Ein Oscar für Alien Rocky? Darum könnte "Der Astronaut – Project Hail Mary" Filmgeschichte schreiben
Annemarie Havran
Annemarie Havran
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Dystopien wie in „Fahrenheit 451“, Mysterien wie in „Inception“, Sci-Fi und fremde Welten wie in „Dune“: Spannende Realitätsfluchten faszinieren Annemarie.

Was macht einen Schauspieler aus? Ist es nur sein Körper? Oder eben alles, was er mit diesem Körper tut, egal ob nun auf der Leinwand direkt sichtbar oder nicht? Puppenspieler und Synchronsprecher James Ortiz könnte für einen Oscar nominiert werden.

Das Weltraum-Abenteuer „Der Astronaut – Project Hail Mary“ mit Ryan Gosling sorgt nicht nur für Spannung im Kino, sondern auch in der Filmbranche. Denn während dem gefeierten Sci-Fi-Spektakel, das derzeit an den weltweiten Kinokassen auf Einnahmen von 600 Millionen US-Dollar zusteuert, immer mehr Chancen in der kommenden Filmpreis-Saison zugesprochen werden, macht jetzt ein Artikel des Magazins Variety besonders neugierig: Amazon MGM plane, die Leistung von James Ortiz für eine Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller vorzuschlagen.

Und das ist eher ungewöhnlich. Denn: James Ortiz’ Gesicht bekommen wir in „Der Astronaut – Project Hail Mary“ gar nicht zu sehen, zumindest nicht in der Rolle, für die er nun für einen Oscar nominiert werden könnte (Ortiz hat am Anfang des Films einen kurzen, nicht gelisteten Cameo-Auftritt). In erster Linie hören wir aber seine Stimme und sehen das Werk seiner Hände: Ortiz ist der Puppenspieler hinter und die Stimme von Alien-Rocky, dem steinartigen Krabben-Wesen, das mit Dr. Ryland Grace (Gosling) eine außergewöhnliche und berührende Freundschaft schließt.

James Ortiz ist für einen Schauspiel-Oscar nominierungsberechtigt

Variety hat exklusiv erfahren, dass Ortiz’ Leistung gemäß den aktuellen Regeln für eine Oscar-Nominierung in den Schauspielkategorien infrage kommt. Damit stünde einem Vorschlag von James Ortiz für eine Nominierung in der Kategorie Bester Nebendarsteller nichts mehr im Wege – sollte eine Nominierung erfolgen, würde alleine das schon Filmgeschichte schreiben, sollte er den Preis dann auch noch bekommen, wäre das sogar ein regelrechtes Erdbeben in der Branche.

Denn bisher wurde noch nie eine Stimm-Darbietung, eine Motion-Capture-Performance (wie zum Beispiel Andy Serkis als Gollum in „Der Herr der Ringe“) oder eine andere Form der hybriden Darstellung einer Figur von der Academy in einer Schauspiel-Kategorie berücksichtigt.

Rocky in Amazon MGM
Rocky in "Der Astronaut"

Doch wie sieht es mit Ortiz’ Chancen für einen Nominierungs-Vorschlag bei anderen wichtigen Filmpreisen aus? Variety berichtet, dass die Arbeit von Ortiz zum Beispiel für die Actor Awards zugelassen wäre, da Puppenspieler unter die Zuständigkeit der Schauspiel-Gewerkschaft SAG-AFTRA fallen, was die Organisation seinen Vertretern bestätigt hat.

Eddie Murphy hat es bei den BAFTAs vorgemacht

Unter den derzeitigen Regeln der Golden Globes wiederum würde Ortiz’ Leistung nicht als nominierungsberechtigt gelten. Bei den BAFTAs wäre er wählbar – und dies ist der einzige Preis dieser Größenordnung, bei der es schon mal eine ähnlich nicht-traditionelle Nominierung gab: Eddie Murphy war für seine Sprechrolle in „Shrek“ von 2001 als Bester Nebendarsteller nominiert.

Dass Ortiz’ ins Gespräch für Nominierungen in der Schauspiel-Kategorie gebracht wird, befeuert eine lang anhaltende Debatte in Hollywood, ob es in der Ära der zunehmenden Vermischung von „handgemachtem“ und digitalen Filmemachen nicht an der Zeit wäre, die Definition von Schauspielerei bzw. Darstellerleistung zu überdenken und die entsprechenden Kategorien dementsprechend anzupassen.

James Cameron und die "Avatar"-Debatte

Zuletzt sprach sich unter anderem James Cameron dafür aus, dass die Performance-Capture-Arbeit der Stars seiner „Avatar“-Filme, insbesondere die von Neytiri-Darstellerin Zoe Saldaña, als vollwertige Schauspielerei anerkannt werden solle. Es ergebe für ihn „keinen Sinn“, dass Saldaña bei den Academy Awards nicht berücksichtigt wurde.

Übrigens geht man in der Branche davon aus, dass Amazon MGM auch darauf schielen dürfte, „Der Astronaut“ für Nominierungen in den Kategorien Bester Film und Beste Regie vorzuschlagen sowie natürlich in diversen technischen Kategorien. Wer sich selbst ein Bild davon machen will, wie gelungen das Sci-Fi-Spektakel ist, kann das aktuell im Kino tun. Ins Streaming-Abo von Amazon Prime Video kommt „Der Astronaut - Project Hail Mary“ allerdings nicht so schnell. Warum das so ist, erfahrt ihr in diesem Artikel:

Wann erscheint "Der Astronaut" bei Amazon Prime Video? Darum kommt "Project Hail Mary" nicht so bald ins Streaming-Abo!

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