Wenn es um kühl beobachtende Filme geht, die aus einer unbequem-dramatischen Ausgangslage sukzessive beklemmende, kopflastige Thrills entwachsen lassen, dann ist Regisseur und Drehbuchautor Michael Haneke einer der ganz großen Meister: Ob „Funny Games“, „Das weiße Band“ oder „Benny’s Video“, der deutsch-österreichische Filmschaffende fängt gesellschaftliche und mediale Fehlstellungen ein, und formt aus ihnen entschleunigte, die Genrekonventionen links liegen lassende Torturen über Schuld, Amoralität, Sühne und verschlepptes Leid.
Eine seiner eiskalten, hochkonzentrierten Regiearbeiten wurde in einer Umfrage der BBC zu den 100 besten Filmen dieses Jahrhunderts gewählt und erhält demnächst ein Heimkino-Upgrade: Voraussichtlich am 25. Juni 2026 erscheint „Caché“ erstmals in Deutschland auf Blu-ray!
Die Edition aus dem Hause Filmjuwelen enthält als Extras Interviews mit Haneke, ein Making Of sowie einen Audiokommentar von Filmhistoriker Dr. Rolf Giesen und ein digitales Booklet.
Darum geht es in "Caché"
Georges Laurent (Daniel Auteuil) moderiert eine populäre Literatursendung im französischen Fernsehen, seine Frau Anne (Juliette Binoche) wiederum arbeitet für ein Pariser Verlagshaus. Eines Tages wird das Leben des Ehepaars und seines zwölfjährigen Sohnes, dem vielversprechenden Schwimmtalent Pierrot (Lester Makedonsky) durch ein anonymes Päckchen auf den Kopf gestellt.
Denn darin befindet sich eine Videokassette mit Aufnahmen des Laurent-Stadthauses, die heimlich entstanden sind. Während Anne dies als banale, skurrile Aktion eines Fans abtut, ist Georges nervös und wittert sinistre Motive. Nach und nach häufen sich die Pakete, denen neben Kassetten mit weiteren heimlichen Aufnahmen krude Zeichnungen beiliegen. Alsbald misstrauen die Laurents allen, denen sie begegnen – und sich untereinander...
Ein düsterer Sog aus Überwachung und Schuldgefühlen
Obwohl die Videos, die den Laurents gesendet werden, keinerlei kompromittierendes Material enthalten, haben sie eine deutliche Wirkung auf Georges. Doch so minutiös Haneke einzelne Stationen der so in Gang gesetzten Handlung skizziert: An anderer Stelle setzt er auf klaffende Leerstellen, durch die sich schmerzliche Fragen stellen.
Der bloße Umstand, dass man durch immer leichter verfügbare, immer einfacher zu handhabende Kameras jederzeit unwissentlich aufgenommen werden kann, wird viele Gemüter einschüchtern. Wie auch in realen Diskussionen bezüglich der Überwachungsdebatte wird allerdings auch mit Blick auf „Caché“ die Gegenseite die Frage stellen: „Wenn man nichts zu verbergen hat, weshalb sollte man ein Problem damit haben, beobachtet zu werden?“
Haneke gelingt es, selbst nüchterne Einstellungen so lang und beharrlich auszukosten, dass sie unbehaglich werden und in diesem Psychothriller ein deutliches Statement gegen allgegenwärtige Überwachung erkennen lassen. Aber so einfach lässt sich die von dieser Handlung, typisch Haneke, ausgehende Beklemmung nicht abschütteln: Durch Georges stetes, schlechtes Gewissen und eine Vielzahl an diffusen Theorien, wer die Pakete versendet, wird „Caché“ sukzessive zur Analyse kollektiver und individueller Schuldgefühle, der Fehlbarkeit der Erinnerung und der Unvermeidbarkeit, mit der vergangene Sünden zu harschen Konsequenzen führen.
Mitleid mit den zentralen Figuren lässt sich in „Caché“ daher bloß sporadisch aufbringen – was diesen Thriller umso beklemmender macht, da er gleichzeitig die Folgen mangelnder Einfühlsamkeit aufzeigt. Und wenn ihr euch von Haneke mit einer weiteren, raffiniert eingefädelten Abfolge unglücklicher Ereignisse die Laune verderben lassen möchtet – dann befolgt auch diesen Streaming-Tipp:
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