Mit mehr "Fair Play": So kehrt "Knives Out 3" auf Netflix zum Ursprung der Reihe zurück – und warum Fans das glücklich macht
Björn Becher
Björn Becher
-Mitglied der Chefredaktion
Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Nach dem sonnendurchfluteten Spektakel von „Glass Onion“ kehrt Rian Johnson mit „Wake Up Dead Man“ zurück zu einer Erzählhaltung, die deutlich näher am Geist von „Knives Out“ liegt – auch dank Fair Play.

Glass Onion“ war 2022 womöglich der richtige „Knives Out“-Film zur richtigen Zeit. Laut, groß, verspielt und mit Urlaubsbildern das perfekte Gegenstück zur gerade hinter sich gelassenen und im Film ja auch eine zentrale Rolle spielenden Corona-Tristesse. Doch mit diesem Ansatz blieb etwas auf der Strecke: Einen mechanisch-präzisen Whodunit wie noch im Reihenauftakt „Knives Out“ gibt es hier nicht – ganz im Gegenteil.

„Glass Onion“ bricht eine goldene Regel des Genres: Benoit Blanc hat lange Zeit einen Wissensvorsprung gegenüber dem Publikum, weil ihm eine große und zentrale Wendung des Films bereits bekannt ist. Wake Up Dead Man“ wirkt so jetzt wie ein bewusstes Gegensteuern: Es ist ein sehr konzentrierter Kriminalfall, der die Regeln und Traditionen des Rätselkrimis wieder in den Mittelpunkt stellt.

Ein Film, der wieder ein Whodunit sein will – nicht nur ein Event

Wie Rian Johnson in den offiziellen Pressematerialien selbst erklärt, liegt der dritte Teil wieder näher am ersten „Knives Out“. Er wollte sich wieder auf die Ursprünge des Genres besinnen, auf Werke wie etwa die von Edgar Allan Poe und seine streng konstruierten Rätselgeschichten, von denen viele moderne Whodunits beeinflusst sind. Das Rätsel ist so wieder das Zentrum der Geschichte.

Dabei spielt Johnson mit einem der berühmtesten Motive des Whodunits: Er wandelt den sogenannten Locked-Room-Murder ab, der vor allem durch den Autor John Dickson Carr mit seinem Roman „Der verschlossene Raum“ geprägt wurde. Es passiert ein Mord, der eigentlich unmöglich ist, weil niemand Zutritt zum Schauplatz des Verbrechens hat. Im Film selbst wird sogar adressiert, wie dieses Motiv in Krimis schon eingesetzt wurde und was alle denkbaren Auflösungen sind, die es bisher gab.

Das Herzstück des "unmöglichen Mords": Das strenge Spiel mit der Wahrheit

Bei Krimis, die ein unmögliches Verbrechen behandeln, ist es wichtig, dass sie extrem präzise sind, wenn das Publikum eine Chance haben soll, mitzurätseln. Genau da setzt Johnson an: Stammt bei „Glass Onion“ der Reiz eher aus Figurenchaos, Wendungen und Zeitspielereien, ist „Wake Up Dead Man“ wieder ein Film, bei dem Konstruktion und Logik im Vordergrund stehen. Dabei spielen nicht nur die üblichen auch im Vorgänger bekannten Teile wie ein begrenzter Tatort-Schauplatz (die Kirche) und ein früh komplett bekannter Figurenkreis eine wichtige Rolle, sondern auch ein Aspekt, der gerne übersehen wird. Der stellte hier vor allem Johnsons wichtigsten Mitstreiter vor eine Herausforderung.

Im Gegensatz zu „Glass Onion“ stand bei „Wake Up Dead Man“ stets Fair Play ganz vorne auf der Agenda. Es war wichtig, dass alle möglichen Hinweise jederzeit sichtbar sind. Johnsons Stammkameramann Steve Yedlin hatte so die Aufgabe, sicherzustellen, dass immer fair gespielt wird. Kein Hinweis darf versteckt oder verfälscht sein. Es muss alles immer so im Bild eingefangen werden, wie es Daniel Craigs Meisterdetektiv Benoit Blanc auch sieht oder erzählt bekommt. Alles, was zählt, passiert vor den Augen des Publikums.

Die Kunst des Whodunit gemeistert

Die Fans der Reihe macht das glücklich, weil es essenziell für einen Whodunit-Krimi ist, dass man selbst spekulieren kann, wer der Mörder ist. Gerade beim Streaming auf Netflix dürfte bei vielen Krimi-Liebhaber*innen dazu kommen, dass sie das gemeinsame Schauen auch mal unterbrechen, um Theorien auszutauschen.

Doch obwohl wir in „Wake Up Dead Man“ alle Hinweise bekommen, sollten wir nicht überrascht sein, dass wir im Gegensatz zu Benoit Blanc den mysteriösen Mordfall nicht lösen. Auch hier meistert Johnson das Genre nach Meinung des Autors dieser Zeilen. Whodunits haben immer ein Problem im Umgang mit dem Publikum. Kommt das früh auf die Lösung, wird der weitere Film oft langweilig. Verzweifelt man dagegen an den offenen Fragen, ist man am Ende vielleicht frustriert. „Wake Up Dead Man“ schafft hier gut den Spagat.

Und es sollte sich niemand grämen, dass er oder sie nicht mit Blanc gemeinsam (oder sogar vor ihm) auf die Lösung gekommen ist. Schließlich ist Daniel Craigs Figur nicht umsonst der Beste in seinem Fach, man ist sogar in guter Gesellschaft. Laut Kameramann Yedlin hat sogar der Colorist des Films einige versteckte Hinweise übersehen, obwohl sie deutlich im Bild zu sehen waren. Und der schaut sich jede Szene ja sogar in Standbildern ziemlich genau an, um die letzten Farbdetails zu korrigieren.

Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery“ kann wie die Vorgänger auf Netflix gestreamt werden. Was es dort alles im nächsten Monat gibt, erfahrt ihr im folgenden Artikel:

Neu auf Netflix im Januar 2026: Die allerletzte Folge "Stranger Things", eine neue Staffel "Bridgerton" & alle "James Bond"-Filme

facebook Tweet
Ähnliche Nachrichten
Das könnte dich auch interessieren