Ein Film, so schillernd und einnehmend, dass man seinen Reiz unmöglich komplett in Worte fassen kann: „The Rocky Horror Picture Show“ ist nicht nur für die FILMSTARTS-Redaktion eines der besten Musicals aller Zeiten, nein! Für die FILMSTARTS-Community ist es sogar der unangefochtene König des Musical-Genres.
Darüber hinaus ist die einfallsreiche, skurrile und amüsante Gruselpersiflage, die zudem einer Attacke aufs Spießertum gleicht, seit Jahrzehnten ein Pubertäts-Initiationsritus für Filmbegeisterte, Unangepasste und Freigeistige. Ganz davon zu schweigen, dass der musikalische Spaß mit „Es“-Horrorclown Tim Curry einen Meilenstein der Counterculture sowie der queeren Filmhistorie darstellt. Sehr bald lässt er sich im Heimkino in gestochen scharfer Qualität erleben:
Am 31. Oktober 2025, also an Halloween, erscheint „The Rocky Horror Picture Show“ endlich in 4K – und zwar als Limited Edition im Steelbook!
Das 2-Disc-Set enthält den Film in zwei Schnittfassungen: In der britischen Version sowie in der knapperen US-Fassung – letztere liegt der Edition wohlgemerkt bloß auf Blu-ray bei. Als Extras gibt es unter anderem eine „Rocky-oke“-Option für alle, die lauthals mitsingen wollen, eine alte Tonspur mit authentischer Publikumsinteraktion, Trivia, einen Audiokommentar und vieles mehr.
Das passiert in "The Rocky Horror Picture Show"
Das langweilige Normalo-Pärchen Brad Majors (Barry Bostwick) und Janet Weiss (Susan Sarandon) besucht eine Hochzeit – und das Fieber, sich in eine feste, monogame Hetero-Beziehung zu begeben, greift um sich: Brad macht seiner großen Liebe einen Antrag, und sie nimmt ihn trällernd an. Zur Feier dessen wollen sie den Lehrer besuchen, in dessen Klasse sie sich kennengelernt haben. Hach, welch' Romantik!
Doch ein Gewitter und ein platter Reifen sorgen dafür, dass Brad und Janet von ihrem eingefahrenen Weg abkommen. In einem Schloss, das eher in einen alten Horrorfilm gehört als in das piefige Leben dieses Paares, wollen sie um Hilfe bitten. Somit landen die Zwei im Subkosmos von Magenta (Patricia Quinn), Columbia (Nell Campbell), Riff Raff (Richard O*Brien) und Dr. Frank N. Furter (Tim Curry), einem „Sweet Transvestite From Transexual, Transylvania (aaa-aha)“, der den perfekten, hörigen blonden Muskelmann (Peter Hinwood) erschaffen will...
"Don't Dream It, Be It!": Das ist "Rocky Horror"!
Regisseur Jim Sharman inszeniert das von Richard O'Brien erschaffene, lustvolle Musical als fabelhafte, wundervoll-schamlose Feier der popkulturellen, geschlechtlichen, charakterlichen, modischen und sexuellen Andersartigkeit. Die hatte mittlerweile auf unzählige Menschen eine befreiende Wirkung, jedoch auch denkbar unscheinbare Anfänge: Am 19. Juni 1973 feierte „The Rocky Horror Show“, die Bühnenvorlage des Kultfilms, ihre Weltpremiere im London's Royal Court Theatre – laut Deutsche Welle vor 63 Leuten.
Die sorgten für begeisterte Mundpropaganda: Eingangs für fünf Wochen eingeplant, lief das lebhafte Theaterstück voller liebevoller Verneigungen vor B-Movies aus dem Horror- und Sci-Fi-Sektor sowie angstbefreiter Non-Konformität letztlich sieben Jahre lang. Währenddessen entwickelte sich die Tradition, dass das Publikum ausgelassen mit dem geskripteten Geschehen interagiert. 1975 wiederholte sich das Spielchen: Die Musicalverfilmung lief zunächst schleppend in den Kinos, doch eine hartnäckige Fangemeinde sah sie sich immer und immer wieder an.
Als das Marketing dies erkannte, wurde klar kommuniziert, dass der Film ein für die Mitternachtsschiene geeignetes Happening ist. Hier muss man im Kino nicht ruhig bleiben, sondern darf noch während der Vorführung zelebrieren. Damit platzte auch im Kino der Knoten – erst in New York City, dann überall sonst: Partyverrückte, Außenseiter*innen, Paradiesvögel und Neugierige machten „The Rocky Horror Picture Show“ zum Dauerrenner.
"Rocky Horror" und München: Eine Weltrekord-Liebesbeziehung
Doch nirgends auf der Welt ist „The Rocky Horror Picture Show“ ein derartiger Dauerrenner wie in München: Seit dem 24. Juni 1977 befindet sich das Musical im Programm der Museum Lichtspiele, einem traditionsreichen Münchener Kino. Es ist keine Spielwoche ohne Aufführung des Ausnahmefilms vergangen – allein innerhalb der ersten 40 Jahre sind somit rund 7.000 Vorstellungen zusammengekommen, was Kino und Film einen Weltrekord eingebracht hat!
Der Kultklassiker ist sogar so wichtig für das Kino, dass seit 1980 ein Saal komplett im „Rocky Horror“-Look erstrahlt. Dort zeigen die Lichtspiele den Film mindestens freitags und samstags, rund um Halloween wird die Frequenz an Aufführungen (bei denen allerlei Krams durch den Saal fliegt und allerhand Kommentare gen Leinwand schallen) selbstredend erhöht.
Dieser einzigartige Dauerlauf war allerdings nicht frei von Herausforderungen. So lässt sich der zeitweilige Kinobetreiber Ferdinand Hlebayna zitieren: „Ich hatte mal ein bisschen Ärger mit dem Verleih wegen der 'Rocky Horror Picture Show'. Da habe ich aber gesagt: Dann müsst ihr mich hier mit der Kopie raustragen. Die geben wir einfach nicht mehr her.“
Glücklicherweise hat sich niemand getraut, Hlebayna mitsamt Kopie rauszutragen. Und ab Halloween könnt ihr euch ganz wie Hlebayna fühlen und eure eigene 4K-Heimkino-Kopie des famosen Musicals umklammern. Wir empfehlen aber zum Wohle eurer Einrichtung (und eurer 4K-Disc), sie nicht gemeinsam mit Klopapier, Reis und Spielkarten durch die Gegend zu werfen.
Was wir euch aber sehr wohl empfehlen können, insbesondere wenn ihr euch für selbstbewusst-abseitige Filme interessiert, ist die folgende FSK-18-Provokation:
Provokanter FSK-18-Klassiker im Heimkino: Verruchte Gangsterfarce erstmals auf Blu-ray erhältlichDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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