"Mein Lieblingsfilm aller Zeiten": Charlize Theron verrät, welchen Film sie mehr liebt als jeden anderen
Sebastian Groß
Sebastian Groß
-Freier Autor
Manchmal fühlt er sich alt, weil er damals „The Big Lebowski“ oder „Matrix“ zum Kinostart gesehen hat. Andererseits konnte er damals „The Big Lebowski“ und „Matrix“ zum Kinostart sehen. Zum Glück behält er das für sich, außer jemand fragt ihn. Jetzt fragt ihn halt endlich.

Charlize Theron steht wie kaum eine andere für Action – von gnadenlosen Stunts bis zu ikonischen Rollen. Umso überraschender ist die Wahl ihres Lieblingsfilms, der mit Explosionen nichts zu tun hat. Warum das viel über sie verrät, lest ihr hier.

Universal Pictures

Charlize Theron gehört zu den wenigen Schauspielerinnen, die sich im Actionkino nicht nur behauptet, sondern es nachhaltig geprägt haben. Spätestens seit „Mad Max: Fury Road“ (2015) ist sie als kompromisslose Actionheldin gesetzt, doch ihre Genre-Erfahrung reicht deutlich weiter zurück: In „Æon Flux“ (2005) stemmte sie früh ein stilisiertes Sci-Fi-Spektakel, mit „Atomic Blonde“ (2017) lieferte sie einen der physisch härtesten Agentinnenfilme der letzten Jahre ab und selbst im Blockbuster-Zirkus von „Fast & Furious 8“ (2017) setzte sie markante Akzente.

Umso bemerkenswerter ist, dass Theron das Genre stets mit kritischer Distanz betrachtet hat. Legendär ist ihre offene Abneigung gegenüber einem nicht unumstrittenen Action-Veteranen, den sie öffentlich für sein aufgeblasenes Ego und seine Selbstinszenierung verspottete – ein seltener Moment, in dem eine Action-Ikone das Genre von innen heraus kommentiert. Gerade vor diesem Hintergrund verwundert es fast, dass ihr absoluter Lieblingsfilm kein „Stirb langsam“ (1988) und auch kein „The Raid“ (2011) ist. Bei all den Explosionen, Stunts und Knochenarbeit hätte man genau das erwarten können.

Stattdessen schlägt Therons Herz für einen leisen, schmerzhaft ehrlichen Film aus den frühen 1960ern: „I Could Go On Singing. 2007 verriet sie, dass sie für diesen Film jederzeit aus dem Schlaf springen würde, sollte er im Fernsehen laufen (via Far Out Magazine). „So gut, so gut! Das ist mein Lieblingsfilm aller Zeiten“, sagte Theron.

I Could Go on Singing
I Could Go on Singing
1 Std. 40 Min.
Von Ronald Neame
Mit Judy Garland, Dirk Bogarde, Jack Klugman

Charlize Theron liebt den letzten Film des Stars aus "Der Zauberer von Oz"

Der 1963 entstandene Film wurde von Ronald Neame („Die Akte Odessa“) inszeniert und markiert einen besonderen Punkt in der Karriere von Judy Garland. Sie, die durch die Rolle der Dorothy in „Der Zauberer von Oz“ (1939) zum Phänomen wurde, spielt Jenny Bowman, eine international gefeierte Konzertsängerin, die während einer Tournee in London auf ihren früheren Liebhaber David (Dirk Bogarde, „Der Nachtportier“).

Was David lange geheim gehalten hat: Aus der vergangenen Affäre ist ein Sohn hervorgegangen, den er allein großgezogen hat. Jenny erfährt davon, besteht darauf, den Jungen kennenzulernen, und entführt ihn gewissermaßen aus dem Schulalltag, um einen einzigen Tag mit ihm zu verbringen. Dieser kurze Ausflug wird zu einer emotionalen Konfrontation mit verpassten Chancen, Schuldgefühlen und der Frage, was Mutterschaft wirklich bedeutet.

Neben Garland und Bogarde überzeugt auch das nüchterne, fast zurückhaltende Inszenierungskonzept von Neame, das dem Schauspiel Raum lässt und jede Form von Sentimentalität vermeidet. Gerade dadurch entfaltet der Film seine Wirkung. „I Could Go On Singing“ ist kein klassisches Melodram, sondern eine schonungslose Charakterstudie, die Nähe zulässt, ohne einfache Lösungen anzubieten.

Der Stellenwert des Films ergibt sich vor allem aus Judy Garlands Performance. Zum Zeitpunkt der Dreharbeiten war ihr bewegtes Leben längst öffentlich bekannt: eine ausbeuterische Studiozeit als Kinderstar, gescheiterte Ehen, Suchtprobleme und eine Karriere voller Brüche. All das ist in jeder Szene spürbar. Garland spielt Jenny nicht als Opfer, sondern als Frau, die gelernt hat, mit ihrem Schmerz zu leben, ohne ihn je ganz zu überwinden. Genau diese Offenheit scheint Theron bis heute tief zu berühren. „Oh, es zerstört mich einfach“, schwärmte sie über die emotionale Kraft des Films. Ein Vorgeschmack darauf bietet der Trailer zum Film:

Tragischerweise blieb „I Could Go on Singing“ Garlands letzter Kinofilm. Sie starb 1969 im Alter von nur 47 Jahren. In den Jahren vor ihrem Tod absolvierte sie zwar noch Fernseh- und Bühnenauftritte, doch eine vergleichbare Filmrolle erhielt sie nie wieder. Eine größere Auszeichnung für diese Leistung blieb ebenfalls aus – ein Umstand, der rückblickend kaum nachvollziehbar ist.

Dass ausgerechnet eine der größten Actiondarstellerinnen Hollywoods diesen stillen, verletzlichen Film zu ihrem persönlichen Lieblingswerk erklärt, wirkt daher fast logisch. Wer wie Theron jahrelang in Körperpanzer und Stuntgeschirre schlüpft, entwickelt möglicherweise eine besondere Sensibilität für das Gegenteil. Wer wie Theron viel Action realisiert hat, ist dem Genre vielleicht auch einfach etwas überdrüssig geworden. Denn, das sollte klar sein: Actionszenen drehen hinterlässt seine Spuren. Mehr dazu im folgenden FILMSTARTS-Artikel.

"Ich kann nicht gehen, ich kann mich nicht auf die Toilette setzen": Charlize Theron hat die Konsequenzen ihrer Actionfilme nicht vorausgesehen

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