Er gewann einen Academy Award als bester Hauptdarsteller und war drei weitere Male für den Oscar nominiert, obendrein genoss er hohe Popularität beim zahlenden Publikum. In den 1950ern und zu Beginn der 1960er wählten ihn Kinobetreibende in einer Branchenumfrage daher wiederholt zu einem der größten, zugkräftigsten Stars der Welt: Burt Lancaster war lange Zeit ein Erfolgsgarant!
Dennoch könnte seine Vita im deutschen Heimkino dringend mehr Liebe vertragen: Einige seiner Klassiker sind hierzulande noch immer nicht in HD erhältlich! Auch sein einflussreiches Piratenabenteuer „Der rote Korsar“, das mit seinem verwegenen, durchgeknallten Tonfall durchaus als Vorreiter für die „Fluch der Karibik“-Saga eingeschätzt werden darf, gehörte bis vor kurzem dazu. Doch diese Woche ist „Der rote Korsar“ endlich erstmals auf Blu-ray erschienen!
Darum geht es in "Der rote Korsar"
Im 18. Jahrhundert gilt der gerissene Piratenkapitän Vallo (Burt Lancaster), gemeinhin besser bekannt als „der rote Korsar“, als der gewiefteste unter allen Seeräubern. Als er mit seinen Mannen eines Tages ein königliches Schiff kapert, das über eine gewaltige Waffenladung verfügt, ist daher das Staunen groß. Denn Vallo weicht von seinem ursprünglichen Plan ab, die gefährliche Ladung gewinnbringend an den Rebellenführer El Libre (Frederick Leister) zu verkaufen!
Er willigt stattdessen in den Vorschlag des an Bord befindlichen Barons Gruda (Leslie Bradley) ein: Für eine fürstliche Belohnung soll er nun El Libre und seine Aufsässigen ausschalten. Lässt sich Vallos Unterstützung wirklich so leicht erkaufen? Und wenn ja, kann El Libres Tochter Consuelo (Eva Bartok) Vallo womöglich zu einem erneuten Sinneswandel bewegen, für die Revolution erwärmen und gegen korrupte Gouverneure aufbringen?
Ein Thriller-Experte dreht den Piratenwahn
Für „Der rote Korsar“ scheute das verantwortliche Studio Warner Bros. keine Kosten und Mühen: Für das in London und Italien gedrehte (und durchgedrehte) Abenteuer wurden extra zwei Schiffe gebaut, darüber hinaus weist der Film Szenen auf, in denen bis zu 800 Menschen zu sehen sind! Dass diese Heerscharen nicht häufiger mitmischen, ist eine faszinierende, kleine Hollywood-Anekdote: Weil das Catering auf der Insel Ischia nicht den Qualitätsansprüchen der Statist*innen genügte, organisierten sie laut American Film Institute einen Sitzstreik. Als der Protest keine Früchte trug, reisten viele Statist*innen vorzeitig ab.
Regisseur Robert Siodmak, der zuvor den deutschen Kino-Meilenstein „Menschen am Sonntag“ und Thrillerklassiker wie „Die Wendeltreppe“ inszenierte, konnte schon zuvor aber genügend Massenszenen drehen, um „Der rote Korsar“ dennoch beeindruckende Schauwerte zu verleihen.
Noch denkwürdiger sind allerdings die ausgefallenen Set- und Requisitenbauten, für die niemand Geringeres als Ken Adam verantwortlich war: Der Szenenbildner, der „Barry Lyndon“, „Dr. Seltsam“ und zahlreichen James-Bond-Einsätzen seinen Stempel aufdrückte, gestaltete die speziell für den Film errichteten Schiffe und die im mehrfachen Wortsinne fantastischen Waffen und Gefährte, mit denen die Rebellen im Finale gegen die Spanier kämpfen.
Wer schon immer wissen wollte, wie Piraten-Flammenwerfer und -Panzer nach (sehr losen) ästhetischen Prinzipien des 18. Jahrhunderts aussehen könnten, muss sich also unbedingt „Der rote Korsar“ anschauen! Kaum zu glauben, dass der Film laut Christopher Lees Autobiografie „Tall, Dark And Gruesome“* als ernst und nachdenklich geplant war, bevor ihn der Regisseur innerhalb von nur 48 Stunden aus einer Laune heraus komplett umkrempelte.
Die Tonalität, für die Siodmak in Hollywood zuvor so sehr geschätzt wurde, gibt es dafür in einem anderen Lancaster-Projekt zu sehen, das kürzlich seine Blu-ray-Premiere gefeiert hat. Der Thriller wurde zwar im Gegensatz zu „Der rote Korsar“ nicht von Siodmak inszeniert, er würde sich aber nahtlos in dessen Reihe stilvoller Noir-Arbeiten eingliedern:
79 Minuten raue Anspannung: Dieser stylische und provokante Skandalthriller erscheint endlich zum ersten Mal auf Blu-ray*Bei den Links zum Angebot von Amazon handelt es sich um sogenannte Affiliate-Links. Bei einem Kauf über diese Links oder beim Abschluss eines Abos erhalten wir eine Provision. Auf den Preis hat das keinerlei Auswirkung.