"Niemand ist Satan, wir sind es selbst": Die "28 Years Later 2"-Stars Ralph Fiennes & Chi Lewis-Parry über die dunkle Seite der Menschheit
Markus Trutt
Markus Trutt
-Redakteur
Filme, Serien, Videospiele. Markus brennt schon seit Kindertagen für so ziemlich alles, was über Bildschirme und Leinwände flimmert.

Als Dr. Kelson und Alpha-Zombie Samson bilden Ralph Fiennes und Chi Lewis-Parry das unerwartete emotionale Zentrum von „28 Years Later 2: The Bone Temple“. Im Interview mit FILMSTARTS geben die beiden Stars Einblicke in den Prozess dahinter.

Wie es sich für einen guten Zombiefilm gehört, zeigt „28 Years Later 2: The Bone Temple“ noch mehr als der Vorgänger, dass die wahren Monster nicht die Infizierten, sondern die gewöhnlichen Menschen sind. Dabei gibt es jedoch einen unerwarteten menschlichen Kontrast zum mörderischen Treiben von Antagonist Jimmy Crystal und seinen Handlangern. Die Beziehung von Dr. Kelson und dem von ihm Samson getauften Alpha-Zombie wird vertieft und schlägt eine überraschende Richtung ein.

Dass das so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt an den beiden Darstellern Ralph Fiennes und Chi Lewis-Parry. Im Gespräch mit FILMSTARTS geben die beiden Schauspieler spannende Einblicke in ihre Rollen, die magische Zusammenarbeit am Set und die philosophischen Fragen, die der Film aufwirft. Dabei geht es aber nicht nur um die Abgründe der menschlichen Natur, sondern auch um die Hoffnung auf Besserung...

Auch im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt ein Herz und eine Seele: Chi Lewis-Parry und Ralph Fiennes Sony Pictures
Auch im Gespräch mit FILMSTARTS-Redakteur Markus Trutt ein Herz und eine Seele: Chi Lewis-Parry und Ralph Fiennes

FILMSTARTS: Die Beziehung zwischen euren Figuren ist eine ziemlich einzigartige. Welche Rolle hat das dabei gespielt, euch davon zu überzeugen, Teil dieser Filme zu werden, die sich doch stark vom üblichen Zombie-Einerlei unterscheiden?

Ralph Fiennes: Die Drehbücher von Alex Garland waren sehr klug geschrieben. Sie fühlten sich überhaupt nicht wie irgendein billiger Horrorfilm an. Der Detailgrad, die Intelligenz und die Figurenentwicklung in Alex’ Texten sind sofort sehr anziehend. Dadurch wird das ganze Infizierten- bzw. Zombie-Thema eher zweitrangig gegenüber viel größeren Themen über Menschlichkeit und das Überleben der Menschheit.

Es ist eine Art Kommentar auf die beängstigende Richtung, in die wir uns als Spezies bewegen und die beängstigende Welt, in der wir leben, in der Kriege nicht aufhören und jeden Tag schreckliche Dinge geschehen. Wir sitzen hier bequem in diesem Hotel, aber das, was im Sudan passiert, die Grauen, Vergewaltigungen und Morde, die Gewalt in der Ukraine, das schreckliche Leid in Gaza und die Gewalt auf den Straßen. Dieses Etwas im Menschen, dieser Zwang, mit Hass zu zerstören. Alex arbeitet diese Ideen durch und zeigt auf, wo es die Chance auf etwas Mitgefühl, Freundlichkeit und Heilung gibt.

28 Years Later 2: The Bone Temple
28 Years Later 2: The Bone Temple
Starttermin 15. Januar 2026 | 1 Std. 50 Min.
Von Nia DaCosta
Mit Ralph Fiennes, Jack O'Connell, Alfie Williams
User-Wertung
3,7
Filmstarts
4,0
Vorführungen (2)

FILMSTARTS: Es fällt in dem Zusammenhang im Fall auch der Satz: „Niemand ist Satan. Wir sind es selbst.“ Gerade Jimmy Crystal erinnert mich sehr an bestimmte Menschen in unserer heutigen Gesellschaft. Er ist ein totaler Idiot, aber ein gefährlicher, und dennoch mit einem tragischen Hintergrund. Ist es möglich, selbst bei solchen Figuren und Menschen Empathie zuzulassen?

Ralph Fiennes: Das ist wirklich sehr schwer. Wir sehen im ersten Film, wie er als Kind traumatisiert wurde. Ich glaube, es ist wahrscheinlich eine Binsenweisheit, das zu sagen, aber natürlich entwickeln sich die meisten wütenden, gewalttätigen, grausamen Temperamente oder Charaktere aus irgendeiner Störung in der Kindheit.

Chi Lewis-Parry: Ich persönlich gebe mein Bestes, selbst die dunkelsten Menschen nicht zu verurteilen und auch nicht ihre Gründe für ihr Handeln, weil man einfach keine Ahnung hat, was sie erlebt oder gesehen haben. Ich versuche, empathisch zu sein gegenüber dem, was ich als ihr Leiden bezeichnen würde. Sie zeigen ein sehr schlechtes Verhalten, das vielleicht auf etwas zurückgeht, das ihnen widerfahren ist. Und ich versuche, es einfach zu verstehen. Das heißt nicht, dass mir das immer gelingt, aber ich versuche es. Ich gebe ihnen immer einen Vertrauensvorschuss.

