Es war ein Jubiläumsjahr: Am 11. April 1988 wurden die Oscars zum 60. Mal feierlich verliehen und hatten einen besonderen Jahrgang erwischt. So räumte Bernardo Bertoluccis Epos „Der letzte Kaiser“ gleich in 9 Kategorien die begehrte goldene Statue ab. Musiklegende und Schauspielerin Cher nahm in einem glitzernden Hauch aus Nichts die Trophäe für ihre Performance in „Mondsüchtig“ entgegen. Und Michael Douglas wurde als bester Schauspieler für seine bis heute vielzitierte Rolle als Finanz-Fiesling Gordon Gekko in „Wall Street“ geehrt.
Doch ebendiesem Erfolg für „Wall Street“ ging eine herbe Klatsche voraus: Traditionell wird am Vorabend der Academy Awards-Gala der „Anti-Oscar“ alias die Goldene Himbeere (Golden Rasperries oder Razzies) verliehen. Und hier war eine der gefürchteten Razzies ebenfalls an eine als besonders schlecht beurteilte Performance aus „Wall Street“ gegangen…
"Ich hätte sie gehen lassen sollen…"
Es traf Daryl Hannah, die in „Wall Street“ Darien Taylor, die materialistische Freundin vom jungen aufstrebenden Börsenmakler Bud Fox (Charlie Sheen) mimte. Sie erhielt die Goldene Himbeere als schlechteste Nebendarstellerin, die sie, wie auch alle anderen Razzie-Ausgezeichneten im Jahr 1988, nicht abholte. Wer sich selbst von der Preis(un)würdigkeit von Daryl Hannahs wie auch Michael Douglas‘ Darbietungen überzeugen möchte, kann „Wall Street“ etwa bei Amazon Prime Video leihen oder kaufen – mit dem ALLSTARS-Channel, den ihr 7 Tage kostenlos testen könnt, geht das sogar ohne Zusatzkosten:
Doch allein an Daryl Hannah lag es wohl nicht, dass ihr Schauspiel schließlich negativ auffiel. In seiner 2020 erschienen Autobiographie „Chasing The Light“ räumte Regisseur Oliver Stone etwas Selbstüberschätzung seinerseits ein: „Daryl Hannah war mit ihrer Rolle unzufrieden, und ich hätte sie gehen lassen sollen. Nach einem Drehtag wollte mein gesamtes Team sie loswerden. Mein Stolz war so groß, dass ich immer wieder sagte, ich würde es schon hinbekommen.“
Immerhin kann sich Stone heute sagen, dass er mit diesem Fehler ein besonders kurioses Stück Filmgeschichte geschrieben hat: Bis heute ist „Wall Street“ der einzige Film, der sowohl mit einem Oscar als auch einer Goldenen Himbeere bedacht wurde.
Und Daryl Hannah, die in den Folgejahren zwei weitere Male für die Goldene Himbeere nominiert wurde (für „High Spirits“ und „Two Much“), konnte aufatmen, dass es bei diesem einen Razzie blieb, bevor sie sich schließlich als Elle Driver in Quentin Tarantinos „Kill Bill“-Saga popkulturell verewigte. Was Daryl Hannah seitdem so macht, erfahrt ihr hier:
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