Nachdem er mit den ersten drei Filmen der „Tanz der Teufel“-Reihe das Horrorkino prägte, aber kurz bevor er mit der „Spider-Man“-Trilogie rund um Tobey Maguire das Superheldenkino beeinflusste, brodelte sich Regie-Größe Sam Raimi ein abwechslungsreiches Genregebräu zusammen:
„The Gift – Die dunkle Gabe“ vermengt Horrorfilm, Krimi, Mysterythriller und hitziges Kleinstadtdrama zu einem Film mit undurchsichtigen Figuren und zahlreichen Twists. Bei der US-Kritik kam das durchwachsen an, von FILMSTARTS gab es dagegen gute 3,5 von 5 Sternen. Nun hat der prominent besetzte Film ein Heimkino-Upgrade erhalten: Diese Woche ist „The Gift“ erstmals in Deutschland als 4K-Disc erschienen!
Das deutsche 4K-Debüt von „The Gift“ erfolgte in Form eines Limited Edition Mediabooks, das neben einer 4K-Disc auch eine reguläre Blu-ray des Titels umfasst sowie ein Booklet mit Text von Dr. Rolf Giesen. Der Filmwissenschaftler steuert zudem einen Audiokommentar bei, als weitere Extras sind Interviews und Hintergrundberichte über die Entstehung der Sam-Raimi-Regiearbeit enthalten.
Darum geht es in "The Gift"
Seit dem Tod ihres Ehemanns muss sich Annie Wilson (Cate Blanchett) im Alleingang um ihre Söhne Mike (Lynnsee Provence), Miller (Hunter McGilvray) und Ben (David Brannen) kümmern. Die als Medium tätige Witwe plagt sich zudem mit ihren extremen Schuldgefühlen, schließlich hat sie den Tod ihres Gatten vorhergesehen, konnte ihn jedoch nicht verhindern. Wenigstens erhält sie von der Kleinstadtbevölkerung viel Zuspruch und Unterstützung.
Hinter vorgehaltener Hand wird in Brixton allerdings auch über Annie hergezogen. Dennoch hat sie eine Stammkundschaft, zu der etwa der von Wahnvorstellungen geplagte Buddy (Giovanni Ribisi) und die unter ihrem gewalttätigen Mann Donnie (Keanu Reeves) leidende Valerie (Hilary Swank) gehören. Als Annie auch noch Visionen hat, dass die mit Schulleiter Collins (Greg Kinnear) verlobte Jessica King (Katie Holmes) bald sterben wird, droht die Ordnung in Brixton völlig zusammenzubrechen. Wenigstens bittet Sheriff Johnson (J.K. Simmons) Annie zähneknirschend um Hilfe – trotzdem wird der kleine Ort alsbald zur Hölle auf Erden...
Viele Genres, etwas Raimi-Style und massig Keanu-Zorn
Bei einem Budget von geschätzt 10 Millionen Dollar generierte „The Gift“ an den Kinokassen weltweit Einnahmen von knapp 45 Millionen. Angesichts dessen, dass Keanu Reeves im Jahr zuvor mit „Matrix“ einen Sensationserfolg feierte, mag es sein, dass sich manche Verantwortliche hinter diesem Mysteryfilm aus dem Jahr 2000 noch mehr erhofft hatten.
Trotzdem kann „The Gift“ als kleiner wirtschaftlicher Erfolg verbucht werden, zumal es sich Sam Raimi mit diesem Film nicht gerade leicht gemacht hat: Seine inszenatorischen Markenzeichen schimmern auch hier wiederholt durch, kommen aber bloß gedrosselt zur Geltung – was Teile seiner Fanbase enttäuschte. Für den Mainstream ist „The Gift“ aber eine zu wendungsreiche und tonal sprunghafte Seherfahrung. Der dramatische Mystery-Horrorthriller fällt also durchaus zwischen zwei Stühle.
Oder wie der „The Gift“ zugeneigte FILMSTARTS-Autor Björn Helbig es in Worte fasste: „Den Grusel- und Horror-Zugeneigten ist der Film wohl nicht hart genug, wer Krimis mag, dem driftet alles am Ende vielleicht zu sehr ins Mystische ab, und manchem Raimi-Fan enthält der Film möglicherweise zu wenig Raimi. Doch wenn der Film auch nicht die Herzen der Massen erobert hat: für alle treuen Anhänger des Regisseurs und diejenigen, die Thriller der besonderen Art schätzen, ein Muss.“
Zumal er allein schon eine cineastische Daseinsberechtigung hat, weil in ihm der allseits beliebte und als gutmütig gefeierte Keanu Reeves einen erschreckend-glaubhaften, abscheulichen Choleriker mimt und man zahlreiche Figuren partout nicht durchschauen kann. Und wenn man bedenkt, dass der hier als Drehbuchautor beteiligte Billy Bob Thornton behauptet, die Figur der Annie an seine Mutter angelehnt zu haben, erklärt sich beim Anblick von „The Gift“ zudem allerhand über die öffentliche Persona des „Armageddon“-Stars.
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Dies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.