Berlinale: Zum ersten Mal seit "Gegen die Wand" vor 22 Jahren geht der Goldene Bär an einen deutschen Film!
Christoph Petersen
Christoph Petersen
-Chefredakteur
Schaut 800+ Filme im Jahr – immer auf der Suche nach diesen wahrhaftigen Momenten, in denen man dem Rätsel des Menschseins ein Stück näherkommt.

In diesem Jahr haben insgesamt 22 Filme im offiziellen Wettbewerb um die Bären konkurriert. Der österreichische Beitrag „Rose“ war als großer Favorit gehandelt worden, musste sich aber einem der drei deutschen Beiträge geschlagen geben ...

Nach zehn Tagen Festival hat die siebenköpfige Jury entschieden, welche der 22 Filme im offiziellen Wettbewerb einen Silbernen oder gar den Goldenen Bären erhalten sollen. Angeführt wurde die Jury in diesem Jahr vom großen deutschen Regisseur Wim Wenders (Gewinner der Goldenen Palme 1984 für „Paris, Texas“).

Ebenfalls Teil der Jury waren der nepalesische Regisseur und Produzent Min Bahadur Bham („Shambala“), die südkoreanische Schauspielerin Bae Doona („Broker“), der indische Regisseur und Archivar Shivendra Singh Dungarpur, der US-amerikanische Regisseur Reinaldo Marcus Green („Bob Marley: One Love“), die japanische Regisseurin Hikari („Beef“) und die polnische Produzentin Ewa Puszczyńska („The Zone of Interest“).

Der Goldene Bär für den Besten Film …

… geht an „Gelbe Briefe“ von İlker Çatak (oscarnominiert für „Das Lehrerzimmer“)

Wir vergeben für den Film: 4 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Gelbe Briefe“: İlker Çatak erzählt vom (Über-)Leben in einer autokratischen Gesellschaft, aber nicht didaktisch oder moralisch, sondern schmerzhaft ehrlich – und so zieht sich die Schlinge nicht nur für die Familie im Zentrum, sondern auch fürs Publikum unaufhaltsam zu.

Der Silberne Bär für den Großen Preis der Jury (Platz 2) …

… geht an „Salvation“ von Emin Alper

Wir vergeben für den Film: 3,5 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik: „Salvation“ zeigt eindrücklich, wie sich Hass, Wut, Paranoia und (Aber-)Glaube zu einer unausweichlich scheinenden Gewalteruption sondergleichen hochschaukeln. Emin Alpers ungebrochener Hang zu schönen Bildern bremst seine erschreckend aktuelle Erzählung vor allem in der zweiten Hälfte allerdings wiederholt aus.

Der Silberne Bär für den Preis der Jury (Platz 3) …

… geht an „Queen At Sea“ von Lance Hammer

Wir vergeben für den Film: 3,5 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik: Obwohl der grandios gespielte „Queen At Sea“ für ein Demenz-Drama mit einer auffällig zugespitzten Prämisse aufwartet, überzeugt der Film vor allem deshalb, weil er im weiteren Verlauf gerade nicht überdramatisiert, sondern reif, ehrlich und angemessen ambivalent davon erzählt, wie die tückische Krankheit Angehörige, Behörden und Einrichtungen trotz bedingungsloser Liebe und bester Absichten gnadenlos überfordern kann. Ein Film ohne definitive Antworten, bei dem sich der Autor, Regisseur und Editor Lance Hammer nur ganz am Ende dazu verleiten lässt, seinem Publikum einen möglichst stimmigen Abschluss zu bescheren – da wirkt der Film auf den letzten Metern plötzlich doch noch spürbar „gebaut“.

Der Silberne Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Hauptrolle …

… geht an Sandra Hüller für „Rose

Wir vergeben für den Film: 4,5 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Rose“: In seinem lose auf historischen Fakten basierenden Drama „Rose“ erzählt Markus Schleinzer in stilisierten Schwarz-weiß-Bildern und mit einer perfekt besetzten Sandra Hüller von einer Frau, die sich als Mann ausgibt. Die zwar lügt und betrügt, dies aber nicht aus niederen Instinkten, sondern um ein Maß an Freiheit zu gewinnen, dass die Welt, in der sie lebt, ihrem Geschlecht ansonsten verwehrt.

Der Silberne Bär für die Beste Schauspielerische Leistung in einer Nebenrolle …

… geht an Anna Calder-Marshall und Tom Courtenay für „Queen At Sea

Wir vergeben für den Film: 3,5 von 5 Sternen (siehe oben, da der Film ebenfalls den Preis der Jury gewonnen hat)

Der Silberne Bär für die Beste Regie …

… geht an Grant Gee für „Everybody Digs Bill Evans

Wir vergeben für den Film: 3,5 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Everybody Digs Bill Evans“: Gerade weil die bis heute nie wirklich aufgeklärte, mehrmonatige Leerstelle in der Biografie des titelgebenden Ausnahme-Jazzpianisten nicht allzu konkret aufgefüllt wird, gelingt dem erfahrenen Musik-Dokumentarfilmer Grant Gee ein stark besetztes Spielfilmdebüt, das nur bei seinen Sprüngen an die Lebensenden seiner Protagonist*innen den Bogen unnötig überspannt.

Der Silberne Bär für das Beste Drehbuch …

… geht an Geneviève Dulude-De Celles für „Nina Roza

Wir vergeben für den Film: 3 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Nina Roza“: Absolut solides Rückkehr-in-die-Heimat-Drama, das im weiteren Verlauf aber längst nicht so originell ist, wie es die ins Auge springende Prämisse um ein achtjähriges Wunderkind vermuten ließe.

Der Silberne Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung …

… geht an Anna Fitch für „Yo - Love Is A Rebellious Bird

Wir vergeben für den Film: 3,5 von 5 Sternen

Das Fazit der offiziellen FILMSTARTS-Kritik zu „Yo - Love Is A Rebellious Bird“: Ein außergewöhnlicher Film über einen außergewöhnlichen Menschen, selbst wenn die eigene Kunst der rebellischen Protagonistin auffällig kurz kommt.

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