Heute Abend streamen: Der beste Film der "Fargo"- und "No Country For Old Men"-Macher, den ihr nicht kennt!
Oliver Kube
Oliver Kube
-Freier Autor & Kritiker
Oliver Kubes bevorzugte Filmemacher*innen sind David Fincher, David Lynch, Martin Scorsese, Paul Thomas Anderson, Christopher Nolan, Stanley Kubrick, Quentin Tarantino, Joel Coen, Joachim Trier, Kathryn Bigelow sowie Steve McQueen.

Klar, „Fargo“, No Country For Old Men“ oder „The Big Lebowski“ kennen und lieben wir (fast) alle, oder? Für den heutigen Abend möchte euch FILMSTARTS-Autor Oliver Kube aber ein viel weniger bekanntes Werk der Coen-Brüder empfehlen.

Direkt zwischen dem überdrehten Crime-Spaß „Burn After Reading“ mit Brad Pitt und ihrem grandiosen Western-Epos „True Grit“ mit Jeff Bridges und Matt Damon realisierten die Coen-Brüder ein deutlich kleineres und ruhigeres Projekt, das längst nicht so viel Aufmerksamkeit erhielt und heutzutage fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist: „A Serious Man“. Ich finde diesen Umstand sehr bedauerlich. Denn für mich zählt das mit viel schwarzem Humor gewürzte Charakterporträt zu den besten Arbeiten des genialen Filmemacher-Duos. Schaut es euch am Abend doch einfach mal an. Vielleicht seid ihr ja derselben Ansicht.

A Serious Man“ könnt ihr aktuell ohne Aufpreis im Rahmen eures Flatrate-Abos bei Amazon Prime Video streamen. Alternativ ist der FSK-12-Titel auch als Blu-ray oder DVD* erhältlich.

"Warum passiert mir das alles?"

Wie häufig in den Filmen von Joel und Ethan Coen dreht es sich auch in „A Serious Man“ um Geld. Oder eher um das Fehlen desselben und die verzweifelten Dinge, die Menschen tun, um diesen Umstand irgendwie zu beheben. Eigentlich geht es aber – ebenfalls wie so gut wie immer bei den Brüdern – natürlich um die Charaktere und ihre Entwicklung im Laufe der Handlung. Und einmal mehr haben die Coens hier ein wunderbar exzentrisches Sammelsurium an Figuren für uns zusammengestellt, das von einem erstklassigen Ensemble zum Leben erweckt wird.

Die Titelrolle von „A Serious Man“ spielt einer der meiner Meinung nach besten Charakterdarsteller Hollywoods: Michael Stuhlbarg, den ihr unbedingt auch mal in Martin Scorseses brillanter Gangster-Serie „Boardwalk Empire“ erleben solltet. Die Leistung des Kaliforniers ist hier einfach fantastisch. Was Stuhlbarg alles mit Augen, Gestik und Körperhaltung an Emotionen und Gedanken zu vermitteln mag, ist enorm – da braucht es keinerlei erklärende Dialoge oder Kommentare aus dem Off. An seiner Seite erwarten euch zudem unter anderem Richard Kind („Only Murders In The Building“), Fred Melamed („Barry“), Sari Lennick („Café Society“), Simon Helberg („The Big Bang Theory“), Adam Arkin („Chicago Hope“), „Spaceballs“-Veteran George Wyner sowie der unvergleichliche Fyvush Finkel aus den Serien-Highlights „Picket Fences“ und „Boston Public“.

