Dass sich Quentin Tarantino sich gern einmal um Kopf und Kragen redet, ist keine Neuigkeit. Selten jedoch kommt dabei eine persönliche Betroffenheit zum Vorschein, wie es in dem Gespräch mit dem französischen Großmeister Bertrand Tavernier der Fall war. Der Journalist und Autor Justin Decloux veröffentlichte eine ins Englische rückübersetzte Konversation zwischen den beiden Regiegrößen, die 2008 zunächst nur in einem französischen Interview-Band von und mit Tavernier erschien, 2021 online.
Erschienen war das Gespräch erstmals im französischen Magazin Positif (Ausgabe 499). In dem ausschweifenden Gespräch kommen die beiden, nachdem sie zuvor frei assoziierend vom französischen Gangsterfilm zum Spätwerk bedeutender Filmemacher wie John Ford, Alfred Hitchcock und Billy Wilder übergegangen waren, unter anderem auch auf John Huston zu sprechen. Die Regie-Legende ist bekannt für die Humphrey-Bogart-Klassiker „Die Spur des Falken“, „Der Schatz der Sierra Madre“, „Gangster in Key Largo“ und „African Queen“, aber auch die 50er-Jahre-Verfilmung des Literatur-Klassikers „Moby Dick“. Tarantino hält mit seiner Meinung über den Filmemacher dabei überhaupt nicht hinterm Berg.
Darum kann Quentin Tarantino nichts mit Regie-Legende John Huston anfangen
Konkret auf ihn angesprochen, erklärt Tarantino: „Ich bin kein Superfan von Huston. Ich habe wenig Respekt vor einer Karriere, die ich als chaotisch empfinde.“ Die Unbeständigkeit, die Tarantino in Hustons Werk ausmacht, lässt ihn dann zu folgendem Schluss gelangen: „Wenn ich jemandem nicht vertrauen kann, dann kann ich seine Karriere nicht respektieren.“ Und er könne John Huston schlicht deshalb nicht respektieren, weil „zu viele seiner Filme schrecklich sind.“
Zudem — und hier klingt Tarantino, als gehe es ihm ums Prinzip — störte sich Tarantino an Hustons ausschweifenden Lebensstil. Er habe im Laufe der Zeit das Interesse daran verloren, ein wahrer „Cineast“ zu sein. Etwa durch Pokerabende, an denen Huston seine Ländereien in Irland verspielte. „Er hätte ein Künstler sein können“, so Tarantino, aber letztlich sei er ein „Macho-Typ“ gewesen, „der mehr daran interessiert war, Elefanten zu töten oder beim Kartenspielen zu gewinnen, als Kunst zu machen. Sorry.“
In gewisser Weise erzählt uns dieser Gesprächsausschnitt eine ganze Menge über Tarantinos Persönlichkeit, allem voran das Berufsethos, das Tarantino an seine eigene Zunft anlegt. Doch wer wer austeilt, muss auch einstecken können: 2013 geriet Tarantino selbst einmal ins Feuer einer besonders kuriosen Kritik - vorgetragen von besonders unerwarteter Stelle. Worum es sich dabei handelt, erfahrt ihr hier:
"Der rassistischste Film, den ich je gesehen habe": Dieser Quentin-Tarantino-Hit bekam Kritik von unerwarteter Stelle!