Anfang der 2010er-Jahre bestand das Hollywood-Action-Kino vor allem aus Superhelden-Filmen, die spätestens seit „Iron Man“ und „The Dark Knight“ einen echten Boom erlebten, weiteren High-Budget-Produktionen wie „Fast & Furious 5“, „Mission Impossible 4“ und „James Bond: Skyfall“, die mit weltumspannenden Abenteuern und irrwitzigen Stunts aufwarteten, sowie diversen kleineren Spionage- und Rache-Thrillern, die sich allesamt am zehn Jahre vorher etablierten Shaky-Cam-Stil der „Bourne“-Filme abarbeiteten. Besonders im Mid-Budget-Bereich fehlte aber frischer Wind, bis 2014 mit „John Wick“ der vielleicht einflussreichste Action-Film der letzten zehn Jahre erschien.
Derzeit kann der FSK-16-Actioner ganz unkompliziert bei Netflix geschaut werden, mit Betonung auf „derzeit“. Denn tatsächlich ist „John Wick“ nur noch bis einschließlich 21. November 2025 bei Netflix abrufbar. Alternativ gibt es denn Film weiterhin bei Joyn PLUS+ sowie natürlich als VoD und auf DVD und Blu-ray* bei Anbietern wie Amazon.
Darum geht's in "John Wick"
John Wick (Keanu Reeves) ist ein legendärer Auftragskiller, der seinen Job aufgab, um ein ruhiges Leben mit seiner Frau (Bridget Moynahan) zu führen. Als diese jedoch an einer Krankheit stirbt, hinterlässt sie ihm einen kleinen Hundewelpen. Der Vierbeiner ist alles, was John im Leben hat, doch dann wird auch dieser getötet – von Iosef (Alfie Allen), dem einfältigen Sohn des mächtigen Gangsterbosses Viggo Tarasov (Michael Nyqvist).
Viggo weiß, dass Iosef damit sein eigenes Grab geschaufelt hat. Verzweifelt schickt er dem auf Rache sinnenden John Wick jede Menge seiner Schergen auf den Hals, um seinen Sohn zu retten. Doch niemand scheint es mit diesem wiedererweckten Todesengel aufnehmen zu können...
Die Renaissance des Gun-Fu
Wer hätte gedacht, dass ein Film, der von einem Mann handelt, der seinen Hund rächen will, innerhalb kürzester Zeit zum Kult-Klassiker avancieren würde? Dabei ist „John Wick“ vor allem aus zwei Gründen so faszinierend. Da wäre zum einen das für einen Action-Film ungewohnt durchdachte Worldbuilding. Hier gibt es eine ganze Subkultur an Auftragskillern mit eigenen gesellschaftlichen Regeln und Traditionen, die sich untereinander kennen, respektieren und fürchten.
Noch wichtiger ist jedoch die Action selbst, die im Gun-Fu-Stil inszeniert wurde. Dabei handelt es sich um eine Herangehensweise, die gleichermaßen auf Feuergefechte und Martial-Arts-Schlägereien setzt. Gun Fu hat seinen Wurzeln in Hong Kong und wurde vor allem aufgrund der Filme John Woos auch über die Landesgrenzen hinweg bei Action-Aficionados populär. Doch in Hollywood wurde das Subgenre, das mit besonders stylischen und akribisch durchchoreographierten Action-Sequenzen glänzt, lange Zeit sträflich vernachlässigt, wenn man mal von „Matrix“ und dessen Nachahmern absieht.
Während „Matrix“ seine Kampfeinlagen jedoch mit Superkräften und CGI-Effekten überstilisierte, zelebriert „John Wick“ Gun Fu in seiner reinsten Form. Alles, was der Titelheld macht, wäre wohl auch in der echten Welt physikalisch möglich. Doch die Perfektion und Effizienz, mit der John Wick seine Kills ausführt, ist es, die ihn zu einem fast übernatürlichen Wesen macht. Die Kämpfe im Action-Hit leben dabei von einer faszinierenden Dichotomie. Da wäre zum einen die kompromisslose Brutalität – John Wick verteilt kaltblütig Kopfschüsse wie am Fließband – auf der anderen Seite aber auch eine unglaublich ästhetische Inszenierung.
Selten war ein US-Actionfilm so stylisch und zugleich so brutal wie dieser Rache-Thriller. So pervers es klingen mag: „John Wick“ macht aus Massenmord etwas fast schon Erhabenes. Der Film ist keine plumpe Ballerorgie, sondern ein sorgfältiges arrangiertes Ballerballet, bei dem jede Bewegung präzise in die andere übergeht.
Mittlerweile ist die „John Wick“-Formel fest in Hollywood etabliert. Allein die beiden Regisseure Chad Stahelski und David Leitch wandten sie als Regisseure und Produzenten in den Folgejahren etliche weitere Male erfolgreich an: von „Atomic Blonde“ über „Nobody“ und „Kate“ bis hin zum Netflix-Film „Day Shift“. Nicht zu vergessen die „John Wick“-Reihe selbst, die bereits vier Hauptfilme sowie ein Serien- und ein Kino-Spin-off hervorgebracht hat. Doch auch bei Filmen, an denen die „John Wick“-Macher nicht beteiligt waren, wie etwa „Gunpowder Milkshake“ und „The Protégé“, ist der Einfluss der 2014 gestarteten Auftragskiller-Action deutlich zu spüren.
Das Keanu-Reeves-Vehikel ist also schon jetzt ein Stück Action-Geschichte. Ob es nach dem Erfolg der ersten vier Filme wirklich noch zu einem fünften Teil kommt, ist derweil weiterhin ungewiss. Reeves selbst klang hier zuletzt aber nicht wirklich optimistisch:
"Er ist tot": Keanu Reeves schiebt Fan-Hoffnungen auf "John Wick 5" einen Riegel vorDies ist eine aktualisierte Wiederveröffentlichung eines bereits auf FILMSTARTS erschienenen Artikels.
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