Die „Avatar“-Filme sind sehr außergewöhnliche Blockbuster. Nicht nur, weil sie so unglaublich erfolgreich sind und immer wieder neue technische Maßstäbe setzen. Sondern auch, weil sie ganz anderes als die meisten anderen großen Hollywood-Filme gedreht werden. Hier wird nämlich nur wenig mit richtigen Kameras an richtigen Sets oder Locations gedreht. Vielmehr entsteht der Großteil des Films, nämlich alle Szenen mit Na'vi oder Avataren, auf einer „Volume“ genannten Bühne mit den Stars in Performance-Capture-Anzügen.
Durch die Reduktion auf das Wesentliche ist Performance Capture für „Avatar“-Regisseur und Pandora-Mastermind James Cameron die beste und purste Form des Schauspielerns, im Vergleich zu regulären Filmdrehs oder der Theaterbühne, wie er in Interviews immer wieder zu Protokoll gegeben hat. Als wir die Stars von „Avatar 3: Fire And Ash“ in Paris zum Interview getroffen haben, wollten wir daher wissen, wie sie zu diesem Thema stehen.
Oona Chaplin: Performance Capture bringt "das Beste in uns zum Vorschein"
„Ich finde, die purste Form des Schauspiels ist es, die Wahrheit zu sagen und sich wirklich darauf zu konzentrieren. Und Performance Capture bietet dafür eine fantastische Leinwand“, stimmte etwa Varang-Darstellerin Oona Chaplin den Aussagen ihres Regisseurs zu. „Man kann sich komplett auf sein Spiel, auf die anderen Schauspieler, auf die Szene konzentrieren, ohne über die Kamera und so was nachzudenken. Vor allem mit einem Filmemacher wie James Cameron. Das bringt das Beste in uns zum Vorschein und ermöglicht die wahrhaftigsten Schauspielleistungen.“
Bei einem regulären Filmdreh sei man als Schauspielerin vor der Kamera hauptsächlich mit der Kamera beschäftigt, erklärte Oona Chaplin weiter, doch nicht bei einem Performance-Capture-Film wie „Avatar 3“: „Die wichtigste Beziehung für uns ist die mit den anderen Schauspielern und das ist ein großes Privileg […]. Und die Zeit, die wir jeder Szene widmen können!“
Sam Worthington wird bei normalen Filmen oft nervös
Jake-Sully-Darsteller Sam Worthington führte das noch etwas weiter aus: „Auf einem konventionellen Filmset gibt es zahlreiche Ablenkungen. Man muss immer auf das Tageslicht achten. Man stolpert über Kamerawagen. Es liegen Schienen. Und wenn wir bei einem konventionellen Film zu einer Nahaufnahme von mir übergehen, werde ich nervös, weil alle Augen auf mir ruhen. Bei Performance Capture ist man hingegen immer in einer Nahaufnahme, aber es könnte auch eine Totale sein. […] Das finde ich befreiend.“
Zur Erklärung: Bei Performance Capture wird wirklich nur die schauspielerische Leistung eines Stars aufgezeichnet und dann auf einen computergenerierten Avatar- oder Na'vi-Körper übertragen. Wie nah oder weit die Kamera in diesem Moment entfernt ist, ist also nicht unbedingt wichtig, ebenso wenig alles, was drumherum passiert.
So stünden dann nur noch der andere Schauspieler und der Regisseur im Mittelpunkt, fügte Worthingon noch an. „Das macht den Prozess nicht nur sehr intim, es ist auch sehr kreativ, weil man mehr Zeit damit verbringt, zum Kern einer Szene vorzudringen als mit all dem anderen Kram, der sonst zu den Formalitäten des Filmemachens gehört.“
Ein Evolution, aber keine Revolution?
Und Worthingtons Leinwand-Widersacher Stephen Lang ist Performance Capture zwar keine Revolution, wohl aber eine Evolution, wie er uns im Interview erklärte: „Konventionelles Filmemachen hat über die letzten 100 Jahre einige großartige Filme produziert. Es ist also kein Ersatz, sondern eine Evolution. Es gibt uns ein weiteres Werkzeug in unserem Arsenal, sowohl als Schauspieler als auch als Regisseur.“
Und Kiri-Darstellerin Sigourney Weaver räumt in ihrer Antwort mit dem großen Missverständnis rund um die „Avatar“-Filme auf: „Erstaunlicherweise glauben die Leute, dass wir etwas sehr Technologisches machen und das ist auch so, wenn es erst mal beim Publikum ankommt. Aber unser Prozess [als Schauspieler] ist wie eine sehr frühe Theaterprobe, wo man sich nicht um Licht und Kamerawinkel und Kostüme sorgen muss. Man kommt einfach in einer Art Ganzkörperanzug ans Set und findet mit den anderen Schauspielern und [James Cameron] zusammen heraus, worum es in der Szene geht.“
Während man bei regulären Filmdrehs als Schauspielerin schon wissen müsse, wie man eine Szene spielt und was man darin erreichen will, sei der Prozess bei Performance Capture viel fließender: „Man kann wie Wasser sein, man fließt in eine Szene, und wir arbeiten daran, bis wir alle das Gefühl haben, dass wir es gefunden haben. Es ist ein unglaubliches Privileg.“
Trotz der Lobgesänge von Cast und Crew auf die Perfomances in den „Avatar“-Filmen gab es übrigens bislang noch keine Oscar-Nominerungen in den Schauspiel-Kategorien. Auch dazu haben die Stars im Interview befragt:
"Es ist eine Schande": Die Stars von "Avatar 3" verraten uns, warum sie bisher noch keine Oscars gewonnen haben