Empathie auch für Monster?

FILMSTARTS: Das passt auch gut zur Botschaft des Films. Es gibt da eine große Menschlichkeit an einem unerwarteten Ort, nämlich in der Beziehung zwischen euren beiden Figuren. Wie seid ihr an diese Beziehung herangegangen? War das ein gemeinsamer Prozess oder hat jeder für sich gearbeitet und ihr habt es dann vor der Kamera zusammen entwickelt?

Chi Lewis-Parry: Der Prozess war so: Ralph hat eine Energie, ich habe eine Energie, und wir schwingen auf derselben Frequenz und haben uns einfach verstanden. Ich wünschte, ich könnte sagen, wir saßen zusammen mit einem Buch und haben alles genau aufgeschrieben, so nach dem Motto: So machen wir das. Aber wir haben einfach gevibt. Und daraus ist eine gewisse Magie entstanden, die, glaube ich, sehr selten ist. Und ich schätze ihn als Mensch außerhalb dieses Films ungemein. Ich bin so stolz, die Gelegenheit gehabt zu haben, ihn kennenzulernen, geschweige denn, mit ihm in diesem wunderbaren Film den Raum zu teilen.

Dr. Kelson und Samson verbindet eine wunderbare Freundschaft Sony Pictures
Dr. Kelson und Samson verbindet eine wunderbare Freundschaft

FILMSTARTS: Chi, im ersten Film war deine Figur Samson diese absolute Naturgewalt, was wir auch am Anfang dieses Films sehen. Doch dann gibt es diesen Wechsel, diesen Kontrast. Er wird immer zärtlicher, natürlich auch dank Dr. Kelson. Wie hast du das in dieser speziellen Figur gefunden, und wie war es, diese Transformation zu spielen?

Chi Lewis-Parry: Es war eine wunderbare Transformation. Es war wichtig, dass seine Körperlichkeit weiterhin präsent bleibt. Das ist es ja, was ihn im ersten Film so wirkungsvoll gemacht hat. Aber ich musste einen Weg finden, diese Körperlichkeit zu kontrollieren, aber gleichzeitig noch eine gewisse Bedrohung zu zeigen. Das war die Herausforderung. Doch es war nicht schwer wegen meines tollen Tanzpartners hier. Wir spielen uns die Bälle sehr gut zu. Es ist, als würde man in einen Spiegel schauen. Ich denke dann: Okay, das ist die Energie, die du mir gibst. Gut, dann ist das die Energie, die ich dir zurückgebe. Und das kann etwas Neues und Frisches inspirieren, oder auch nicht. Und dann bleiben wir komplett beim Drehbuch. Aber Nia hat uns die Freiheit gegeben, genau das auszuprobieren.

Die Kamera als Geschichtenerzähler

FILMSTARTS: Ihr habt diese zärtlichen Momente und auch lustige Szenen zusammen. Wie schafft man es, das mit diesen Figuren zu erreichen, ohne dass es lächerlich wirkt? Ist das etwas, wofür man am Set schon ein Gefühl bekommt, oder etwas, bei dem man sagt: Das regeln sie später im Schneideraum?

Ralph Fiennes: Man muss vertrauen. Man muss so sehr wie möglich in der Szene sein und sich ganz auf sie einlassen, sich mit seinem ganzen Wesen, seiner ganzen Vorstellungskraft auf die Realität der Szene einlassen und darauf vertrauen, dass der Regisseur und der Kameramann ein gutes Gespür haben. Die Kamera ist dabei der entscheidende Mitspieler, denn eine sensible Kameraführung, die Kameraposition, ist ebenso sehr ein Geschichtenerzähler und Teilnehmer. Das Bild selbst und wie es dann montiert wird, ist entscheidend. Denn wenn man es am Drehtag mit bloßem Auge betrachtet, kann es durchaus lächerlich wirken.

Aber ich bin immer wieder erstaunt darüber, was Bildausschnitt und Linse bewirken: durch Rahmung, durch Winkel, durch das, was sie zeigen und was sie verbergen. All das trägt zu dem Geheimnis bei, welches Bild man erschafft. Viele Szenen, die Schauspieler spielen, würden mit bloßem Auge vielleicht flach, undramatisch oder lächerlich wirken. Aber wenn die Schauspieler eine innere Integrität gegenüber den Bedürfnissen der Szene haben, dann muss die Kamera einfach am richtigen Platz sein.

„28 Years Later: The Bone Temple“ läuft seit dem 15. Januar 2026 in den deutschen Kinos. Und falls ihr den Film schon gesehen habt und euch nun fragt, wie es im bereits bestätigten „28 Years Later 3“ weitergehen wird, schaut doch einfach noch in den folgenden Artikel:

Das Ende von "28 Years Later 2: The Bone Temple" erklärt: Kommt es zu dem Comeback, auf das alle gehofft haben?
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