Es muss ja nicht immer der große Filmknaller sein: Manchmal ruft das cineastische Herz nach gut gemachter Wohlfühlunterhaltung, die sich wie eine gute, kuschelige Wolldecke anfühlt – ohne dabei allzu grellen Kitsch im Schlepptau zu haben. Ein prominent besetzter, wahrlich reizender Vertreter dieser Filmgattung hat jetzt endlich in HD-Qualität seinen Weg ins deutsche Heimkino gefunden:
Diese Woche hat die Halunkenkomödie „Ein reizender Fratz“ mit Julie Andrews, Tony Curtis und Walter Matthau ihre deutsche Blu-ray-Premiere gefeiert!
Darum geht es in "Ein reizender Fratz"
Die USA in den 1930er-Jahren: Sorrowful Jones (Walter Matthau) ist ein mürrischer, einzelgängerischer Buchmacher. Doch eines Tages krempelt einer seiner spielsüchtigen Stammkunden Jones' Leben um: Zum Ausgleich für seine zehn Dollar hohen Schulden lässt Carter (Andrew Rubin) kurzerhand seine sechsjährige Tochter (Sara Stimson) als Pfand zurück! Zwar verspricht Carter, rasch zurückkehren, doch tragischerweise wird die Kleine kurz danach zur Waise.
Das macht vor allem Jones' neurotischen Assistenten Regret (Bob Newhart) nervös: Er fürchtet, dass sich das Wettbüro versehentlich der Kindsentführung schuldig gemacht hat! Widerwillig sieht sich Jones in der Verantwortung, dem erstaunlich aufgeweckten Kind als Ersatzvater zu dienen, bis ihm und seinen Leuten eine bessere Lösung in den Sinn kommt. Unterstützung erhält er von der gleichermaßen gutherzigen wie gewieften Witwe Amanda Worthington (Julie Andrews), während der erbarmungslose Gangster Blackie (Tony Curtis) dieser Patchwork-Familie das Leben zur Hölle macht...
Glücksspiel, Pferderennen und ein Brummbär
Ein cleveres Kind, eine von Pferderennen besessene, charmante Witwe mit Stil und ein im Halbschatten des Gesetzes agierender Brummbär, der mit nachlassender Härte sein Herz aus Gold zu verdecken versucht: „Ein reizender Fratz“ ist genau die Art von Film, die man sich nach einer schlauchenden Woche als filmisches Bonbon am Sonntagnachmittag gönnt. Zumal in diesem Fall die gefällig-nostalgischen Kostüme und Kulissen im auf Komfort gebürsteten 30er-Jahre-Stil den Karamellbonbonfernsehwerbungfaktor in die Höhe schnellen lassen.
So sehr dies auch droht, übermäßig süßlich und sentimental zu werden, kriegt „Ein reizender Fratz“ jedoch die Kurve: Regisseur und Autor Walter Bernstein, der unter anderem das Skript zu „Die glorreichen Sieben“ verantwortete und hiermit seine einzige Kino-Regiearbeit absolvierte, setzt Matthaus patentiere Knurrhahn-Persona mit versierter Hand ein und dosiert die „Goldiges, kleines Kind“-Komik behutsam.
Jones' Sinneswandel wird plausibel skizziert und der Pferderennen-Subplot gibt „Mary Poppins“-Star Andrews genügend Raum, um ihre Figur vom Klischee der rein fürsorglichen, vernünftigen Frau unter kindsköpfigen Männern abzuheben. Außerdem gibt Curtis einen köstlich übertreibenden Fiesling ab!
Für Curtis war „Ein reizender Fratz“ übrigens die bereits zweite Verfilmung dieses Stoffes. Denn die dieser Komödie als Vorlage dienende Kurzgeschichte des Schriftstellers Damon Runyon war auch die Inspirationsquelle zum Ganovenspaß „Ein Rucksack voller Ärger“, in dem Curtis die männliche Hauptrolle übernahm:
In „Ein Rucksack voller Ärger“ von 1963 wurde die Geschichte in die damalige Gegenwart verlegt und dreht sich um einen von Curtis gespielten Casinomanager, der sich zähneknirschend um ein junges Mädchen kümmern muss. Der Film ging in die Kinogeschichte ein, weil eine ausführliche Verfolgungsjagdsequenz im Disneyland gedreht wurde, obwohl es Non-Disney-Produktionen normalerweise nicht als Drehort zur Verfügung steht!
Damon Runyon verfasste übrigens nicht nur die Vorlage für „Ein Rucksack voller Ärger“ und „Ein reizender Fratz“, sondern auch weitere Geschichten, die sich aus ungewöhnlicher, leichtfüßiger Perspektive dem Gangstermilieu nähern. Eine davon soll bald ins Kino kommen – möglicherweise mit „Dune“-Star Zendaya in tragender Rolle:
Nach dem zweitbesten Film 2024 und Nolan-Epos: Macht Zendaya bei diesem lang erwarteten Gangsterfilm-Remake mit?*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.