Endlich im Streaming-Abo: Dieser Thriller ist gerade brandaktuell - ein schonungsloser Blick auf den Krieg gegen Drogen
Björn Becher
Björn Becher
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Seit mehr als 20 Jahren schreibt Björn Becher über Filme und Serien. Hier bei FILMSTARTS.de kümmert er sich um "Star Wars" - aber auch um alles, was gerade im Kino auf der großen Leinwand läuft.

Vor über 25 Jahren zeichnete „Traffic – Macht des Kartells“ ein eindrucksvolles Bild des aussichtslos erscheinenden Kampfes gegen die Drogen. Viel hat sich getan – und so ist es Zeit für eine aktualisierte Version, die es nun im Streaming-Abo gibt.

Der sogenannte „Krieg gegen Drogen“ hat in den vergangenen Jahren eine neue, noch tödlichere Dimension erreicht. Fentanyl hat Heroin fast vollständig verdrängt – nicht nur, weil es billiger und leichter zu schmuggeln ist, sondern weil seine Wirkung verheerend ist. Die Zahl der Überdosierungen ist explodiert, die Fentanyl-Intoxikation gilt inzwischen als häufigste Todesursache unter US-Amerikaner*innen zwischen 18 und 45 Jahren.

Genau hier setzt „King Ivory“ an. Über zwei Jahrzehnte nach Steven Soderberghs „Traffic – Macht des Kartells“ versucht Regisseur John Swab, erneut alle Seiten des amerikanischen Drogenproblems zu beleuchten – aus Sicht von Ermittlern, Dealern, Kartellen und Konsument*innen.

Nachdem das Thriller-Drama bereits 2024 seine Weltpremiere bei den Filmfestspielen in Venedig feierte und dann im Mai 2025 in die deutschen Kinos kam, gibt es ihn ab sofort auch endlich im Streaming-Abo. „King Ivory“ ist ab heute bei WOW verfügbar.

Viele Perspektiven, ein großes Vorbild

Swab orientiert sich sehr deutlich an Soderberghs Klassiker – teils sogar zu deutlich. Er kopiert sogar einige Handlungselemente fast eins zu eins – ohne allerdings die Klasse des Originals zu erreichen. Die Erzählstruktur ist nämlich deutlich verworrener, während die Verknüpfungen zwischen den Figuren oft forcierter wirken. Trotzdem ist der Film durchaus sehenswert, gerade weil er so aktuell ist.

Im Zentrum stehen der Cop Layne West (James Badge Dale) und sein Partner Beatt (Rory Cochrane), die in Tulsa täglich gegen Dealer vorgehen – während West übersieht, dass sein eigener Sohn immer tiefer in den Drogensumpf rutscht. Parallel kontrolliert Ramón Garza (Michael Mando) für das Kartell den Import, während im Hintergrund Gangsterboss Holt Lightfeather (die 2025 verstorbene „Der mit dem Wolf tanzt“-Legende Graham Greenein einer seiner letzten Rollen) aus dem Gefängnis heraus die Fäden zieht.

Ein Film, der wenig Hoffnung gibt

Schon in der offiziellen FILMSTARTS-Kritik stelle ich fest, dass jederzeit spürbar ist, wie sehr sich Swab um Authentizität bemüht. Da nimmt sich der Filmemacher auch mal Zeit, Dinge zu zeigen, ohne zwingend die Handlung voranzutreiben. So entstehen immer wieder starke Momente, die wie Momentaufnahmen aus einem realen Alltag wirken, etwa wenn der Kleindealer Lago (David De La Barcena) schlicht durch die Stadt fährt und Junkies beliefert.

Allerdings kollidiert dieser Anspruch teilweise mit aufgesetzt agierenden Figuren und den sehr konstruierten Verbindungen zwischen den zahlreichen Erzählsträngen. Trotzdem überwiegt am Ende der schonungslose Blick auf eine Lage, die seit dem Dreh des Films noch an Dramatik gewonnen hat und noch aktueller ist. Dazu passt auch der Grundton des Thriller-Dramas: Während „Traffic“ den Krieg gegen Drogen als aussichtslos, aber menschlich komplex schilderte, fällt „King Ivory“ – und das passt vielleicht in die heutige Zeit – deutlich pessimistischer aus.

Der starke Cast von "King Ivory"

Der größte Trumpf von „King Ivory“ ist sein Ensemble. Auch wenn das Skript mal schwächelt, gelingt es den Darsteller*innen, ihren Figuren Gewicht zu verleihen. Besonders gilt dies für Ben Foster („Hell Or High Water“), der als irischer Killer für das Kartell kaum wiederzuerkennen ist und mit seiner Präsenz jeder seiner Szenen eine bedrohliche Energie verleiht. Auch die Shootouts entfalten Wirkung – vor allem, weil Gewalt hier roh und wenig heroisch inszeniert ist.

„King Ivory“ hat so am Ende seine größten Stärken als harter Genre-Stoff. Gerade wenn die verschiedenen Erzählstränge endgültig zusammenlaufen, entwickelt das Thriller-Drama nach etwas zähem Beginn nämlich auch spürbar Spannung. Eine Thriller-Empfehlung gibt es derweil im folgenden Artikel:

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