Kinotipp der Woche: Ein Meisterwerk so leichtfüßig und feinfühlig, dass man den Sommer in den Bildern regelrecht zu schmecken meint!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

Christian Petzold („Phoenix“) zählt seit Jahrzehnten zu den international am lautesten gefeierten Regisseuren. Trotzdem war er in diesem Jahr zum ersten Mal beim Filmfestival in Cannes vertreten – mit einem weiteren Meisterwerk!

Für unsere Initiative „Deutsches Kino ist (doch) geil!“ wählen wir jeden Monat einen deutschen Film, der uns ganz besonders gut gefallen, inspiriert oder fasziniert hat, um den Kinostart – unabhängig von seiner Größe – redaktionell wie einen Blockbuster zu begleiten. In diesem Monat ist die Wahl auf „Miroirs No. 3“ (Kinostart: 18. September) gefallen.

Nach dem doppelbödigen „Roter Himmel“ liefert Christian Petzold direkt den nächsten Film, der überwiegend nur in einem einzelnen ländlichen Sommerhaus angesiedelt ist. Aber diesmal geht es nicht darum, etwas oder jemanden zu entlarven und von seinem hohen Ross zu stoßen. Stattdessen lässt sich Petzold zu einer (fast schon märchenhaften) Utopie hinreißen:

Miroirs No. 3
Miroirs No. 3
Starttermin 18. September 2025 | 1 Std. 26 Min.
Von Christian Petzold
Mit Paula Beer, Barbara Auer, Matthias Brandt
User-Wertung
3,2
Filmstarts
4,5

Wir waren bei der Weltpremiere beim Filmfestival in Cannes selbst mit im Saal – und es wurde tatsächlich eine Menge gelacht! Aber was fast noch wichtiger ist: Vor allem sind wir unglaublich glücklich aus dem Kino gekommen, denn „Miroirs No. 3“ ist auf angenehm unaufdringliche Weise hoffnungsvoll. Der Film lädt zum Träumen ein, dass eine solche unwahrscheinliche Wahlfamilien-Utopie tatsächlich möglich sein könnte – zumal sich auch die Musik zunehmend immer verwunschener anhört.

So lautet das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik (4,5 von 5 Sterne): „Trotz der Katastrophe zum Auftakt derart leichtfüßig und feinfühlig, dass man den Sommer in den Bildern regelrecht zu schmecken meint.“

Darum geht’s in "Miroirs No. 3"

Ein Wochenende zu viert, ein rotes Cabrio, die sommerliche Landstraße – und Laura (Paula Beer) mittendrin, aber irgendwie nicht bei sich. Von Beginn an wirkt sie entrückt, abwesend, und auch der Blickaustausch mit einer fremden Frau am Straßenrand – Betty (Barbara Auer), die einen Gartenzaun streicht – geht ihr nicht aus dem Kopf. Kaum angekommen am Ziel, hält sie es nicht mehr aus. Sie will zurück nach Berlin. Ihr Freund fährt sie, widerwillig und spürbar verärgert, zum nächsten Bahnhof.

Doch bis dorthin kommen sie nicht. Ein Knall, das Schnattern von Gänsen – der Wagen liegt verkehrt im Feld, der Freund tödlich verletzt. Laura überlebt wie durch ein Wunder, nur leicht verletzt, hinausgeschleudert aus dem Auto – direkt in Sichtweite des halbfertig gestrichenen Gartenzauns. Der Notfallsanitäter sieht keinen Grund für einen Krankenhausaufenthalt. Und so bleibt Laura einfach dort. Betty kümmert sich um sie. Still, fürsorglich, beinahe selbstverständlich…

Christian Petzold bei uns im Podcast

Nur wenige Tage nach seiner Rückkehr aus Cannes hat Christian Petzold direkt bei uns in der Berliner FILMSTARTS-Redaktion vorbeigeschaut – schließlich hatte er eine Menge davon zu erzählen, wie sich so eine Cannes-Weltpremiere aus der Perspektive eines Filmemachers anfühlt.

Christian Petzold in der Mitte von Autor Kamil Moll (rechts) und Chefredakteur Christoph Petersen bei der Podcast-Aufnahme in der FILMSTARTS-Redaktion. Webedia
Christian Petzold in der Mitte von Autor Kamil Moll (rechts) und Chefredakteur Christoph Petersen bei der Podcast-Aufnahme in der FILMSTARTS-Redaktion.

Wir können euch nur empfehlen, bei dieser Folge unseres Podcasts Leinwandliebe reinzuhören. Es ist spürbar ein Gespräch unter Leuten, die das Kino lieben – und in dieser Hinsicht hoffentlich auch ein Stück weit ansteckend. Christian Petzold verrät uns nämlich nicht nur, dass er das bereits abgedrehte Ende des Films noch einmal komplett umgebaut hat – es geht auch darum, wie schwierig es heutzutage ist, jemanden zu finden, der glaubhaft vor der Kamera rauchen kann:

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