Verstörend und tief traurig: Diesen bahnbrechenden Klassiker mit Jack Nicholson sollte jeder Filmfan gesehen haben – jetzt neu im Heimkino
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Eine eindrucksvolle, filmische Momentaufnahme und doch ein zeitloser Klassiker: „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist ein Glanzstück des ebenso unbequemen wie einfühlsamen Kinos. Nun ist das Meisterwerk mit Jack Nicholson in 4K erschienen.

Vergangenes Jahr feierte ein bewegender Klassiker des Hollywoodkinos sein 50-jähriges Jubiläum: „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist in seiner Darstellung einer lieblos geführten, geschlossenen psychiatrischen Anstalt geradewegs verstörend – konfrontiert der Film sein Publikum doch detailliert mit entwürdigenden Zuständen, die viel zu lang weit verbreitet waren.

Zugleich ist die Tragikomödie von „Amadeus“-Regisseur Miloš Forman eine Verneigung vor der Macht zwischenmenschlicher Wärme, die auch in grausigen Umständen zu entstehen vermag – und eine zutiefst traurige Erzählung über die Folgen dessen, wenn dieser Funken Menschlichkeit allmählich erlischt. Dafür gab es fünf Oscars – und nun kann man diesen Meilenstein im Heimkino ganz neu erleben: „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist diese Woche erstmals in Deutschland in 4K erschienen!

Die deutsche 4K-Premiere von „Einer flog über das Kuckucksnest“ erfolgt als Limited Edition Steelbook. Die Edition enthält als Bonusmaterial einige Deleted Scenes, ein Making Of und einen Audiokommentar von Regisseur Forman sowie den Produzenten Michael Douglas und Saul Zaentz.

Darum geht es in "Einer flog über das Kuckucksnest"

Um dem Gefängnis zu entgehen, die Randle MacMurphy (Jack Nicholson) wegen Gewalt- und Sexualdelikten droht, täuscht er eine psychische Erkrankung vor. Daraufhin wird er in eine geschlossene Männerstation eingewiesen, wo er die Unbarmherzigkeit der Oberschwester Ratched (Louise Fletcher) zu spüren bekommt. Da Randle ihr immer wieder mit seinem aufrührerischen Verhalten quer kommt, wird er mit Elektroschocks ruhig gestellt. Während er verzweifelt versucht, seine Mitinsassen aus ihrer Lethargie zu reißen, droht er, immer mehr vom autoritären System zermürbt zu werden.

So schroff und doch so sensibel

Für diese Geschichte, die die Gefühlsklaviatur von Dur bis Moll bedient, gab es den Oscar in den Sparten „Bester Film“, „Beste Regie“ und „Bestes adaptiertes Drehbuch“. Darüber hinaus wurden Nicholson als bester Hauptdarsteller und Fletcher als beste Hauptdarstellerin prämiert. Und obwohl „Einer flog über das Kuckucksnest“ selbstbewusst zwischen einer melancholisch-einfühlsamen Ausrichtung und bewusst unbequemen Elementen changiert, wie einer eingangs extrem schroffen, verlogenen Darstellung des Protagonisten, fand die Tragikomödie auch Anklang beim zahlenden Publikum:

Bei einem Budget, das auf drei bis 4,4 Millionen Dollar geschätzt wird, spülte die Romanverfilmung mehr als 163 Millionen Dollar in die Kinokassen. Und allein in Deutschland wurden rund 6,4 Millionen Eintrittskarten gelöst! Ein imposantes Ergebnis für einen Film, der sein Publikum dazu drängt, sich auf Nicholsons provokant-nonchalante Darbietung einzulassen und auf ein Thema zu blicken, das unsere Gesellschaft (nicht nur) in den 1970ern am liebsten ausgeblendet hätte.

Die Zustände, die unter der unvergesslich-eiskalten Ratched herrschen, sollte man in geschlossenen Anstalten zwar mittlerweile nicht mehr befürchten müssen. Blickt man aber auf die generellen Themen in „Einer flog über das Kuckucksnest“, bleibt der Film zeitlos: Der Klassiker skizziert ein empathieloses System, das Individualität zu zersetzen versucht, und fordert sein Publikum dazu auf, sich zu fragen, was es zu tun fähig und gewillt ist, darin dennoch aufzublühen oder dagegen zu rebellieren oder aus ihm auszubrechen.

Einen Film der härteren, ekligeren Gangart stellen wir euch derweil im folgenden Heimkino-Tipp näher vor:

"Ein Meisterwerk aus Blut, Körperflüssigkeiten & Maden": Einen der härtesten Horrorfilme der letzten 15 Jahre gibt's uncut im Heimkino

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