Als Disneys „Schneewittchen“-Remake jüngst an den Kinokassen abschmierte, war Netflix-Boss Ted Sarandos direkt zur Stelle, um das Leinwand-Erlebnis zu beerdigen: „Was sagt uns das? Was will der Verbraucher uns damit mitteilen? Dass er Filme lieber zu Hause schauen möchte – danke schön“, erklärte er das Kino aufgrund des Flops für tot. Nur wenige Wochen später wurde auf ziemlich eindrucksvolle Weise das Gegenteil bewiesen – ausgerechnet durch einen anderen Disneyfilm.
Denn „Lilo & Stitch“ ist der Hollywood-Kino-Erfolg des Jahres 2025. Mit Einnahmen von bald über 700 Millionen Dollar ist es schon jetzt der zweiterfolgreichste US-Film des Jahres, und bei optimalem Verlauf halten einige Experten ein Endergebnis von einer Milliarde Dollar für möglich. Realistischer scheint momentan aber eine Marke von 950 Millionen Dollar, womit man ungefähr beim Endergebnis des bislang erfolgreichsten US-Film „Ein Minecraft Film“ (948 Millionen Dollar) landen würde. In den weltweiten Charts liegt davor noch „Ne Zha 2“, der seine sensationellen 1,9 Milliarden Dollar aber fast komplett in China einnahm.
"Lilo & Stitch" zeigt die Lust aufs Kino!
„Lilo & Stitch“ beweist, dass das Kino alles andere als tot ist. Das Publikum hat weiterhin Lust, Filme auf der großen Leinwand zu sehen und nicht aufs Streaming zu warten. Das Ergebnis ist so auch ein deutlicher Stinkefinger gen Netflix und die Aussagen von Ted Sarandos.
Vor allem ist das Ergebnis aber bemerkenswert. Denn unabhängig davon, ob „Ein Minecraft Film“ überboten wird, gilt „Lilo & Stitch“ auch aus anderen Gründen als die beeindruckendste Kino-Erfolgsgeschichte Nr. 1 des Jahres in Hollywood.
Für die Erfolgszahlen von "Lilo & Stitch" braucht's sonst mehr Geld
Denn entstanden ist „Lilo & Stitch“ mit einem für einen solchen Titel eher moderaten Budget von 100 Millionen Dollar. Eigentlich war das Realfilm-Remake nämlich nur für Streamingdienst Disney+ geplant. Erst im Laufe der Produktion erkannte man das Kino-Potenzial.
Dass es hier nun zum Milliarden-Hit werden könnte, ist außergewöhnlich für einen so „günstigen Film“. Denn normalerweise muss man viel mehr investieren, um in solche Einnahme-Regionen vordringen zu können. „Ein Minecraft Film“ kostete zum Beispiel 150 Millionen Dollar.
Filme, die mit ähnlich überschaubarem Budget vergleichbare Erfolge einfuhren, sind so auch äußerst rar. 950 Millionen Dollar erreichten in der gesamten Geschichte sogar nur drei Filme mit einem Budget von höchstens 100 Mio. Dollar: „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ (962 Millionen Dollar bei einem Budget von 90 Millionen Dollar), „Oppenheimer“ (975 Millionen Dollar bei einem Budget von 100 Millionen Dollar) und die absolute Ausnahme „Joker“ (1,08 Milliarden Dollar bei einem Budget von 55 Millionen Dollar).
Ausnahme "Lilo & Stitch": Nur Disney kassiert!
„Lilo & Stitch“ unterscheidet sich aber in einer Hinsicht von diesen drei Titeln, wie die New York Times ausführt. Laut der Zeitung wurden die übrigen drei Filme auf eine Weise auf den Weg gebracht, die den Profit des Studios merklich reduzierte. Christopher Nolan und Dwayne Johnson bekamen bei „Oppenheimer“ bzw. „Jumanji: Willkommen im Dschungel“ eine direkte Beteiligung an den Kino-Einnahmen. Bei „Joker“ holte Studio Warner, um sich das Risiko zu teilen, mit Village Roadshow noch einen externen Partner an Bord – und musste beim Überraschungserfolg dann auch was vom Erlös abgeben.
Bei „Lilo & Stitch“ gibt es das nun nicht. Alle Einnahmen landen laut der New York Times direkt bei Disney. Es gebe weder Boni-Vereinbarungen mit den Filmschaffenden noch externe Finanziers, die auszuzahlen sind.
Dazu darf sich Disney noch über Merchandise-Einnahmen freuen. Analysten schätzen laut der Times, dass das Maushaus mit „Lilo & Stitch“-Kuscheltieren, Kissen und Co. künftig 400 Millionen Dollar pro Jahr verdienen wird. Dazu kommen noch die ganzen Heimkino-Einnahmen bis hin zu den nicht einfach direkt dem Film zurechenbaren Disney-Plus-Abo-Abschlüssen, die vielleicht gemacht werden, um den Film dann doch auch (Grüße an Ted Sarandos) mal zu streamen.
"Lilo & Stitch 2" ist nur eine Frage der Zeit.
„Disney hat hier alles richtig gemacht“, erklärt so Kevin Goetz, Geschäftsführer des Filmmarktforschungsunternehmens Screen Engine/ASI, gegenüber der New York Times. „Sie haben einen Film gemacht, den die Leute lieben. Sie haben ihn zum richtigen Preis produziert. Sie haben ein perfektes Startdatum gewählt. Das Marketing, die Pressearbeit und die Social-Media-Kampagnen – ich könnte ewig so weitermachen“, ist der Experte offensichtlich beeindruckt.
Es gilt daher als offenes Geheimnis, dass „Lilo & Stitch 2“ kommen wird. Disney-Entertainment-Co-Chef Alan Bergman machte wenig überraschend gegenüber dem Wall Street Journal auch schon deutlich, dass entsprechende Überlegungen bereits im Gange sind: „Es ist genau die Art von Stoff, die sich für mehr anbietet.“ Es ist also wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit, bis uns eine entsprechende Ankündigung erreicht.
Eine interessante Geschichte zum Disney-Film bekommt ihr im folgenden Artikel:
Schon gewusst? So hängt "Lilo & Stitch" mit einem Kultfilm von Quentin Tarantino zusammen!