Wer den aktuell noch sehr erfolgreich in den Kinos laufenden „In die Sonne schauen“ in einigen Monaten im Streaming-Abo anschauen möchte, wird bei den üblichen Verdächtigen von Netflix über Disney+ bis Amazon Prime Video vergeblich nach dem Meistwerk von Mascha Schilinski suchen. Stattdessen soll der Titel, wie uns die „Neue Visionen“-Geschäftsführer*innen Torsten Frehse und Sylvia Müller im persönlichen Hintergrundgespräch mit FILMSTARTS verraten, als Abo-Angebot exklusiv beim erst seit heute existierenden Streaming-Service „Neue Visionen Plus“ erscheinen – und das ist neben den vergleichsweise geringen Kosten (3,99 Euro im Monat, die ersten 14 Tage kostenlos zum Ausprobieren) nicht der einzige Grund, sich das Mediatheken-Angebot des seit 1997 bestehenden Kinoverleihs mal genauer anzusehen.
Der Streaming-Abo-Vorgänger good!movies wurde 2005 noch von mehreren unabhängigen Filmverleihen gegründet, um gemeinsam auch mit kleineren, künstlerisch hochwertigen Filmen im umkämpften Heimkino-Geschäft bestehen zu können. Viele kennen das Label vor allem daher, weil es seine Vitrinen mit good!movies-DVDs auch in vielen Kinofoyers aufgestellt hat. Aber wenn es darum geht, eine solche gemeinsame Unternehmung mit Investitionen aufs nächste Level zu hieven, ist es mit der Abstimmung oft eben nicht ganz leicht – und so hat der reichweitenstärkste unter den beteiligten Verleihen die anderen ausbezahlt, um den Streaming-Service (bestehende Abos bleiben bestehen) ab sofort unter dem eigenen Namen „Neue Visionen“ mit dem klassischen Mediatheken-Zusatz „Plus“ weiterzuführen.
Neue Visionen Filmverleih
Aber keine Sorge: Es verschwinden jetzt nicht von einem Tag auf den anderen die ganzen Filme der übrigen bislang beteiligten Verleiher. Ganz im Gegenteil: Selbst neue Titel der anderen Partner werden weiterhin regelmäßig auf Neue Visionen Plus erscheinen. Aber was natürlich zukünftig deutlich leichter fällt, wenn man ein solches Angebot allein und dazu noch unter dem eigenen Namen betreibt: Auch besonders besucherstarke eigene Titel von „Die leisen und die großen Töne“ bis „In die Sonne schauen“ sollen als Abo-Titel in Zukunft exklusiv auf Neue Visionen Plus erscheinen (selbst wenn es sicherlich nicht immer ganz leicht fällt, gerade bei solchen begehrten Titeln auf die Angebote der finanzstärkeren US-Konkurrenz zu verzichten).
Darüber hinaus schwebt den Verantwortlichen vor, die Film-Plattform immer weiter in Richtung Mediathek auszubauen – und zwar mit eigenen Inhalten, die auch nicht zwingend alle etwas mit Film und Kino zu tun haben müssen. Bereits zum Start am heutigen Mittwoch gibt es deshalb gleich vier exklusive neue Formate:
- „Im Reich der Bilder“ (der Filmjournalist Rüdiger Suchsland spricht nicht nur über aktuelle Filme, sondern ordnet sie auch in der Geschichte des Kinos und sonstigen kulturellen Strömungen ein)
- „Räume zum Leben“ (ein Gesprächsformat über soziale Räume mit der Journalistin und Autorin Christina Bylow)
- „SKIP“ (eine Family-Entertainment-Serie von Kai Lüftner)
- „kapital.“ (ein Magazin für Ökonomie und Gesellschaft mit Geschäftsführer Torsten Frehse als Gastgeber)
Bereits im November soll zudem mit „KINOKOMPASS“ ein monatliches Filmkritikmagazin hinzukommen, in dem in jeder Folge fünf aktuelle Kinostarts vorgestellt werden – und als ich die Moderatoren Tobias Reißmann und Nikolas Friedrich beim informellen Launch-Kaffee ausgefragt habe, ob sie denn im Zweifel auch die Filme des eigenen Kinoverleihs offen in die Tonne kloppen dürfen, haben sie ziemlich glaubhaft ihre redaktionelle Unabhängigkeit erklärt. Aber wenn der eigene Film aktuell den Titel „In die Sonne schauen“ trägt, gibt es zumindest im Moment ja ohnehin keinen Grund zur Miesepetrigkeit...