Mit über 850.000 verkauften Tonträgern und mehr als 2,3 Millionen monatlichen Hörer*innen auf Spotify steht außer Frage, dass Haftbefehl längst zu den allergrößten Stars der deutschen Rap-Szene zählt. Doch der gebürtige Offenbacher ist weit mehr als nur ein erfolgreicher Musiker – er ist ein kulturelles Phänomen. Haftbefehl hat nicht nur einen unverwechselbaren Sound, sondern auch einen ganz eigenen Sprach- und Stilkosmos geschaffen, der den deutschen Sprachgebrauch nachhaltig geprägt hat: Dank ihm wissen heute alle Chabos, wer der Babo ist.
Das von Exzessen geprägte Rockstar-Leben, das Haftbefehl seit jeher führt, hat jedoch auch seine dunklen Seiten. In der heute auf Netflix startenden Dokumentation „Babo – Die Haftbefehl Story“ wird nicht nur Haftis künstlerischer Einfluss und sein Verdienst für den Deutschrap beleuchtet, sondern auch die Abgründe, in die ihn seine massiven Drogenprobleme gestürzt haben – Probleme, die ihn bereits mehrfach an den Rand des Todes gebracht haben.
Das ist "Babo – Die Haftbefehl Story":
Produziert von Elyas M’Barek („Fack Ju Göhte“) und inszeniert von Juan Moreno sowie Sinan Sevinc, lässt die Dokumentation Weggefährt*innen und Kolleg*innen (unter anderem der verstorbene Xatar, Jan Delay oder Niko Backspin) den enormen Stellenwert Haftbefehls für die deutsche Raplandschaft verdeutlichen. Der Trailer zeigte aber schon, dass die Doku nicht nur den glanzvollen, sondern auch den schmerzhaften und zutiefst menschlichen Seiten des Rappers Raum gibt.
Neben Haftbefehls Brüdern und engsten Freund*innen kommt auch seine Frau Nina zu Wort. Offen spricht sie über das schwierige Doppelleben ihres Mannes – über den inneren Konflikt zwischen fürsorglichem Familienvater und selbstzerstörerischem Rap-Superstar, den Haftbefehl nie wirklich bewältigen konnte. Er selbst sagt in der Doku: „Wenn es um die Kunst geht, ist mir alles egal.“ Schon zweimal lag er bereits im Koma, ausgelöst durch seinen exzessiven Drogenkonsum – und entging dem Tod damit nur um Haaresbreite.
Doch die Dokumentation versucht auch, zu ergründen, wie Haftbefehl zu dem Menschen wurde, der er heute ist. Sie beleuchtet seine Kindheit, seine Herkunft und vor allem die schwierige Beziehung zu seinem Vater, einem mutmaßlichen Drogendealer und Mafioso, der sich schließlich das Leben nahm. Ein traumatisches Ereignis, von dem sich Haftbefehl bis heute nicht vollständig erholt hat.
Falls ihr auf Netflix gerade „A House Of Dynamite“ gesehen habt und ein wenig vom Ende des Filmes irritiert, frustriert oder gar verärgert seid, solltet ihr den nachfolgenden Artikel unbedingt lesen:
Das Ende von "A House Of Dynamite" verärgert das Netflix-Publikum – dabei sind die letzten Minuten genial!