Von Woody Allen zum drohenden nuklearen Weltuntergang: In den 1980ern sehnte sich der einstige „Muppets“-Autor Marshall Brickman genau nach diesem kreativen Tapetenwechsel. Denn nachdem er in den 1970ern an drei Woody-Allen-Komödien mitwirkte und für „Der Stadtneurotiker“ sogar einen Drehbuch-Oscar einheimste, wollte Brickman einen ernsteren Film machen.
Zwei von ihm inszenierte Komödien später war es so weit: Brickman stemmte als Regisseur und Ko-Autor den Sci-Fi-Thriller „Manhattan Project – Der atomare Alptraum“. Der wurde zwar eifrig diskutiert, nahm allerdings bloß einen Bruchteil seines 18 Millionen Dollar hohen Budgets ein. In Deutschland erschien er zunächst nur gekürzt auf Videokassette, seit 2005 ist er uncut auf DVD verfügbar. Nun folgt der nächste Evolutionsschritt: Seit dieser Woche ist „The Manhattan Project“ endlich auf Blu-ray erhältlich – und zwar in voller Länge!
Darum geht es in "The Manhattan Project"
Der 17-jährige Schüler Paul Stephens (Christopher Collet) ist besonders gut in den Naturwissenschaften. Als sich der Nuklearforscher Dr. John Mathewson (John Lithgow) an Pauls Mutter Elizabeth (Jill Eikenberry) ranschmeißt, nimmt er das Jungtalent mit in sein Labor, ohne es bezüglich dessen militärischen Sinn und Zweck aufzuklären.
Es ist eine Aktion, die Konsequenzen hat: John und seine Freundin, die angehende Journalistin Jenny Anderman (Cynthia Nixon), kommen dem Ganzen auf die Schliche und planen eingangs, die Sache auffliegen zu lassen. Zu diesem Zweck stiehlt Paul Plutonium aus dem Betrieb – und alsbald tüftelt auch er an einer effizienten Atomwaffe...
Ein Film, der zu einem brenzligen Zeitpunkt ins Kino kam
Vielleicht ist die Besetzung von „The Manhattan Project“ Anlass, dem Sci-Fi-Flop Aufmerksamkeit zu schenken: Die Hauptrolle übernahm Christopher Collet, der aus dem kultigen Slasher „Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens“ bekannt ist, außerdem sind „Konklave“-Mime (und der künftige TV-Dumbledore) John Lithgow und „Frasier“-Star John Mahoney mit von der Partie.
Vervollständigt wird die Besetzung durch „L.A. Law“-Darstellerin Jill Eikenberry, „Sex And The City“-Ikone Cynthia Nixon und Robert Sean Leonard („Dr. House“) sowie durch Richard Jenkins, den Filmfans unter anderem aus „Burn After Reading“, „The Cabin In The Woods“ und „Shape of Water – Das Flüstern des Wassers“ kennen.
Ihren gemeinsamen Ausflug in eine kontemporäre Sci-Fi-Schreckensgeschichte kreierte Brickman, weil er ausdrücken wollte, dass Atomwaffen für den militärischen Industriekomplex letztlich nur ein Endverbraucherprodukt darstellen – was nervenzerfetzende Folgen hat. Ebenso ging es ihm darum, eine Geschichte über Schöpfungsdrang zu erzählen, der sämtliche moralischen Implikationen aus dem Auge verliert.
Während US-Kritikerlegende Roger Ebert den Thriller als „clever, witzig und sehr gekonnt umgesetzt“ lobte, fiel das Presseecho insgesamt durchwachsen aus. Im Filmdienst etwa wurde der Stoff als „unglaubwürdige, nur mäßig inszenierte und erst gegen Ende leidlich spannende Geschichte“ abgestraft. Den schwachen Anklang beim zahlenden Publikum versuchten derweil viele Branchenanalysen auf die zeitliche Nähe zur Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zu schieben – eine viel diskutierte Theorie, die Brickman nicht unterschreibt: Er glaubt, dass es wohl am Film selbst lag, nicht an den Umständen.
So oder so: „ Manhattan Project“ war für Brickman ein Karriereeinschnitt. Nach diesem wirtschaftlichen Rückschlag verabschiedete er sich vorerst vom Regiestuhl und konzentrierte sich zunächst wieder aufs Schreiben. Erst 15 Jahre später inszenierte er wieder einen Film – nämlich die wenig beachtete TV-Komödie „Sister Mary Explains It All“.
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