum Angebot von Amazon handelt es sich um einen sogenannten Affiliate-Link. Bei einem Kauf über diesen Link erhalten wir eine Provision.