„Der Pate“, „Der Stadtneurotiker“, „Manhattan“: Viele Filmfans und Kino-Nostalgiker bekommen allein beim Lesen dieser Titel leuchtende Augen. Es sind unvergängliche filmische Meilensteine, in denen in der weiblichen Hauptrolle Diane Keaton glänzt. Am vergangenen Samstag ist die vielseitige Aktrice im Alter von 79 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung in Los Angeles verstorben. Keaton, deren Filmkarriere 1970 mit der heute wenig bekannten Komödie „Liebhaber und andere Fremde“ begann, zählte für viele Jahrzehnte zu den größten Darstellerinnen aller Zeiten. Mit ihr ging eine von Hollywoods Besten.
In diesem Beitrag betrachten wir die außergewöhnliche Laufbahn der aus Los Angeles stammenden Schauspielerin näher. Was sind die Karriere-Meilensteine der Oscar-prämierten Künstlerin? Für welche Filme bleibt sie besonders in Erinnerung? Aber vor allem: Wie gestalteten sich ihre letzten Karrierejahre, und was waren ihre finalen Arbeiten?
Als Künstlerin umtriebig und vielseitig – bis ans Lebensende
Diane Keaton war bis zuletzt schauspielerisch tätig sowie künstlerisch ungemein kreativ. Obwohl die ganz großen Filmhits und überschwänglichen Kritikererfolge in den letzten Jahren ihrer Laufbahn seltener wurden: Keaton wirkte noch bis 2024 regelmäßig in Filmen mit und war damit bis zu ihrem Lebensende ein fester Bestandteil Hollywoods bzw. der Filmbranche. Ihr angestammtes Lieblings-Genre war seit jeher und blieb die (romantische) Komödie, weshalb man sie bis zuletzt vor allem in RomComs bewundern konnte. Darunter "Hochzeit auf Umwegen" (2023) und „Summer Camp“ (2024), die in Deutschland allerdings nicht in die Kinos kamen.
Sony Pictures
Ihr allerletzter Film war die Komödie Arthur's Whisky“ von 2024, der inhaltlich und in Sachen Tonalität nicht besser zu Keatons Wesen und zu vielen ihrer bisherigen Filmrollen hätte passen können. Darin spielt sie eine – wie gewohnt – stilvoll auftretende und ebenso charismatische wie selbstbewusste reife Dame, die mit ihren zwei Freundinnen ein wundersames Verjüngungselixier testet und sich, nach erfolgreicher Wirkung, nochmal so richtig ins Partyleben stürzt. Das Leben als junge Frau in einer modernen, von Hektik, Dauerbeschallung und High-Tech durchzogenen Welt? Der mit ironischem Witz und subtiler Gesellschaftskritik (Jugendwahn, Schönheitskult, Rollenklischees) garnierte Film geht dieser Frage mit reichlich Augenzwinkern und einem toll aufgelegten Darstellerensemble nach.
Der letzte Film, mit dem Keaton in Deutschland auf der großen Leinwand zu sehen war, war die Komödie „Book Club – Ein neues Kapitel“ (2023). In diesem direkten Nachfolger des Hits „Book Club – Das Beste kommt noch“ von 2018 spielte die überzeugte Vegetarierin an der Seite von 70er-Jahre-Ikone und Kollegin Jane Fonda.
Keaton wirkte insgesamt in mehr als 70 Filmen und Serien mit und war stets offen für andere Kunstformen. Man sah sie im Musikvideo zum Pop-Song „Ghost“ von Teenie-Idol Justin Bieber, und auch selber griff die passionierte Fotografin öfter mal zum Mikrofon: 2024 veröffentlichte sie mit „First Christmas“ einen Weihnachtssong. Dass Keaton mit der Zeit ging, bewies sie ferner durch ihre (erfolgreiche) Präsenz in den sozialen Medien. Auf Instagram folgten ihr weit über zwei Millionen Menschen. Dort teilte die seit den 1970er-Jahren als Mode-Ikone geltende Schauspielerin Eindrücke aus ihrem Privatleben, aber eben auch Bilder von sich und ihren neuesten modischen Entdeckungen – von der Krawatte über die Bundfaltenhose und den Anzug bis hin zu ihren markanten Hüten und Brillen.
Kritikerliebling und Stilikone
Doch wie wurde Keaton zu jener populären, sich allen Konventionen widersetzenden und von der Filmkritik geliebten Ikone? Dafür müssen wir exakt 53 Jahre in der Filmgeschichte zurückreisen. So richtig Fahrt nahm ihre Karriere nämlich 1972 auf, als sie von Meisterregisseur Francis Ford Coppola im überlebensgroßen Mafia-Epos „Der Pate“ als Michael Corleones (Al Pacino) Ehefrau besetzt wurde.
Fortan war sie fester Bestandteil des (Qualitäts-)Kinos der 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahre. Zwei ihrer absoluten Kultfilme fanden zu Beginn bereits Erwähnung: die von Woody Allen inszenierten Komödien-Evergreens „Der Stadtneurotiker“, für den Keaton einen Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt, und „Manhattan“.
Gerade dank der Allen-Filme entwickelte sich Keaton, neben der bereits erwähnten Jane Fonda und Faye Dunaway, zu den prägendsten Schauspielerinnen der 1970er-Jahre. Die Zusammenarbeit mit einem der produktivsten Filmregisseure unserer Zeit erwies sich als überaus fruchtbar – und das über einen Zeitraum von fast 20 Jahren. Von 1972 („Mach's noch einmal, Sam“) bis 1993 („Manhattan Murder Mystery“) drehten Allen und Keaton ganze acht Filme zusammen!
Doch auch für andere Regisseure brillierte Keaton, die mit ihrem an Marlene Dietrich erinnernden Look (Hosenanzug, Sakko) den maskulinen Stil in der Traumfabrik erst so richtig gesellschaftsfähig machte. Für Mark Rydells („Der Gauner“) Heist-Komödie „Und morgen wird ein Ding gedreht“ (1976) heimste sie ebenso einhelliges Kritikerlob ein wie für ihre Leistung im dreistündigen Historien-Epos „Reds“ (1981) von Warren Beatty.
Eine ihrer nachdrücklichsten Leistungen zeigte die vor allem für ihr komödiantisches Talent und starkes Timing gefeierte Keaton 15 Jahre später im tragikomischen Meisterwerk „Marvins Töchter“ als von Schicksalsschlägen gebeutelte, einfühlsame Frau, die an Leukämie erkrankt. Der Lohn: eine Oscar-Nominierung als Beste Hauptdarstellerin. Insgesamt wurde Keaton, die im Alter von 50 Jahren zwei Kinder adoptierte, drei Mal für den Oscar nominiert. Nach „Marvins Töchter“ geriet ihre Karriere für einige Jahre allerdings ins Stocken, bevor ihr in den 2000ern mit leichtgängigen Komödien („Was das Herz begehrt“, „Die Familie Stone“) ein Comeback gelang.
Wenn ihr übrigens wissen wollt, welchen ihrer Filme Diane Keaton einen „Fehlschlag“ nannte, dann lest doch direkt im folgenden Artikel weiter:
"Ein Fehlschlag": Diesen starbesetzten Flop hat Diane Keaton mehr bereut als jeden anderen Film