Mit beachtlichen 88 Prozent positiven Kritiken auf Rotten Tomatoes sowie einem starken Metascore von 75 schneidet „Die nackte Kanone“ bei der Fachpresse ziemlich genau gleich gut ab wie das gleichnamige Original mit Leslie Nielsen. In der FILMSTARTS-Kritik gab es starke 4 von 5 möglichen Sternen – und für den Verfasser dieses Artikels zählt die Neuverfilmung mit Liam Neeson sogar zu den lustigsten Filmen seit der Jahrtausendwende. Kurz zusammengefasst: Die Slapstick-Parade sorgte weit und breit für Begeisterung.
Nachdem der Film im Kino mehr als solide lief und immerhin etwas mehr als 100 Millionen Dollar einspielen konnte, feierte er kürzlich auch schon seine Premiere im Streaming* sowie auf DVD, Blu-ray und 4K-Blu-ray* – wo Fans des Films mit noch mehr Lachern versorgt werden, etwa in Form von Outtakes und entfernten Szenen. Doch die Euphorie endet ausgerechnet bei David Zucker – einem der drei kongenialen Schöpfer von „Die nackte Pistole“ sowie in weiterer Folge „Die nackte Kanone“. Dieser äußerte sich nun überaus kritisch zum von Seth MacFarlane („Family Guy“) auf den Weg gebrachten Revival seines allseits verehrten Comedy-Klassikers.
"Die nackte Kanone": Original-Macher vom neuen Film enttäuscht
„Mein Bruder Jerry und unser Partner Jim Abrahams begannen vor 50 Jahren, Spoof-Comedies zu machen. Wir haben unseren eigenen Stil entwickelt – und das haben wir so gut gemacht, dass es einfach aussah“, erklärte David Zucker nun gegenüber Woman's World, bevor er schließlich auf den vierten Kinofilm der Reihe zu sprechen kam: „Die Leute fingen an, das zu kopieren – wie etwa Seth MacFarlane in dem neuen ‚Die nackte Kanone‘. Er hat das Ziel total verfehlt.“
Das Trio Zucker/Abrahams/Zucker habe bei seiner Arbeit stets 15 goldene Regeln befolgt, die er nach wie vor versuche, all jenen mitzugeben, die einen ähnlichen Film drehen wollen. Regisseur und Drehbuchautor Akiva Schaffer, der seines Zeichens selbst Mitglied eines gefeierten Comedy-Dreiergespanns ist („The Lonely Island“), habe mit seinem Werk vor allem eine jener Regeln verletzt.
„Man sollte nicht zu viel Geld für Komödien ausgeben. Eine unserer Regeln betrifft technischen Prunk“, führt das Comedy-Urgestein so weiter aus. „Große Budgets und Comedy sind Gegensätze. Und im neuen ‚Die nackte Kanone‘ konnte man sehen, dass sie viel Geld ausgegeben haben“, kritisiert Zucker den Film. Man habe zwar versucht, den altbewährten Stil zu kopieren, zugleich aber zu großen Wert auf technische Brillanz gelegt.
Ist die Kritik unberechtigt?
Während die Geschichte des von Liam Neeson gespielten Lieutenant Frank Drebin Jr. am Ende natürlich – wie jeder andere Film – Geschmackssache ist, ist die Kritik von David Zucker zwar nachvollziehbar. Den Fakten hält sie letztlich aber nur bedingt Stand.
Denn zugegeben, allein die an „The Dark Knight“ angelehnte Eröffnungsszene ist handwerklich bombastisch umgesetzt und könnte genauso gut aus einem großen Action-Blockbuster stammen – und auch darüber hinaus finden sich in der Blödel-Parade immer wieder aufwändige Setpieces und spektakuläre (Action-)Sequenzen. In den knapp 40 Jahren seit dem ersten „Die nackte Kanone“ hat sich produktionstechnisch in Hollywood aber nun mal einiges getan – sodass Filme mittlerweile mit anderen Mitteln sowie natürlich angepasst an die Sehgewohnheiten des heutigen Publikums inszeniert werden.
Was wir aber nicht ganz durchgehen lassen können, ist das Budget-Argument. Und zwar aus einem einfachen Grund: Teil 1 kostete 1988 für damalige Verhältnisse durchaus stolze 14,5 Millionen Dollar – und würde inflationsbereinigt heute nur minimal günstiger kommen als der neue Film. Holt man die Produktionskosten der beiden Fortsetzungen „Die nackte Kanone 2 ½“ (23 Mio. Dollar) und „Die nackte Kanone 33 ⅓“ (30 Mio. Dollar) rechnerische mittels Inflationskalkulator in die Gegenwart, kamen diese sogar teurer als das Revival, das sich das Produktionsstudio Paramount zuletzt 42 Millionen Dollar kosten ließ.
Inwieweit Zuckers Kritik womöglich andere Hintergründe hat, kann nur spekuliert werden. Wir können euch jedenfalls nur wärmstens empfehlen, dem Film eine Chance zu geben. Wer Liam Neeson mal wieder in einem ruppigen Action-Reißer sehen will, wird seit heute indes auf Netflix mit frischem Nachschub bedient:
Neu auf Netflix: In diesem Action-Thriller muss Liam Neeson 200 Menschen auf einmal das Leben retten*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links erhalten wir eine Provision.