Einer der besten Horrorfilme aller Zeiten kehrt zurück ins Heimkino: Verstörend, extrem stylisch – und in 4K!
Sidney Schering
Sidney Schering
-Freier Autor und Kritiker
Er findet Streaming zwar praktisch, eine echte Sammlung kann es für ihn aber nicht ersetzen: Was im eigenen Regal steht, ist sicher vor Internet-Blackouts, auslaufenden Lizenzverträgen und nachträglichen Schnitten.

Pünktlich zur Halloween-Saison erhält einer der besten Horrorfilme der Kinogeschichte eine 4K-Neuauflage im Heimkino: Gore Verbinskis „Ring“ ist ein stylischer Schrecken, der unter die Haut geht!

Bevor er sich hinters Steuerrad der „Fluch der Karibik“-Saga klemmte, gelang dem früheren Punk-Rocker und Werbefilmer Gore Verbinski ein weiteres Filmwunder: 2002 inszenierte er mit „Ring“ einen der raren Fälle, in denen das US-Remake eines gefeierten, japanischen Horrorfilms seine Vorlage überflügelt!

Der soghafte Mix aus Urbane-Legenden-Horror und Journalismus-Psychothriller generierte knapp eine Viertelmilliarde Dollar an den Kinokassen und wurde zum Heimkino-Dauerrenner. Mehrere Szenen brannten sich ins kulturelle Gedächtnis ein und die wabernd-angespannte Musik von Hans Zimmer geht immer noch unter die Haut! Am 9. Oktober 2025 kommt Gore Verbinskis „Ring“ nun in 4K ins Heimkino zurück:

Die 4K-Edition in Standard-Verpackung erscheint rund ein Jahr, nachdem „Ring“ seine deutsche UHD-Erstveröffentlichung in einem streng limitierten, schnell ausverkauften Steelbook* gefeiert hat. Bonusmaterial gibt es auf der Scheibe leider nicht.

Darum geht es in "Ring"

Es geht eine Legende um: Angeblich existiert eine Videokassette, deren mysteriöser Inhalt nicht das Verstörendste ist, das von ihr ausgeht. Denn wer sich diese VHS anschaut, erhält einen Anruf, der korrekt ankündigt, dass man in sieben Tagen sterben wird!

Journalistin Rachel Keller (Naomi Watts) recherchiert, was es damit auf sich hat. Sie spürt das Band auf und schaut es sich an – doch auch ihr Sohn Aidan (David Dorfman) erblickt die verfluchten Aufnahmen! Nun muss Rachel das Geheimnis hinter dem Video lüften, bevor es zu spät ist...

Präzise, abstrus, gelackt und klamm: Eine Filmwelt, die aus den Fugen gerät

Stechende Augen hinter ranzigen, langen Haaren. Bis ins Mark gehendes, elektrostatisches Rauschen. Ein Strand, übersät mit Pferdekadavern. Ein flammend-roter Baum vor eiskalt-türkisfarbenem Himmel: In seinem ersten Horrorfilm vereint Verbinski die widersprüchlichen Geister seiner Berufsvergangenheit mit beunruhigender Präzision!

„Ring“ ist durchzogen von harschen, beklemmenden Bildern, die in ihrer intensiven, eindringlichen Ikonografie wie geschaffen sind für Punk-Musikvideos. In ihrer akkurat eingefädelten Bildästhetik zeugen sie zugleich von der hochkonzentrierten Professionalität eines ausgefuchsten Werbefilmers, der in kürzester Zeit tief ins Unterbewusstsein sein Publikums einzudringen hat.

Diese nahtlose Vereinigung paradoxer Prinzipien zeigt auf, weshalb Verbinski geschaffen ist fürs Horrorgenre (und für kostspielige Blockbuster über ungehobelte Piraten, die sich gegen Mächtige auflehnen): Er lässt gestalterische Stile zusammenwachsen, die (vermeintlich) unvereinbar sind! Dass „Ring“ gleichzeitig präzise-gelackt und rostig, feucht sowie ranzig wirkt, ist einer der vielen Gründe, weshalb dieser Film eine verstörende Atmosphäre entwickelt – und im offiziellen FILMSTARTS-Ranking der besten Horrorfilme aller Zeiten vorkommt!

Die besten Horrorfilme aller Zeiten

Die ungeheuerlichen, stylischen Bilder des Kameramanns Bojan Bazelli werden durch ein raffiniertes Drehbuch gestärkt: Ehren Kruger erdet das Geschehen emotional durch die nachvollziehbaren Ängste der von Watts stark gespielten Mutter und Journalistin. Doch die sich zum Psychothriller steigernde Recherche-Suspense und der getriggerte Beschützerinstinkt Rachels täuschen eine Bodenständigkeit vor, die Kruger und Verbinski als Waffe verwenden: „Das Original ist wunderschön abstrakt und mürrisch, doch das US-Publikum sehnt sich nach einer Lösung oder einer Geradlinigkeit“, wird der Regisseur von der New York Times zitiert.

Er führt fort: „Sie streben danach, einer Brotspur zu folgen, also haben wir eine eher lineare Geschichte konstruiert. Was den Vorteil hat, dass wir diesen Erwartungen zuwiderlaufen können.“ So wähnt Verbinski sein Publikum zuweilen in Sicherheit, nur um es mit einer sich verschiebenden Wahntraumlogik schockieren zu können – was dem Original nicht möglich war. Dadurch spiegelt „Ring“ einen traumatisierten Zeitgeist wider:

Der Horror-Meilenstein entstand nach 9/11, was laut Verbinski Einfluss auf die Stimmung des Werks hatte. „Der Film wird von einem Element des Zufalls bestimmt, vom Gefühl des Kontrollverlusts und von einer gestörten Balance“, so der „A Cure For Wellness“-Macher.

Ring
Ring
Starttermin 13. Februar 2003 | 1 Std. 50 Min.
Von Gore Verbinski
Mit Naomi Watts, Brian Cox, Martin Henderson
User-Wertung
3,8
Filmstarts
4,5
Auf Paramount+ streamen

Das sei Folge der Terroranschläge und ihren Auswirkungen auf das Lebensgefühl in den USA: „Es gibt keine moralische Erläuterung oder ein Gespür dafür, dass es eine Person mehr verdienen würde als die andere. Es ist schaurig, wenn eine Weltanschauung in sich zusammenbricht – es drängt dich in einen existenziellen, freien Fall.“ Darüber hinaus hauchte „Ring“ im US-Kino einer speziellen, fiesen Untergattung des Grusels neues Leben ein: Filme, in denen ein schwer zu greifendes Grauen weitergereicht wird und sich die Überlebenden zwangsweise die Hände schmutzig machen.

Ohne den Erfolg von Verbinskis „Ring“ gäbe es wahrscheinlich weder „It Follows“ noch „Smile“. Und auch der folgende Horror-Geheimtipp wäre ohne „Ring“ kaum denkbar – denn obwohl er nicht von Verbinski ist, erinnert er massiv an dessen Handschrift:

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