"Er ist zu versaut": John Wayne weigerte sich, in diesem abgefahrenen Western mitzuspielen
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

Es war der größte Hit des Kinojahres 1974 und gilt heute noch als Paradebeispiel für eine ebenso urkomisch-einfallsreiche wie bissige Westernkomödie: „Blazing Saddles“ ist ein humorvoller Klassiker – doch John Wayne weigerte sich, mitzuspielen.

Im deutschsprachigen Raum firmiert er unter den Titeln „Der wilde wilde Westen“ und „Is' was, Sheriff?“ sowie unter seinem US-Originaltitel „Blazing Saddles“. Doch ganz gleich, unter welchem Titel man ihn kennt: Wer sich Mel Brooks' Westernspaß anschaut, stürzt sich mittenrein in einen abgefahrenen Genre-Meilenstein!

Denn mit seiner gewinnenden Mischung aus alberner Genre-Persiflage, passionierter Liebeserklärung an die Stärken des Western-Kinos sowie kompromissloser Satire auf Rassismus stieg „Blazing Saddles“ zum Megahit und zeitlos gefeierten Klassiker auf. Falls ihr „Blazing Saddles“ nachholen oder euch wieder einmal an seiner Kreativität ergötzen möchtet, könnt ihr ihn ganz einfach via Amazon Prime Video als VoD beziehen:

Die parodistisch-satirische Westernkomödie wurde unter anderem mit drei Oscar-Nominierungen und zwei BAFTA-Nominierungen bedacht. Zudem landete sie im vom American Film Institute beschlossenen Ranking der 100 besten US-Komödien der Kinogeschichte auf Rang sechs. Und laut The Numbers ist „Blazing Saddles“ der größte Kassenschlager aus dem Kinojahrgang 1974 – dem Jahr, in dem auch „Der Pate II“ für Furore sorgte!

An diesem Ausnahmeerfolg hätte sich eine Western-Ikone beteiligen können: John Wayne wurde eine Rolle in „Blazing Saddles“ angeboten. Doch der „Rio Bravo“-Star lehnte ab...

"Blazing Saddles": Großer Rummel in Rock Ridge

Vizegouverneur Hedley Lamarr (Harvey Korman) will eine lukrative Eisenbahnlinie errichten und plant daher, die Bevölkerung des beschaulichen Western-Dorfes Rock Ridge zu vertreiben. Um die Weichen für dieses hinterlistige Vorhaben zu stellen, heuert er eine Gruppe von Outlaws an, um die Bewohnerinnen und Bewohner von Rock Ridge zu drangsalieren!

Um seinen Plan weiter zu befeuern, heuert Lamarr den vermeintlich unfähigen Arbeiter Bart (Cleavon Little) als neuen Sheriff an. Der wird vom Volk aufgrund seiner Hautfarbe mit Verachtung gestraft, allerdings verfügt er über gewaltiges Helden-Potenzial. Zusammen mit seinem einzigen Befürworter, dem versoffenen Revolverhelden Jim (Gene Wilder), ermutigt er allen Widerständen zum Trotz das Völkchen von Rock Ridge dazu, sich seinem vermeintlich unvermeidlichen Schicksal zu erwehren…

Die hervorragende Chemie zwischen Wilder und Little gehört zu den beliebtesten Aspekten des Films. Doch dieses eingespielte, charismatische Duo kam eher zufällig zustande: Ursprünglich hatte Regisseur Mel Brooks zwei andere Stars im Sinn. Littles Rolle sollte an den damals berühmt-berüchtigten Stand-Up-Komiker und Schauspieler Richard Pryor gehen. Allerdings stieß Brooks' Besetzungswunsch beim Studio auf heftigen Widerstand, da Proyr den Verantwortlichen aufgrund seiner Drogenvergangenheit zu oft in den Negativschlagzeilen stand.

Brooks' erste Wahl für die Rolle des Revolverhelden Jim war unterdessen John Wayne, womit dem Filmemacher ein echter Coup gelungen wäre: Den „Der Marshal“-Star erfolgreich in solch eine bunte, wilde und abgefahrene Western-Parodie zu packen, wäre vergleichbar damit, wäre es Michael „Bully“ Herbig gelungen, „Winnetou“-Darsteller Pierre Brice für „Der Schuh des Manitu“ zu gewinnen.

"Ich habe es gelesen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich echt laut gelacht habe"

Dem Satiriker gelang es zwar nicht, John Wayne in „Blazing Saddles“ zu besetzen. Doch zu Brooks' Glück verlief seine Begegnung mit dem Western-Star wesentlich angenehmer als Jahrzehnte später das Aufeinandertreffen zwischen Herbig und Brice:

Während Brice auf dem „Wetten, dass..?“-Sofa die Westernparodie „Der Schuh des Manitu“ eiskalt abkanzelte, lief es zwischen Brooks und Wayne harmonisch. Das verriet der „Frühling für Hitler“-Macher in der John-Wayne-Biografie „John Wayne: The Life And Legend“ des Autoren Scott Eyman.

Brooks' Nacherzählung zufolge begegneten sich die höchst unterschiedlichen Kinogrößen in der Kantine der Warner-Studios und waren prompt warm miteinander: „Er wusste, wer ich bin. Er hatte ,Frühling für Hitler' gesehen – und geliebt! Bevor er also Gelegenheit hatte, seine Meinung zu ändern, habe ich ihm das Drehuch auf den Tisch geknallt.“ Am nächsten Tag seien sie sich erneut begegnet, und Wayne habe Brooks Komplimente gemacht: „Ich habe es gelesen und ich habe mich dabei ertappt, wie ich echt laut gelacht habe.“

Dennoch erteilte Wayne dem Filmemacher eine Absage, weil der Film nicht mit seinem Image vereinbar sei: „Er ist zu versaut und ungehobelt. Ich könnte niemals in einem Film auftauchen, in dem das N-Wort benutzt wird, oder in dem so schmuddelige Dialoge fallen. Es tut mir leid, aber ich kann in deinem Film nicht mitmachen. Doch ich verspreche dir: Ich werde mich als allererster anstellen, um ihn zu sehen.“

Hätte Wayne sehr wohl für „Blazing Saddles“ zugesagt, wäre es einer seiner letzten Filme geworden: 1974 entließ er stattdessen den Selbstjustiz-Thriller „McQ schlägt zu“ ins Kino, 1975 folgten der Krimi „Brannigan – Ein Mann aus Stahl“ und die „Der Marshal“-Fortsetzung „Mit Dynamit und frommen Sprüchen“, bevor 1976 sein finaler Film anlief – der passend betitelte Western „Der letzte Scharfschütze“.

Wusstet ihr eigentlich, dass John Waynes größter Hit kein Western ist? Stattdessen brachte er die Kinokassen intensiv mit einem seiner Ausflüge in ein anderes Genre zum Klingeln:

Der größte Kino-Hit von John Wayne war gar kein Western – sondern ein starbesetztes Kriegsfilm-Epos!

Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.

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