Neu im Heimkino: Kriegsfilm mit Western-Legende John Wayne feiert Blu-ray-Premiere – basierend auf wahren Ereignissen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Eine deutsche Frachterbesatzung, angeführt von einem erklärten Gegner des Nazi-Regimes, wird vom Zweiten Weltkrieg überrascht: „Der Seefuchs“ mit John Wayne ist erstmals im hiesigen Heimkino auf Blu-ray erschienen.

Zwar ist Leinwandlegende John Wayne eng mit Western verbunden, doch er agierte keinesfalls exklusiv in diesem Genre. So trat er wiederholt in Kriegsfilmen auf, darunter im aufgrund seines propagandistischen Tonfalls vielfach kritisierten „Die grünen Teufel“ sowie im ambitionierten Epos „Der längste Tag“.

Ein weniger bekannter Kriegsfilm mit John Wayne in der Hauptrolle erhielt nun ein Heimkino-Upgrade: Diese Woche ist der auf wahren Ereignissen basierende, nautische Kriegsfilm „Der Seefuchs“ erstmals im deutschen Heimkino auf Blu-ray erschienen.

Bei der Blu-ray-Premiere von „Der Seefuchs“ handelt es sich um ein in limitierter Stückzahl produziertes Mediabook, das den Kriegsfilm zusätzlich auf DVD enthält. Darüber hinaus umfasst das Mediabook ein 28-seitiges Booklet.

Darum geht es in "Der Seefuchs"

Der deutsche Marineoffizier Karl Ehrlich (John Wayne) befindet sich in einem Dilemma: So sehr er sein Heimatland liebt, so sehr verachtet er Hitler. Und der Gedanke, Ehrlich könnte auf einem unbedeutenden Frachter dieser Zwickmühle entgehen, stellt sich als Irrglaube heraus: Während Ehrlichs Schiff in Sydney vor Anker liegt, bricht der Zweite Weltkrieg aus.

Nun steht er vor der Wahl: Entweder lässt er zu, dass er und seine Mannschaft vom Feind interniert werden, oder er beginnt die Flucht nach Deutschland, um seinen Männern die Möglichkeit zu geben, in der Heimat über ihr weiteres Schicksal zu entscheiden. Ehrlich entscheidet sich für die Flucht – und sofort nehmen die Royal Navy und sowie die Royal Australian Navy Verfolgung auf...

Lose adaptiert von einem Roman, der durch wahre Geschichte inspiriert wurde

Die Drehbuchautoren James Warner Bellah (der unter anderem den Western-Meilenstein „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ verfasst hat) und John Twist (zu dessen Arbeiten das von John Wayne verhasste Romantikabenteuer „Tycoon“ zählt) orientierten sich bei „Der Seefuchs“ an einem Roman des Schriftstellers Andrew Geer. Der wiederum verarbeitete in seinem Roman die wahre Geschichte des deutschen Frachtturbinenschiffs Erlangen.

Da „Der Seefuchs“ die Adaption einer Adaption einer wahren Geschichte darstellt, müssen sich Filmfans, die penibel auf historische Genauigkeit achten, auf allerlei künstlerische Freiheit gefasst machen. So wurde die Besatzung der Erlangen vom Ausbruch des Zweiten Weltkriegs überrascht, während sie sich in Neuseeland befand – nicht etwa in Australien.

Und während das Finale von „Der Seeteufel“ nahe Norwegen spielt, endete die Geschichte der Erlangen in uruguayischen Gewässern. Und nicht nur der Start- und Endpunkt des Stoffs wurde für den Kinofilm überarbeitet: Im Kinofilm wird im Vergleich zur Romanvorlage das Persönlichkeitsprofil der zwei wichtigsten Personalien vertauscht! Im Buch wird nämlich der letztlich von John Wayne heroisch gespielte Ehrlich als Schurke skizziert, während sein Erster Offizier Körner (verkörpert durch „Die größte Schau der Welt“-Star Lyle Bettger) im Roman der wahre Held ist, im Film aber über Leichen geht.

Nebendarstellerin Lana Turner stiehlt mit ihrer Garderobe die Schau

Der auch für „Ein Satansweib“ bekannte Regisseur John Farrow war bei „Der Seefuchs“ eh mehr am unterhaltsamen Schein interessiert als an einer authentischen Kriegsgeschichte. So inszenierte er die eine deutsche Spionin spielende Nebendarstellerin Lana Turner konstant atemberaubend, gewieft-verrucht und schillernd – auch dank einer ständig wechselnden Garderobe, die unmöglich in ihre zuvor etablierte, winzige Gepäcktasche gepasst haben kann.

Zu größerer Popularität hat das dem Film nicht verholfen: In Kritiken wird er zumeist als eher langatmig und mit klischeehaften Figuren bestückt gescholten. Genrebegeisterte, John-Wayne-Fans und Filmbegeisterte mit einer Schwäche für Lana Turner, die sich dank ihres Talents sukzessive vom oberflächlich in Szene gesetzten Pin-Up-Girl zur Charakterdarstellerin wandelte, bekommen aber immerhin detailreiche CinemaScope-Bilder geboten. Die stammen sogar von John Waynes Lieblingskameramann William H. Clothier!

Falls ihr brillante, malerische CinemaScope-Bilder und Lana Turner in Aktion sehen wollt, haben wir übrigens einen angeseheneren Heimkino-Tipp für euch. Der ist eine kleine Genre-Wundertüte und erhält sogar eine 4K-Auswertung:

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