Bevor Teil 2 kommt: Diese Bestseller-Verfilmung mit grandioser Starperformance gibt's jetzt im Heimkino
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Einer der fähigsten Schauspielstars seiner Generation, ein Bestseller-Stoff und wiederkehrende Tokio-Hotel-Zitate: Das Drama „22 Bahnen“ nach dem gleichnamigen Erfolgsroman ist ab sofort im Heimkino erhältlich.

Caroline Wahls Roman „22 Bahnen“ wurde mit seiner bewegenden Geschichte zweier Schwestern und einer klaren, packenden Sprache zum Bestseller – und er wurde zum „Lieblingsbuch des unabhängigen Buchhandels“ ernannt. Darüber, ob Wahl dem von ihr beschriebenen Milieu gerecht wird, wird zunehmend gestritten. Ein Gedanke drängte sich aber sofort auf: Wahls Debütroman ist so filmisch geschrieben – er gehört auf die Leinwand!

2025 kam es so: „Treppe aufwärts“-Regisseurin Mia Maariel Meyer drehte ein stimmungsvolles (Sozial- und Jugend-)Drama, das mit der begnadeten Luna Wedler als Hauptdarstellerin glänzt. Die Weichen für Teil zwei sind gestellt und seit dieser Woche ist „22 Bahnen“ auf DVD und Blu-ray im Heimkino erhältlich.

Außerdem ist der Film z.B. bei Prime Video* als VOD verfügbar. Wenn ihr ihn mit seiner Vorlage vergleichen möchtet: Der Roman „22 Bahnen“* und seine Fortsetzung „Windstärke 17“* sind im Handel erhältlich. Die „Windstärke 17“-Verfilmung hat bereits grünes Licht und Fördergelder erhalten, ein Starttermin steht aber noch nicht fest.

Darum geht es in "22 Bahnen"

Mathematikstudentin Tilda (Luna Wedler) hat einen streng getakteten Alltag: Sie sitzt in der Uni, arbeitet an der Supermarktkasse und zieht im Schwimmbad 22 Bahnen, um für sich zu sein. Sonst kümmert sie sich um ihre jüngere Schwester Ida (Zoë Baier) sowie um ihre alkoholabhängige Mutter (Laura Tonke). Zeit für Freude oder gar Liebe bleibt keine, stattdessen droht Tilda, im Kleinstadtmief zu ersticken.

Ihr Freundeskreis ist weitergezogen, was zurückgeblieben ist, sind tragische Erinnerungen. Dann geht ein Ruck durch Tildas Leben: Sie bekommt eine Promotion in Berlin in Aussicht gestellt und sie begegnet Viktor (Jannis Niewöhner), dem Bruder eines geliebten, verlorenen Menschen. Zuhause verschlechtert sich die Lage jedoch massiv...

Schauspielwunder Luna Wedler

Der größte Trumpf von „22 Bahnen“ ist Hauptdarstellerin Luna Wedler: Die Schweizerin ist eines der stärksten Schauspieltalente ihrer Generation und hievt den Stoff ganz allein auf ein höheres Niveau. Sie vermag es, Tilda glaubhaft mit einer tief im Inneren brodelnden Wut und dennoch mit einem matten, erschöpften Auftreten zu spielen. Denn die „22 Bahnen“-Protagonistin wird von Gegensätzen zermürbt:

Durch ihre Ersatzmutteraufgabe muss sie weitaus älter und verantwortungsbewusster sein, als es ihr Alter verlangt. Aber dadurch, dass sie im Gegensatz zu ihrem sozialen (Ex-)Umfeld keine neuen Kapitel aufgeschlagen hat, tritt sie zugleich auf der Stelle, ist weit kindlicher als ihr Alter besagt. Chaos, das Wedler mit verlorenen Blicken, seufzender Stimme und zitternden Mundwinkeln zwischen Trübsal und fassungslosem Schmunzeln umwerfend vermittelt.

Neben Wedler überzeugt eine einmal mehr punktgenaue Laura Tonke als Suchtkranke, die ihre Töchter ins Elend zieht und sich durch ihre Schuldgefühle nur noch weiter von der Hoffnung auf Besserung entfernt. Das Skript tut Jannis Niewöhner wiederum keinen Gefallen, beschränkt es seine Rolle doch auf den klischeehaften Abriss eines geheimnisvollen Einzelgängers mit Beschützerinstinkt. Jedoch bemüht sich der „Rubinrot“-Star redlich, Viktor durch seine darstellerischen Eigenheiten etwas Profil zu verleihen.

Stärken und Schwächen im Vergleich zum Roman

Zwangsweise verliert die von „Sisi“-Autorin Elena Hell verfasste Adaption einige der griffigen Gedankengänge, die unterhaltsam und dennoch einfühlsam in Tildas Seele blicken lassen. Dafür bügelt Hell manche Schwachstellen der Vorlage aus, etwa vereinzelte, abschätzig formulierte Passagen. Auch die Frage, weshalb Tilda und Ida keine Hilfe erhalten, drängt sich im Film weniger auf.

Zwar könnte man „22 Bahnen“ weiterhin so auffassen, als behaupte die Story eine Bundesrepublik ohne Auffangnetz. Zumindest für den Verfasser dieses Textes wäre dies aber eine Fehldeutung: „22 Bahnen“ ist durch die stimmungsvolle, nah an Tildas Erfahrungswelt haftende, sich gezielt in Detailbeobachtungen verlierende Inszenierung ein subjektiver Film – Tilda kann das Wohl ihrer Familie nicht allein schultern, glaubt aber, es zu müssen.

Die sich ihr bietenden Möglichkeiten werden ignoriert sowie mit unnötigem Misstrauen abgestraft, und Meyer traut ihrem Publikum zu, allein zu erkennen, dass ein existenter und handelnder Sozialstaat ihren Protagonistinnen gut täte. Ganz realistisch ist der Handlungsverlauf trotzdem nicht, und wie Fragen um Schuld und Verantwortung angepackt werden, fällt thematisch simpler aus als auf emotionaler Ebene.

Wie allerdings schon FILMSTARTS-Autor Pascal Reis in seiner 3,5-Sterne-Kritik treffend zusammengefasst hat: „Durch die grandiose Luna Wedler und die stimmungsvolle, aufmerksame Regie erreicht die Verfilmung von Caroline Wahls Bestseller aber eine berührende Intensität. Und einen Tokio-Hotel-Ohrwurm gibt’s noch obendrauf!“ Einen nochmal stärkeren, deutschen Film über weibliche Schicksale stellen wir euch derweil im folgenden Artikel vor:

Eines der größten Kino-Highlights 2025 solltet ihr spätestens jetzt nachholen: Dieser Jahrhundertfilm geht durch Mark und Bein!

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