A Serious Man
A Serious Man
Starttermin 21. Januar 2010 | 1 Std. 45 Min.
Von Joel Coen, Ethan Coen
Mit Michael Stuhlbarg, Sari Lennick, Richard Kind
Pressekritiken
4,8
User-Wertung
3,5
Filmstarts
4,0
Im Stream

Die Coens beherrschen die Kunst des Slowburn-Spannungsaufbaus und die Integration verschiedenster Charaktere in diesen wie niemand sonst – „A Serious Man“ ist dafür eines der besten Beispiele. Der Film ist um einiges persönlicher und nachdenklicher als sein Vorgänger „Burn After Reading“ geraten. Je tiefer die Hauptfigur in ein Gefühl der Hoffnungslosigkeit versinkt, desto düsterer werden auch die Bilder von Kameralegende Roger Deakins („1917“, „Blade Runner 2049“). Und die Brüder sind dabei mutig genug, sich von ihrem zuvor etablierten Ton und der simplen Vorstadt-Atmosphäre zu entfernen. So wandelt sich die schwarze Komödie ab einem bestimmten Punkt in der Geschichte plötzlich in eine moderne Allegorie, in deren Rahmen der Held abwechselnd in die Rollen von Hiob, Saul, David und anderer Figuren aus der Mythologie des Judentums schlüpft – Gewissenskrisen, zwielichtige Ratgeber und einen bösen Totengeist inklusive. All dies ist ohne große religionsgeschichtliche Vorkenntnis wunderbar zu genießen.

Die zentrale Frage der Handlung scheint zu sein: „Warum widerfahren guten Menschen schreckliche Dinge?“ Die Coens beantworten sie mit philosophischer Cleverness, einer Prise Zynismus und subtil-absurdem, dann wieder staubtrockenem Humor. Dabei lassen sie sympathischerweise jegliche Belehrung, Stichelei oder Gemeinheit einfach weg, die sich viele ihrer Kolleg*innen sicher kaum hätten verkneifen können. Dadurch wird das Ganze nicht nur sehr unterhaltsam, sondern erhält auch einen angenehm versöhnlichen Beigeschmack. Gags zum schenkelklopfenden Losbrüllen solltet ihr hier lieber nicht erwarten. Dafür aber einen Film, der euch auch noch Tage später immer wieder einmal zum Lächeln oder vielleicht auch zum Nachdenken bringen wird.

"A Serious Man": Das ist die Story

Minnesota, Ende der 1960er: Larry Gopnik (Michael Stuhlbarg) ist Professor für Physik und Mathematik an einer Provinz-Uni und führt eigentlich ein echtes Bilderbuchleben in der Vorstadt. Doch dann bricht seine heile Welt plötzlich in sich zusammen. Seine Ehefrau Judith (Sari Lennick) will die Scheidung und die Polizei ist auf die illegalen Glücksspiele seines auf Larrys Couch schlafenden Bruders Arthur (Richard Kind) aufmerksam geworden.

Mit seinem Sohn Danny (Aaron Wolff) hat Larry derzeit auch nicht nur Freude. Denn der Teenager hat Marihuana und die Rockmusik für sich entdeckt, weswegen er die Schule komplett vernachlässigt. Und dann wäre da noch sein Sonnenschein, Tochter Sarah (Jessica McManus), die einen Haufen Geld aus seiner Brieftasche gemopst hat, um sich ihre Nase verkleinern zu lassen.

Obendrein erhält Larry in letzter Zeit kryptische Drohbriefe von einem anonymen Absender, während der Typ (Peter Breitmayer) von nebenan versucht, sich dreist mehr und mehr Quadratmeter seines Grundstücks anzueignen. Darüber hinaus hat nun auch noch die extrem attraktive Nachbarin (Amy Landecker) auf der anderen Seite des Gartens damit begonnen, sich täglich nackt zu sonnen. Irgendwann ist das alles einfach zu viel für den frommen Mann, und er fragt sich, warum Gott ausgerechnet ihn solchem Druck von verschiedensten Seiten aussetzt…

Um ein hochinteressant klingendes, aber leider nie realisiertes Projekt der Coen-Brüder geht es im folgenden Artikel:

"Der entscheidende Film, den ich nie drehen konnte": Brad Pitt verzichtete für "Troja" auf ein potenzielles Meisterwerk – und änderte seine gesamte Karriere

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